MG Motors bringt ein weiteres Modell auf die Straße: Der MG4 EV Urban soll in erster Linie Menschen im städtischen Raum ansprechen.
Mit dem neuen MG4 EV Urban wagt MG Motors einen bemerkenswerten Schritt: äußerlich eher zurückhaltend, technisch jedoch mit enormem Potenzial. Denn hinter dem unscheinbaren Namen verbirgt sich möglicherweise das erste Großserien-Elektroauto mit Semi-Solid-State-Batterie. Noch fährt der Urban mit konventionellen Akkus vor – doch die neue Plattform ist bereits auf die nächste Batteriegeneration vorbereitet. Wir sind den jüngsten Spross der Chinesen bereits gefahren.
Der Urban basiert auf einer komplett neuen Architektur. Anders als der bekannte heckgetriebene MG4 setzt die Urban-Variante auf Frontantrieb. Das klingt zunächst unspektakulär, bringt jedoch erhebliche Vorteile bei Packaging und Kostenstruktur. Der Effekt zeigt sich sofort im Innen- und Kofferraumkonzept. Unter dem Ladeboden entsteht ein riesiges 98-Liter-Unterfach, das den Urban zu einem regelrechten Raumwunder macht.

Auch preislich setzt MG ein deutliches Zeichen: Zum Marktstart beginnt der Urban dank 6.000 Euro Herstellerbonus bereits bei knapp 19.000 Euro. Optisch unterscheidet er sich immens vom bisherigen MG4. Designchef Jozef Kabaň ließ Elemente des MG Cyberster einfließen: scharf gezeichnete Leuchten, markante Radhäuser und ein kantiges Heck mit Union-Jack-Zitat in den Rückleuchten.
MG4 EV Urban: Start bei 19.000 Euro – noch
Mit 4,39 Metern Länge wirkt der Urban erstaunlich kompakt, beinahe wie ein klassischer Vertreter des B-Segments. Tatsächlich nutzt er seine Proportionen jedoch deutlich effizienter als viele Konkurrenten. MG bietet den Urban zunächst in drei Versionen an. Das Basismodell „Comfort Standard Range“ kombiniert eine 43-kWh-Batterie mit einem 110-kW-Elektromotor/150 PS. Die WLTP-Reichweite liegt bei 323 Kilometern. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 9,6 Sekunden.
Bei der Ladeleistung kann der MG4 Urban nicht so ganz mit der Konkurrenz mithalten. 87 kW liegen hinter dem, was die Konkurrenz bietet. Dennoch soll der Hub von 10 auf 80 Prozent SoC in 30 Minuten gelingen. Bereits serienmäßig an Bord sind 16-Zoll-Leichtmetallräder, Rückfahrkamera, Klimaanlage, 7-Zoll-Digitalcockpit, 12,8-Zoll-Infotainment sowie kabelloses Apple CarPlay und Android Auto.

Darüber angesiedelt ist der „Comfort Long Range“ mit 54-kWh-Batterie und 118 kW/160 PS. Die Reichweite steigt auf 412 Kilometer nach WLTP. Die von uns gefahrene Topversion „Premium Long Range“ enthält zusätzlich Sitz- und Lenkradheizung, eine induktive Ladeschale, eine 360-Grad-Kamera sowie getönte Scheiben hinten.
Die größte Überraschung liefert allerdings der Innenraum. Sofort fällt auf, wie großzügig der Urban geschnitten ist. Selbst wenn vorne großgewachsene Personen Platz nehmen, bleibt im Fond verblüffend viel Beinfreiheit. Das hohe Dach von 1,50 Metern sorgt zusätzlich für ein luftiges Raumgefühl. Trotz seiner kompakten Außenmaße erreicht der MG innen beinahe Mittelklasse-Niveau. Zudem fällt auch die solide Verarbeitung auf.
Enorm viel Platz im Innenraum – und dahinter
Noch beeindruckender wird es beim Kofferraum: Zusammen mit dem Unterbodenfach stehen bis zu 577 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Bei umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1.364 Liter. Damit wird der kleine MG beinahe zum Allrounder für Familie und Alltag.
Hervorzuheben ist das angenehme Fahrverhalten. Die Lenkung reagiert unmittelbar und präzise. Der MG4 EV Urban ist ein durchaus agiles Auto mit straffer Abstimmung – und ohne jenen so chinatypischen, kamelgleichen Passgang, der einem beim Fahren in der Volksrepublik schon mal auf den Magen schlägt. Unterwegs durchs Münchner Umland zeigt der Urban gern auch mal seine durchaus schwungvolle Seite.

Besonders hervorzuheben sind die Verbrauchswerte. MG gibt für den Premium mit 54-kWh-Batterie einen WLTP-Verbrauch von 15,5 kWh auf 100 Kilometer an. Wir kamen bei 155 Kilometern durch München, sein östliches Umland und auf mehreren Autobahnen auf 14,2 kWh Verbrauch.
Noch 2026 kommt ein Semi-Solid-State-Akku
Richtig spannend wird der MG4 EV Urban allerdings erst perspektivisch. MG bereitet das Fahrzeug bereits auf Semi-Solid-State-Batterien vor. Diese Technologie verspricht deutlich höhere Energiedichte bei geringerem Gewicht. So soll ein 100-kWh-Akku künftig nur noch rund 298 Kilogramm wiegen – ein enormer Fortschritt gegenüber heutigen Batteriesystemen. Das könnte entweder deutlich mehr Reichweite oder spürbar leichtere Fahrzeuge ermöglichen. Nach Angaben von MG soll die Semi-Solid-State-Variante noch in diesem Jahr auf den deutschen Markt kommen. Preise und Ausstattungsdetails stehen noch nicht fest.
Fazit: Hinter dem Understatement-Auftritt des MG4 EV Urban steckt ein clever konstruiertes Raumwunder mit überraschend viel Alltagstalent und einer potenziell revolutionären Batterietechnik in der Hinterhand. Vor allem das enorme Platzangebot hebt den Urban deutlich von vielen Konkurrenten ab. Wenn MG die angekündigte Semi-Solid-State-Technologie tatsächlich erfolgreich in Serie bringt, könnte aus dem cleveren Kompakten eines der wichtigsten E-Autos seiner Klasse werden. Daniel Killy/SP-X
MG4 EV Urban – Technische Daten:
Fünftüriger Kompakter; Länge: 4,39 Meter, Breite: 1,84 Meter (mit Außenspiegeln: 2,14 Meter), Höhe: 1,55 Meter, Radstand: 2,75 Meter, Kofferraumvolumen: 568 – 1.362 Liter, Preis: ab 24.990 Euro (sowie 6000 Euro Rabatt bis 30. Juni 2026). Preis des Testwagens: ab 31.490 Euro.
E-Motor mit 118 kW/160 PS, Drehmoment: 250 Nm, 0 – 100 km/h: 9,5 s, Vmax: 160 km/h, Verbrauch: 15,5 kWh/100 km, 0g CO2/100 km, Akkugröße: 52,8 kWh, Reichweite: 405 km (WLTP), Ladeleistung: 87 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10 – 80 % in 30 Minuten, AC: 0 – 100 % in 6:30 Std.


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