E-Mobilität Klimaziele

Immer mehr Staaten setzen auf E-Mobilität

Weltweit verankern immer mehr Staaten den Ausbau der E-Mobilität offiziell in ihren Klimaplänen. Doch es gibt weiterhin (große) Bremser.

Immer mehr Staaten verankern Ziele für die E-Mobilität in ihren Statuten. Doch große Emittenten wie die USA, Brasilien und Russland bleiben weiterhin ohne konkrete Ziele. Damit entsteht ein deutliches Gefälle zwischen ambitionierten Vorreitern und zögerlichen Großmärkten.

Laut einer Auswertung des Thinktanks Agora Verkehrswende haben 104 Staaten in ihren nationalen Klimaschutzbeiträgen (Nationally Determined Contributions, NDCs) Maßnahmen zur Elektromobilität angekündigt. 66 davon – darunter alle 27 EU-Mitgliedstaaten – haben inzwischen konkrete Ausbauziele definiert. Diese Länder stehen zusammen für über 60 Prozent des weltweiten Pkw-Absatzes, was zeigt, dass E-Mobilität in vielen wichtigen Automärkten Teil der offiziellen Klimastrategie geworden ist.

Bemerkenswert: 52 Staaten haben seit 2015 erstmals verbindliche E‑Mobilitätsziele in ihren NDCs verankert. NDCs müssen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens etwa alle fünf Jahre aktualisiert werden und legen fest, wie die Staaten ihre CO₂‑Emissionen senken wollen.

Ziele für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur

Insgesamt 56 Staaten setzen sich Ziele für Elektro-Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, 49 Länder formulieren Vorgaben für E‑Busse und 36 für elektrische Lkw. 13 Staaten gehen darüber hinaus und definieren auch Ziele für Elektromotorräder, die in vielen Schwellenländern ein wichtiger Verkehrsträger sind.

E-Mobilität Klimaziele
Grafik: Agora Verkehrswende

Deutlich dünner ist das Bild bei der Ladeinfrastruktur: Nur neun Staaten haben konkrete Ausbauziele für Ladepunkte in ihre NDCs aufgenommen, fünf Länder nennen Vorhaben zur Elektrifizierung ihres Schienennetzes. Damit besteht die Gefahr, dass Fahrzeuge schneller wachsen als die dazugehörige Infrastruktur, sofern nationale Strategien das nicht separat abfangen.

In der EU sind die Flotten-CO₂-Ziele der zentrale Hebel für mehr Elektromobilität. Offiziell ist weiterhin das Ziel einer 100‑prozentigen CO₂‑Reduktion im Pkw-Neuwagenverkehr ab 2035 hinterlegt, auch wenn politisch über eine Abschwächung auf 90 Prozent diskutiert wird. Solange dieser Vorschlag nicht in geltendes Recht überführt ist, bleibt das 100‑Prozent‑Ziel maßgeblich.

Neben großen Blöcken wie der EU, Großbritannien und Kanada fallen zahlreiche kleinere Länder positiv auf – etwa Barbados, Kuba, Nepal oder Ruanda. Sie koppeln ambitionierte E‑Fahrzeugziele mit breiten Maßnahmen wie segmentübergreifenden Vorgaben für Pkw, Busse und Zweiräder, flankierenden Infrastrukturprogrammen und teilweise detaillierten Finanzierungsplänen.

Lücke zwischen NDCs und tatsächlicher Politik

Die erfassten Zahlen bilden nur die Ziele ab, die in den NDCs bei den Vereinten Nationen hinterlegt sind. Viele Staaten verfolgen zusätzlich nationale Strategien, die in den offiziellen Klimabeiträgen gar nicht oder nur teilweise auftauchen – etwa China als weltgrößter E‑Auto-Markt. Dort gibt es eigene Programme, Quoten und Industriepolitiken, die über das hinausgehen, was formal im NDC steht.

Am anderen Ende der Skala stehen Länder wie die USA, Brasilien oder Russland, die bislang keine expliziten E‑Mobilitätsziele in ihren NDCs verankert haben. In den USA treiben einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien zwar den Ausstieg aus dem Verbrenner bis 2035 voran, ein bundesweites Ziel fehlt aber ebenso wie eine entsprechende UN-Meldung. Auch Norwegen, das faktisch eines der ambitioniertesten E‑Auto-Länder weltweit ist, hat seine Vorhaben nie als NDC formuliert.

Anteil an den globalen Verkehrsemissionen

Die Analyse zeigt, dass Staaten mit expliziten E‑Mobilitätszielen in ihren NDCs nur rund 34 Prozent der globalen Verkehrsemissionen verursachen. 62 Länder – darunter mehrere große Automärkte – haben bislang keine solchen Ziele hinterlegt. Indien etwa hat noch keinen aktualisierten NDC eingereicht, der Elektromobilität konkret adressiert.

Damit klafft eine erhebliche Lücke zwischen dem global notwendigen Transformationsniveau und den heute verbindlich zugesagten Maßnahmen. Ohne zusätzliche Zusagen der großen Emittenten lässt sich das Pariser Klimaziel im Verkehrssektor kaum erreichen. Titelfoto: KI-generiert

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *