In diesem Jahr endet die Produktion der aktuellen Alpine 110. Grund genug, den Sportwagen noch einmal ausgiebig zu fahren.
Alpine, ein Name, der für eine Vielzahl von Erfolgen im Motorsport steht. Doch irgendwie suggeriert Alpine auch die Nähe zu den Bergen. Und ja, auf den kurvenreichen Straßen im Gebirge ist die Alpine in ihrem waren Element. Das gilt allerdings vor allem im Sommer und auf trockenem Asphalt. Denn eines steht fest. Die Alpine und der Winter werden nie und nimmer eine tiefe Freundschaft entwickeln. Dafür ist der Sportwagen nicht gemacht.
Eiseskälte und Schnee bis in die tiefen Lagen. Da steht die Alpine für Testfahrten vor der Tür. Das leichte Zögern ist schnell überwunden. Schnee entfernen, Scheiben freikratzen und los geht´s. Der 1,8-Liter-Vierzylinder-Mittelmotor erwacht nach dem Druck auf den Start-Stop-Knopf mit einem sonoren Röhren. Grund dafür ist die in diesem Fall verbaute Akrapovic-Titan-Abgasanlage.

Der Sound verleitet. Allerdings zeigt sich schon beim ersten Druck aufs Gaspedal, dass die Alpine 110 GTS bei diesen Verhältnissen alles andere als leicht zu beherrschen ist. Der Heckantrieb und die darauf einwirkenden 221 kW (300 PS) lassen das gerade mal etwas mehr als 1.100 Kilogramm wiegende Leichtgewicht auf dem glatten Untergrund munter tänzeln. Also gilt es zunächst einmal, den rechten Fuß ganz sanft einzusetzen, sich an die Alpine zu gewöhnen.
Vorsicht bei nassem Untergrund
Mit den Winterreifen (vorne 215/40, hinten 245/40) auf den 18-Zoll-Alurädern hält der 4,18 Meter lange, mit Außenspiegel 1,98 Meter breite und lediglich 1,25 Meter hohe Wagen jetzt ganz ordentlich die Spur. Doch Respekt ist weiterhin angesagt. Selbst auf den freigeräumten aber nassen Straßen wird das Heck unruhig, wenn das Gaspedal mal ein wenig heftiger zum Einsatz kommt. Es dauert einige Kilometer, um sich an die Alpine 110 zu gewöhnen, die Beschleunigung mit Feingefühl einzuleiten und sich auf die Schaltvorgänge des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes einzustellen. Das manuelle Schalten über die großen Pedals am Lenkrad – soviel hier schon verraten – wird erst deutlich später auf dann trockener Fahrbahn ein Thema.

Zunächst aber ist die Straße nass und immer wieder mit Schneeresten bedeckt. Also ist Vorsicht angesagt. Der Sound und die Leistung aber sind schon äußerst verlockend. Auf der überaus verkehrsarmen Landstraße wird das Tempo dann mehr und mehr gesteigert. 60, 80 – viel mehr geht aber nicht. In diesem Bereich lässt sich die Alpine 110 inzwischen gut beherrschen. Beim anschließenden Ausflug auf die längst schneefreie Autobahn klettert die Tachonadel schnell auf 130, dann auf 150. Das Lenkrad liegt gut in der Hand, die Schalensitze geben besten Halt und eine ordentliche Position. Mittlerweile ist zudem das Gefühl für die Alpine gewachsen, die Reaktionen des Sportwagens lassen sich leichter interpretieren. Das schafft Vertrauen.
Die Alpine fliegt um die Ecken
Das zahlt sich zwei Tage später bei herrlichem Sonnenschein und besten Bedingungen aus. Die Alpine fliegt auch dank der Gewichtsverteilung von 44 Prozent vorne zu 56 Prozent hinten bei einem Radstand von 2,42 Metern grandios um die Ecken. Zwar arbeitet das Automatikgetriebe tadellos, der Einsatz der Schaltpedals in Verbindung mit dem Druck auf den am Lenkrad angebrachten Sport-Button erhöht jedoch den Fahrspaß noch einmal deutlich. So gelingt der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,2 Sekunden, in der Spitze schafft der GTS mit dem Aero-Paket 275 Kilometer in der Stunde. Beide Werte waren aufgrund des Wetters und der Winterreifen nicht zu erreichen.
Beide Faktoren aber wirken sich wie auch die Fahrweise auf den Verbrauch aus. Waren es bei der ruhigen Fahrt um die acht Liter, fließen bei wirklich sportlicher Fortbewegung locker 11,5 Liter Super durch die Leitungen. Der kombinierte WLTP-Wert von sieben Litern ist da eher ein Witz und vermutlich auch mit Sommerreifen und bei wärmeren Temperaturen ganz weit weg von der Realität. Alles in allem haben wir 9,6 Liter erfahren.

Real dagegen sind die Brembo-Bremsen mit 320 Millimeter großen Scheiben, die für beste Verzögerung sorgen, dazu hier als Sonderausstattung noch in einem leuchtenden Gold ausgelegt. Zusätzlich zur 79.350 Euro teueren Serienversion, die unter anderem LED-Scheinwerfer, Einparkhilfen vorne und hinten samt Rückfahrkamera, das Navigationssystem, Klimaautomatik mit separater Bedienleiste und ein Audiosystem beinhaltet, besitzt die getestete Alpine 110 GTS beispielsweise ein Fahrzeugdach aus Carbon, das Aero-Paket, glanzgedrehte 18-Zoll-Aläuräder und die Akrapovic-Abgasanlage. Damit steigt der Preis des Zweitürers auf etwas mehr als 110.000 Euro.
Auch bei diesem Preis ist das Grand Touring Sportcoupé nicht für die Urlaubsfahrt mit großem Gepäck gemacht. Denn hinten gibt es ein Fach mit einem Volumen von 96 Litern, unter der vorderen Haube stehen 100 Liter Stauraum zu Verfügung. Das ist nicht wirklich viel. Ob und wie sich das beim Nachfolger ändert, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings, dass die nächste Generation nicht mehr von einem Verbrenner, sondern elektrisch angetrieben wird.


Add a Comment