Batteriecheck: TÜV und Dekra bemühen sich um einen einheitlichen Standard zur Prüfung des SoH des E-Auto-Akkus.
Die Antriebsbatterie gilt als Herzstück von Elektroautos. Ob sie intakt ist, entscheidet über die Reichweite und Langlebigkeit der Fahrzeuge. Der Gesundheitszustand (State of Health, kurz SoH) des Akkus ist daher elementar wichtig für Garantieversprechen und Leasing-Rücknahmen. Darüber hinaus bestimmt der SoH-Wert den Wert von elektrischen Gebrauchtwagen.
Das Problem: Derzeit fehlt es an einheitlichen Verfahren, um den Gesundheitszustand von Elektroauto-Batterien zu bestimmen. Um diese Methoden verlässlich zu machen, arbeiten Sachverständigenorganisationen wie TÜV und Dekra zusammen mit anderen Experten an einem neuen Standard, damit der Gesundheitszustand von Traktionsbatterien herstellerunabhängig überprüft werden kann. Momentan sei durch den „Wildwuchs“ an Methoden für E-Fahrer kaum nachvollziehbar, welchen Ergebnissen tatsächlich vertraut werden könne, sagt Robin Zalwert, Referent für Nachhaltige Mobilität beim TÜV-Verband in Berlin.
Zwar sind Gesundheitschecks für Elektroauto-Batterien längst Praxis und werden insbesondere vor dem Kauf von E-Gebrauchtwagen dringlich empfohlen. Denn die Akkus können verschleißen. Zum einen altern sie kalendarisch, das heißt mit der Zeit. Und darüber hinaus zyklisch, also durchs Fahren und Wiederaufladen.
Viele verschiedene Batteriechecks
Die Prüforganisationen TÜV, Dekra und Co. bieten Batteriechecks an, aber auch Deutschlands größter Automobilclub ADAC sowie Werkstätten. Angewendet werden Geräte von Unternehmen wie Aviloo oder auch Carly, die jeweils zertifizierte Batteriediagnose-Verfahren anbieten. Dabei wird das Diagnosegerät über die OBD-Schnittstelle ans Auto angeschlossen und der Akku bis auf Zellebene geprüft. Manche Anbieter würden dagegen nur den vom Fahrzeug angegebenen SoH-Wert auslesen („Read-out“), ohne die Batterie diagnostisch zu prüfen, so TÜV-Experte Zalwert. „Da jeder Hersteller eigene, nicht transparente Berechnungsmodelle verwendet, ist eine Vergleichbarkeit hier nicht gegeben.“
Ein einheitliches Akku-Prüfverfahren wird auch die neue Abgasnorm Euro 7 notwendig. Mit deren Einführung werde die Angabe von Daten zur Batteriegesundheit bei Elektroautos ab Ende November 2026 verpflichtend, heißt es in einem Positionspapier des Verbands der Automobilindustrie (VDA). „Damit erhält der Kunde die notwendige Transparenz bezüglich des Gesundheitszustands der Antriebsbatterie.“ Dieser beeinflusse „maßgeblich“ den Wiederverkaufswert von Elektroautos.
Die neue Prüfnorm zur Akku-Gesundheit könnte somit ein wichtiger Schritt sein, das Vertrauen in (gebrauchte) Elektroautos zu erhöhen. Dieses ist in Deutschland immer noch sehr verhalten, wenn auch in der Regel unbegründet: Groß angelegte Studien zeigen, dass die Batterien der Stromer deutlich langlebiger sind als angenommen und oft länger halten als mancher Verbrennungsmotor. SP-X/Titelfoto: Dekra


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