Volvo EX60

Volvo EX60: Der Reichweiten-Riese

Bis zu 810 Kilometer Reichweite: Volvo setzt mit dem neuen EX60 ein Ausrufezeichen. Wir waren mit dem Stromer unterwegs.

Seit 2008 ist Volvo mit dem XC60 in der SUV-Mittelklasse vertreten. Und seitdem ist das Modell der Verkaufsrenner der Marke. Jetzt stellen die Schweden dem als Hybrid und Plug-in-Hybrid angebotenen XC60 den vollelektrischen EX60 mit 800-Volt-Architektur zur Seite. Drei unterschiedliche Antriebe mit jeweils anderen Batteriegrößen stehen mit den Bezeichnungen P6 electric, P10 AWD electric und P12 AWD electric zur Wahl. Während P6 und P10 noch in diesem Sommer zu den Händlern kommen, wird der P12 erst Anfang 2027 anrollen.

Volvo EX60
Unser Autor konnte erste Fahreindrücke mit dem Volvo EX60 sammeln. Fotos: Volvo

Die Einstiegsversion P6 wird mit einem 275 kW (374 PS) starken Permanentmagnet-Synchronmaschine (PMSM) über die Hinterachse angetrieben. Die Energiemenge von netto 80 kWh in der Batterie ermöglicht laut Volvo eine WLTP-Reichweite von bis zu 611 Kilometern. Bei einer maximalen Ladeleistung von 320 kW dauert es 16 Minuten, um den Stromvorrat im Akku von zehn auf 80 Prozent zu bringen. Das später kommende Spitzenmodell verfügt über einen Allradantrieb mit einer Gesamtleistung von 500 kW (680 PS) und kommt auf eine WLTP-Reichweite von maximal 810 Kilometern. Hier dauert es nach Volvo-Angaben 19 Minuten, um die Batterie mit einer Nettokapazität von 112 kWh von zehn auf 80 Prozent zu laden. Die Ladeleistung liegt bei maximal 370 kW.

22-kW-Lader und niedriger Verbrauch

Wir waren auf ersten Testfahrten mit dem P10 AWD electric in der Ultra-Ausstattung unterwegs, der eine Systemleistung von 375 kW (510 PS) auf die Straße bringt. Wie im P12 kommt dabei vorne ein Asynchronmotor und hinten die PMSM-Maschine zum Einsatz. Der Frontmotor wird lediglich bei Bedarf zugeschaltet, wenn mehr Traktion oder Leistung benötigt wird. Verbaut ist in dieser Variante eine Batterie mit einer Netto-Kapazität von 92 kW. Das soll für eine maximale Reichweite von 660 Kilometern reichen. Geladen werden kann mit 370 kW. 16 Minuten werden angegeben, um die Strommenge im Akku von zehn auf 80 Prozent zu bringen. In allen drei Versionen ist übrigens serienmäßig ein 22-kW-On-Board-Lader verbaut.

Volvo EX60
Im Innenraum sind Tasten und Schalter Mangelware.

Im Datenblatt wird der Verbrauch des P10 mit 16,2 kWh (mit Ladeverlusten19,2 kWh) angegeben. Wir sind um die 80 Kilometer mit wenigen auf Tempo 130 begrenzten Autobahnteilstücken, langen durchaus flott absolvierten Landstraßenabschnitten und einem großen Teil Stadtverkehr bei Temperaturen um die 20 Grad mit dem EX60 gefahren. Anschließend zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 17,1 kWh an. Das kann sich mehr als nur sehen lassen. Das ist richtig gut, auch angesichts des Fahrzeuggewichts von 2,35 Tonnen.

