Ohne private Lademöglichkeit kein E-Auto? Doch, es gibt viele Möglichkeiten. Wird die eigene Wallbox sogar überflüssig?
Sprit zapfen an der Tankstelle: Mit einem Diesel oder Benziner ist das völlig normal. Ein Elektroauto zu laden, stellen sich viele Deutsche dagegen als komplizierte Sache vor. Zwar wächst die Infrastruktur schnell, über 190.000 öffentliche Ladepunkte zählte die Bundesnetzagentur zum Jahresbeginn. Die Säulen stehen inzwischen zuhauf an Autobahnen, Supermärkten und in Wohngebieten. Doch für alltagstauglich hält eine Mehrheit das Angebot nicht: „So lange ich zu Hause nicht laden kann, kommt ein E-Auto für mich nicht infrage“, sagen 72 Prozent der Autohalter im DAT-Report 2026.
Zwar ist es richtig, dass man E-Autos bequem zu Hause aufladen kann. Eine Wallbox ist aber keine Bedingung, um elektrisch zu fahren. Nicht nur das öffentliche Ladennetz wächst, die Autos laden auch immer schneller. Das macht kurze Ladestopps immer attraktiver, um Fahrkilometer zu laden, die mitunter für eine Woche ausreichen.
Im Alltag nicht so wichtig
Vor der Anschaffung eines E-Autos stehen Reichweite und Ladeinfrastruktur weit oben auf der Sorgenliste. Im Alltag verliere dies an Bedeutung, ergab eine Umfrage des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) unter knapp 3.000 E-Auto-Fahrern.
Zwar gibt es noch Lücken. Doch weiße Flecken ohne Ladepunkte existierten in Deutschland fast nicht mehr, zeigte eine Studie des Marktanalysten Elvah. Am schwierigsten sei die Lage noch in Mecklenburg-Vorpommern, wo der mittlere Weg zur nächsten Schnellladestation gut 4,5 Kilometer betrage. Das Tankstellennetz ist auf dem Land kaum dichter.
Als ausbaufähig gilt die Ladeinfrastruktur noch in städtischen Wohngebieten. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnt zur Miete. Bewohner von Mietshäusern hätten oft noch keine Möglichkeit, ein E-Auto zuhause zu laden, kritisiert der Bundesverband Neue Mobilität (BNM). Auch die Organisation Transport & Environment fordert einen gezielteren Ausbau von Ladeinfrastruktur bei Mehrfamilienhäusern. Derzeit übersehe die Bundesregierung Millionen Haushalte beim privaten Laden.
Viele AC-Lader nicht ausgelastet
Statt in Mietshäusern für viel Geld private Ladesäulen zu installieren, ließen sich öffentliche Ladepunkte mehr nutzen. Schaut man in städtische Wohngegenden, werden vorhandene Ladesäulen genutzt, ausgelastet sind viele nicht. An Autobahnen sind Ladeparks besser besucht, Gedränge gibt es dort selten.
Kommt 2026 der erwartete Hochlauf der E-Mobilität, könnte sich das ändern. Durch die neue staatliche Förderung und Rabatte der Hersteller auf Elektro-Neuwagen erwarten Branchenbeobachter, dass die Zahl der Stromer deutlich anwächst.
Schnelllader nun in die Städte
Energieanbieter und Ladesäulen-Betreiber reagieren schon darauf. Das Unternehmen Ionity etwa baut seit 2017 an einem europäischen Ladenetz, bislang vor allem an Autobahnen. Nun kommen die Städte dran, um E-Fahrer ohne heimische Wallbox besser zu erreichen. In Nordrhein-Westfalen realisierte Ionity kürzlich drei urbane Schnelllade-Standorte innerhalb von Ringstraßen, weitere sind in Planung. Bis 2030 sollen rund 30 Prozent der Stationen im urbanen Umfeld stehen.
„Urbanes Schnellladen ist kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung dafür, dass Elektromobilität für breite Bevölkerungsschichten funktioniert“, sagt Ionity-CEO Jeroen van Tilburg. Vorbild sind Länder wie Norwegen oder die Niederlande, wo das Netz öffentlicher Ladepunkte im Vergleich zur Fläche besonders dicht ist.
Wallbox ja doch, aber…
Das bedeutet nicht, dass die private Wallbox verschwindet. Für Hausbesitzer, die ihr Elektroauto über Solarstrom vom Dach aufladen können, sind die Energiekosten unschlagbar günstig. Solche Anlagen zu installieren, kostet allerdings Geld, zudem scheint nicht immer die Sonne. Ist der hauseigene Batteriespeicher leer, schaltet die Wallbox auf Haushaltsstrom um, der Anfang 2026 durchschnittlich 37 Cent pro Kilowattstunde kostete.
Öffentliches Laden ist da oft kaum teurer. Für das Spontanladen ohne Vertrag sind zwar 79 Cent und mehr nicht unüblich. Doch mit einem Abo sind auch 40 bis 50 Cent drin.
Solch günstige Lade-Angebote zu finden, setzt etwas Recherche voraus, und das „Wirrwarr“ um Apps und Abos wird gerne kritisiert. In anderen Bereichen sind unterschiedliche Abos und Tarife allerdings ganz normal, etwa im Strom-, Mobilfunk- und Internetbereich. Seit über 25 Jahren. Und da wechselt der Kunder gerne häufig. Haiko Tobias Prengel


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