EV Batterie Degradation

Lässt DC-Laden Batterien schneller altern?

Neue Daten zeigen: Selbst häufiges Schnellladen lässt Batterien schneller, aber in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen altern.

Die Art, wie moderne Elektroautos geladen werden, hat messbaren Einfluss auf die Alterung der Traktionsbatterie. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Telematikspezialisten Geotab. Das Unternehmen hat reale Batteriedaten von mehr als 22.700 Elektrofahrzeugen aus 21 Baureihen über mehrere Jahre ausgewertet. Im aktualisierten Report liegt die durchschnittliche jährliche Batteriedegradation bei 2,3 Prozent, nachdem frühere Analysen 1,8 Prozent ergeben hatten. Die Forscher führen den Anstieg vor allem auf die wachsende Nutzung leistungsstarker DC-Schnelllader zurück, nicht auf eine grundsätzlich schlechtere Zellqualität.

Unterm Strich bleiben die Akkus laut Geotab robust: Im Schnitt verfügen moderne Traktionsbatterien nach acht Jahren noch über rund 82 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität und damit über genügend Reserven für den typischen Flotteneinsatz.

Einfluss von Schnellladen und Ladeprofil

Die Auswertung zeigt deutlich, dass die Ladeleistung inzwischen der wichtigste betriebliche Einflussfaktor auf die Batterielebensdauer ist. Fahrzeuge, die überwiegend mit DC-Leistungen von mehr als 100 kW geladen werden, verlieren im Mittel rund 3,0 Prozent Kapazität pro Jahr. Wer vorwiegend mit AC oder niedrigeren DC-Leistungen lädt, kommt dagegen auf etwa 1,5 Prozent Degradation pro Jahr.

Geotab betont, dass nicht einzelne Schnellladevorgänge problematisch sind, sondern eine sehr hohe Quote von High‑Power-Sessions über den gesamten Lebenszyklus. Flotten können die Alterung spürbar reduzieren, wenn sie Schnellladen auf wirklich notwendige Einsätze beschränken und sonst langsamer laden.

Stärker genutzte Fahrzeuge verlieren pro Jahr zwar etwas mehr Kapazität, der Effekt bleibt aber moderat und wird durch die höhere Auslastung wirtschaftlich überkompensiert. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass intensive Nutzung aus ROI-Sicht (Return of investment) meist sinnvoll ist, weil die Kosten pro Kilometer sinken.

Andere Faktoren spielen eine geringere Rolle: In sehr warmen Regionen steigt die Degradation im Schnitt nur um etwa 0,4 Prozentpunkte pro Jahr gegenüber gemäßigten Klimazonen. Auch eine breite Nutzung des SOC‑Fensters ist weniger kritisch als oft angenommen – kritisch wird es erst, wenn Fahrzeuge mehr als 80 Prozent der Zeit nahe 100 oder nahe 0 Prozent Ladezustand verbringen.

Praxisempfehlungen für Flotten und Vielfahrer

Aus den Daten leitet Geotab einfache Leitlinien für den Alltag ab:

  • Schnellladen gezielt einsetzen, nicht dauerhaft mit maximaler Leistung laden.
  • Möglichst oft mit AC oder moderater DC-Leistung nachladen.
  • Extreme Ladezustände (dauerhaft fast voll oder fast leer) vermeiden.
  • Fahrzeuge mit hoher Jahresfahrleistung bewusst einplanen – höhere Degradation wird durch bessere Fahrzeugauslastung meist überkompensiert.

So bleiben die Batterien im Schnitt länger als die üblichen Flotten-Austauschzyklen einsatzfähig, auch wenn der Anteil an Schnellladungen weiter steigt. Titelfoto: Kia

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