Nur wenige Schalter und Tasten

Besonders auffällig bei der Testfahrt war die Ruhe im Auto. Selbst die Abrollgeräusche der Reifen war nur ansatzweise zu hören. Weniger schön ist, dass Volvo weiterhin die Zahl der physischen Bedienelemente auf ein absolutes Minimum reduziert. Zwar lassen sich die Sitze elektrisch verstellen und die Lautstärke ist über eine – überaus schicke – Walze zu regeln. Doch wer Außenspiegel und Lenkrad verstellen möchte, muss immer über das Infotainment-Touchdisplay gehen. Dort gibt es dann einen Schnellzugriff für den linken und rechten Spiegel sowie das Steuer. Ist das jeweilige Symbol angeklickt, ist das Verstellen über einen Knopf am Lenkrad möglich: Handgriffe, die während der Fahrt tunlichst nicht erfolgen sollten, lenken sie doch unnötig vom Verkehrsgeschehen ab. Zudem kann das Einstellen über den Bedienknopf am Lenkrad ohne vorherige Erklärung zum Verzweifeln führen. Hier ist nämlich Fingerspitzengefühl gefragt. Für Pool-Fahrzeuge in der Flotte ist das nicht unbedingt vorteilhaft.

Volvo EX60
Kommt mit drei verschiedenen Motoren und drei Akkus: Volvo EX60.

Das allerdings ist einer von zwei erkennbaren Nachteilen des Volvo EX60, der mit einem enormen Platzangebot im Passagierabteil und auch im Kofferraum beeindruckt. Das Ladeabteil lässt sich aufgrund der im Verhältnis 40:20:40 geteilten hinteren Lehnen variabel von 523 bis auf maximal 1.647 Liter vergrößern. Dann steht eine ebene Ladefläche zur Verfügung. Im hinteren Bereich sind zwei Klappen im Ladeboden installiert, um darunter Kleinkram verstauen zu können. Unter der Fronthaube gibt es einen Frunk, der 58 Liter fasst.

Viel Platz und eine ebene Ladefläche

Die Sitze sind straff, aber sehr bequem gepolstert. Die eingesetzten Materialien wirken hochwertig und tragen zum Wohlfühlen bei. Vor dem Platz am Steuer liegt ein neu entwickeltes 11,4 Zoll großes Infodisplay mit wichtigen Fahrzeuginfos. Daneben haben die Designer einen 15-Zoll-Touch-Curved-Touchscreen jetzt im Querformat angesiedelt. Der bietet dank OLED-Technologie eine extrem scharfe Darstellung und nach einer tatsächlich kleinen Eingewöhnungszeit schnelle Zugriffsmöglichkeiten auf gewünschte Bereiche. Auch auf die Klimaautomatik: Deren Luftdüsen allerdings lassen sich nicht über manuelle Stellknöpfe, sondern nur digital über den Bildschirm in die gewünschte Richtung verstellen. Der zweite Kritikpunkt, denn auch das Suchen und Wischen auf dem Screen lenkt unnötig ab.

Volvo EX60
Im Laderaum lassen sich 523 bis 1.647 Liter Gepäck unterbringen.

Das zum Einsatz kommende Google Gemini ist gelungen, auf natürliche Sprache ausgelegt und reagiert ziemlich perfekt. Statt eines herkömmlichen Handschuhfachs haben sich die Volvo-Designer dafür entschieden, ein ausklappbares Staufach im vorderen Bereich zwischen Fahrer und Beifahrerplatz zu installieren.

Der EX60 liegt klasse in der Hand

Wenn’s ums Fahren geht, dann lässt der Volvo EX60 keine Schwächen erkennen. Die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 beträgt laut Datenblatt 4,6 Sekunden. Das aber ist nicht wirklich relevant. Wichtig ist, dass der EX60 im Bedarfsfall entsprechenden Antritt und Durchzug besitzt, um einen Überholvorgang schnell abzuschließen oder ein Ausweichmanöver einzuleiten. Das beherrscht das elektrische SUV bestens. Das Fahrwerk meistert schnelle Richtungswechsel nicht nur in dem Zusammenhang mit absoluter Ruhe. Der EX60 liegt schlichtweg klasse in der Hand, bleibt selbst im Standardmodus in flott gefahrenen Kurven auch dank der direkt reagierenden Lenkung problemlos in der Spur. Die in der Ultra-Ausstattung verbauten 21-Zoll-Aluräder (sonst 20 Zoll) garantieren dabei jederzeit einen festen Kontakt zur Straße. Knackiger wird es im Modus Performance. Dann ist das Ansprechverhalten direkter, und es geht mit noch mehr Dampf nach vorne. Wird die Stufe Range gewählt, schaltet der EX60 auf optimierte Energieeffizienz, um eine maximale Reichweite zu erreichen.

