Mit vier neuen Modellen, mehr Premium und einem straffen Händlernetz will Polestar künftig richtig Stückzahlen machen. Ein Ausblick.
Die Verkaufszahlen von Polestar zeigen 2025 eine doppelte Entwicklung. Bis Ende September stiegen die Auslieferungen weltweit um rund 30 Prozent, in Europa sogar um 50 Prozent. Trotz des deutlichen Umsatzanstiegs um fast die Hälfte bleibt die finanzielle Lage angespannt. Die schwedische Elektromarke, Teil des chinesischen Geely-Konzerns, musste Anfang 2026 frisches Eigenkapital aufnehmen, um den Wachstumskurs fortzusetzen.
CEO Michael Lohscheller hält dennoch am Kurs fest. Polestar soll organisch wachsen und sich vom Rabattwettbewerb fernhalten. Der ehemalige Opel-Manager setzt auf Premiumqualität, hochwertiges Design und ein charakteristisches Bedienkonzept. Damit will Polestar sich klar von Marken wie Porsche, Mercedes, Volvo und Audi abheben. Außerdem wird das Vertriebsmodell umgestellt: Neben dem bisherigen Onlineverkauf rücken wieder mehr Händler in den Fokus. Lohscheller nennt dies eine „Renaissance der Händler“ – ein Schritt, der bereits höhere Verkaufszahlen gebracht haben soll.
Neue Elektroautos bis 2028
In Göteborg entstehen derzeit vier neue Modelle, drei davon mit moderner 800-Volt-Ladetechnik. Noch im Frühjahr 2026 startet die Auslieferung des Polestar 5, eines 884 PS starken Gran Turismo, der gegen Porsche Taycan, Audi e-tron GT und Lucid Air antritt. Mit knapp 120.000 Euro Einstiegspreis bleibt der 5 ein Imageträger, kein Volumenmodell.

Deutlich wichtiger für den Absatz wird der Polestar 4, künftig als Coupé und Kombi erhältlich. Letzterer bietet mehr Kofferraum und eine klassische Heckscheibe. Technisch ist er weitgehend identisch mit der Coupé-Version, was Entwicklungs- und Produktionskosten spart. Der neue Kombi zielt auf europäische Kunden, die praktische Firmenwagen bevorzugen – und trifft damit auf Konkurrenten wie VW ID.7, Audi A6 Avant e-tron und Nio ET5.
Der meistverkaufte Polestar erhält 2027 einen Nachfolger. Die zweite Generation der Elektrolimousine wächst auf 4,80 Meter Länge und bietet mehr Platz im Fond. Sie bleibt technisch eng mit Volvo-Modellen verwandt, soll optisch aber stärker die eigenständige Designsprache der Marke widerspiegeln. Produziert wird weiterhin in China, Hauptabsatzmarkt bleibt Europa.
Kompakter Polestar 7 für 2028
Für 2028 ist der Polestar 7 angekündigt. Mit 4,50 Metern Länge zielt der Kompakt-SUV auf das volumenstarke Segment mittelgroßer Elektrofahrzeuge. Damit deckt Polestar künftig einen deutlich größeren Teil des europäischen Marktes ab.
Lohscheller betont, dass Polestar aktuell nur rund 25 Prozent des europäischen BEV-Markts bedient. Mit den neuen Modellen 2, 4, 5 und 7 will die Marke bis zu 60 Prozent erreichen. Dabei profitieren die Schweden vom engen Konzernverbund: Durch die Partnerschaft mit Volvo nutzt Polestar moderne Plattformen wie die 800-Volt-Architektur, senkt Entwicklungskosten und beschleunigt die Produktion.
Langfristig bleibt aber die Abhängigkeit vom Geely-Konzern ein strategischer Risikofaktor. Die Marke soll als europäischer Performance-Ableger innerhalb des Konzerns positioniert werden – ob diese Rolle langfristig trägt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Hanno Boblenz/SP-X


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