Suchen Sie einfach nur ein solides Elektroauto? Mit viel Platz und guter Ausstattung zum fairen Preis? Dann lesen Sie weiter.
Es sind die einfachen Leute, der – im besten Sinne – Durchschnitt, die den Laden am Laufen halten. Diese Menschen agieren auch bei der Auswahl ihres Autos meist unprätentiös und entscheiden sich ganz unspektakulär für Fahrzeuge von Marken wie etwa Toyota, Opel oder Renault. Und solche Fahrer können nicht zuletzt durch die vielen, neu auf dem Markt agierenden chinesischen Hersteller zwischen immer mehr Autos wählen. Der Jaecoo 5 EV ist so ein Fahrzeug: grundsolide, preiswert, in keiner Disziplin überragend, aber zumindest für den Alltagsfahrer auch ohne nennenswerte Schwächen.
Dabei sieht das Elektro-SUV von außen keineswegs langweilig aus. Anders als viele Fahrzeuge in der 4,40-Meter-Klasse macht der „5er“ nicht auf Softie, sondern betont mit seinem mächtigen Unterbau und der geraden Gürtellinie seinen Offroad-Charakter – manche mögen sogar Verwandtschaft zu Modellen von Land Rover entdecken. Der durch den E-Antrieb mögliche Verzicht auf einen Kühlergrill und die mit 18 Zoll für heutige Verhältnisse eher klein ausgefallenen Räder trüben diesen Eindruck allerdings gleich wieder.

61 kWh großer Akku, 130 kW Ladeleistung
Beim Kerngeschäft eines Elektroautos – also dem Dreiklang aus Verbrauch, Reichweite und Nachladen – bietet der Jaecoo 5 den erwähnten Durchschnitt: Aus der 61 kWh großen Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) fließen pro 100 Kilometer nach WLTP 16,5 kWh Strom, die Normreichweite beträgt 402 Kilometer und das Schnellladen hat mit 130 kW den Begriff „schnell“ so gerade noch verdient. Beim üblichen Messwert für die Ladung von 10 auf 80 Prozent schneidet der Chinese mit 34 Minuten entsprechend unauffällig ab.
Apropos Chinese: Ab nächstem Jahr kommt der Jaecoo nicht mehr aus Fernost, sondern wird in Barcelona produziert, in einem früheren Nissan-Werk. Ein Hinweis darauf, wie ernst es Jaecoo und die etwas höher positionierte Schwestermarke Omoda mit ihrem Europa-Engagement nehmen. Kein Wunder, steht doch hinter dem Duo der Chery-Konzern, der in Europa zusätzlich ja auch unter dem Kernnamen Autos verkauft.
Zurück zum Jaecoo 5, der auch auf unserer Testfahrt nicht viel Anlass zur Kritik gab. Das Fahrwerk ist komfortabel ausgelegt, mit gelegentlichem Hang zum Schwimmen und Schaukeln – etwa in schneller gefahrenen Kurven. Die Bremsen sind okay, könnten dem Fahrer aber etwas mehr Rückmeldung geben, nur die Lenkung agiert uns ein wenig arg beliebig. Immerhin gibt es drei Fahrmodi (Normal, Eco und Sport), mit denen man seine präferierte Fortbewegung in engen Grenzen individueller gestalten kann.

Jaecoo 5 EV: Platz gibt es genug
Dass der Jaecoo auf seinen 4,38 Metern Länge Platz satt zu bieten hat, ist im anbrechenden Zeitalter der Elektroautos keine besondere Leistung, aber auch kein Grund zur Kritik. Vorn wie hinten gibt es mehr als genug Platz, die Sitze vorn dürften allerdings gerne etwas mehr Seitenhalt bieten. Mit 384 Litern, durch Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1.284 Liter erweiterbar, fällt der Kofferraum allerdings bescheiden aus.
Der Innenraum bietet keine Überraschungen, weder positiv noch negativ. Es gibt viele, durchdacht platzierte Ablagen und sauber verarbeitete, keineswegs billig wirkende Materialien. Auch der 13,2-Zoll große Touchscreen und das 8,9-Zoll messende Infodisplay vor dem Fahrer sind heutzutage mehr oder weniger Standard.
Die große Stärke dieses E-SUV ist dagegen ohne Zweifel das Preis-/Leistungsverhältnis, das sogar für ein Auto aus China außergewöhnlich gut ist. Es gibt zwei Ausstattungsstufen Select und Exclusive. Die Basis für günstige 32.400 Euro bietet unter anderem ein komplettes Assistenz-Paket, Navi, Rückfahrkamera, Lenkradheizung und umklappbare, beheizte Außenspiegel.

Sieben Jahre Garantie, acht auf den Akku
Wer 3.000 Euro drauflegt, bekommt Kunstledersitze mit Belüftung, ein Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenrollo, eine elektrische Heckklappe, ein Sony-Soundsystem und kabelloses Smartphone-Laden. Auch eine 12-Volt-Buchse im Laderaum ist dann dabei, denn der Jaecoo 5 erlaubt das Anzapfen seiner Batterie für Geräte mit 3,6-Volt-Spannung.
Wer sich für ein chinesisches Fahrzeug entscheidet, tut dies vielleicht in Hinblick auf Händlernetz, Ersatzteilversorgung, Haltbarkeit und Qualität nicht selten mit Bauchschmerzen. Bedenken zur Qualität versucht Jaecoo mit einer siebenjährigen Garantie (bis 150.000 Kilometer) und der mittlerweile bei E-Autos fast schon obligatorischen Akku-Garantie von acht Jahren (160.000 Kilometer) zu entkräften.
Und wer der E-Mobilität insgesamt noch skeptisch gegenübersteht, für den könnte die mit einem Benzinmotor und leichter elektrischer Unterstützung aufwartende Hybridversion des Jaecoo 5 interessant sein, denn die gibt es bei vergleichbarer Ausstattung schon ab 27.900 Euro, bei einem Reichweitenversprechen von über 900 Kilometern. Peter Eck/SP-X

Jaecoo 5 EV – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitziges Elektro-SUV der Kompaktklasse; Länge: 4,38 m, Breite: 1,86 m, Höhe: 1,65 m, Radstand: 2,62 m, Kofferraumvolumen: 384 – 1.284 Liter.
Elektromotor; 155 kW/211 PS; Frontantrieb; Drehmoment: 288 Nm; 0-100 km/: 7,7 s; Vmax: 175 km/h; LFP-Akku: 61 kWh; Reichweite: 402 km; Normverbrauch: 16,5 kWh/100 km; Ladeleistung: 11 kW (AC), 130 kW (DC); 10-80 %: 34 min (DC), Preis: ab 32.400 Euro.


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