Volvo EX60
Kleine Finnen auf der Türschulter erlauben es Gästen des EX60, die Türen aufzuziehen.

Ausgestattet ist der EX60 P10 Ultra werksseitig sehr umfangreich. So gibt es ein großes elektromechanisches und feststehendes Panorama-Glasdach, das automatisch die Transparenz anpasst. Auch ein Bose-Premium-Sound-System mit 1.200 Watt Leistung und 21verbauten Lautsprechern zählt zum Lieferumfang. Dazu kommen unter anderem noch Einparkhilfen vorne und hinten, Rückfahrkamera, Wärmepumpe, USB-C-Ladeanschlüsse vorne und hinten, eine induktive Ladeschale fürs Smartphone, Android Auto und Apple CarPlay sowie Matrix-LED-Scheinwerfer. Für umfangreiche Sicherheit sorgt eine Vielzahl von Assistenzsystemen. Die werden von fünf Radaren, fünf Kameras und zwölf Ultraschallsensoren über eine Zentralrecheneinheit permanent mit Daten gefüttert.

Auf Wunsch kann der EX60 mit einer Anhängerkupplung bestellt werden. Die kann im P6 zwei, sonst 2,4 Tonnen an den Haken nehmen. Die Stützlast beträgt wie die maximale Dachlast 100 Kilogramm. Auch damit setzt der EX60 ein Ausrufezeichen.

Das Einstiegsmodell P6 kostet 62.990 Euro, während der von uns gefahrene P10 AWD bei einem Listenpreis von 65.990 Euro startet. Der später hinzu kommende P12 kostet mindestens 72.000 Euro.

Volvo EX60
Hinter dem Steuer des EX60 fühlt man sich schnell wohl.

Volvo EX60 – Technische Daten:

Fünftüriger Elektro-SUV mit Frontantrieb; Länge: 4,80 Meter, Breite (mit Außenspiegeln): 2,06 m, Höhe: 1,63 m, Radstand: 2,97 m. Kofferraumvolumen 523 – 1.647 Liter.

P6: Elektroantrieb, Leistung 275 kW/374 PS, max. Drehmoment 480 Nm, 1 Gang-Automatikgetriebe, Leergewicht 2.189 kg, Lithium-Ionen-Batterie mit 83 kWh, max., DC-Ladeleistung 320 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 16 min., max. Reichweite 611 km (WLTP), Energieverbrauch 14,9 -18,0 kWh/100 km (WLTP), 0-100 km/h: 5,9 s, Vmax: 180 km/h, Preis: ab 62.990 Euro.

P10 AWD: Fünftüriger Elektro-SUV mit Allradantrieb; Elektroantrieb, Leistung 375 kW/510 PS, max. Systemdrehmoment 790 Nm, 1-Gang-Automatikgetriebe, Leergewicht 2.350 kg, Lithium-Ionen-Batterie mit 95 kWh, max., DC-Ladeleistung 370 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 16 min., max. Reichweite 660 km (WLTP), Energieverbrauch 16,2 -19,2 kWh/100 km (WLTP), 0-100 km/h: 4,6 s, Vmax: 180 km/h, Preis: ab 65.990 Euro.

P12 AWD: Fünftüriger Elektro-SUV mit Allradantrieb; Elektroantrieb, Leistung 500 kW/680 PS, max. Systemdrehmoment 790 Nm, 1-Gang-Automatikgetriebe, Leergewicht 2.405 kg, Lithium-Ionen-Batterie mit 117 kWh, max., DC-Ladeleistung 370 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 19 min., max. Reichweite 810 km (WLTP), Energieverbrauch 16,0  kWh/100 km (WLTP),  0-100 km/h: 3,9 s, Vmax: 180 km/h, Preis: ab 72.000 Euro.

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