Cupra Raval

Cupra Raval: Der lässt die Muskeln spielen

Cupra stellt nun den Raval vor. Er tritt deutlich muskulöser auf als der ID.Polo. Wir durften uns den VZ Extreme schon mal anschauen.

Wenn Cupra heute den Konfigurator des Raval öffnet, dürften sich manche Interessenten verwundert die Augen reiben. Über 40.000 Euro für einen elektrischen Kleinwagen? War da nicht von rund 26.000 Euro die Rede?

Schon, aber zuerst rollt die volle Hütte an den Start. VZ Extreme heißt die Top-Version, die zum Marktstart alles zeigt, was in einem Kleinwagen möglich ist. 166 kW/226 PS stark und optisch noch viel schneller als die 175 km/h Höchstgeschwindigkeit und die 7,0 Sekunden, die Cupra für den Sprint auf 100 Sachen angibt. Und die 26.000-Euro-Version? Hat nur 85 kW/115 PS unter der Haube, fährt und lädt langsamer und folgt in der zweiten Jahreshälfte, ist aber bereits jetzt bestellbar.

Cupra Raval
Die Türgriffe sind beim Raval versenkt, was für eine glatte Optik der Flanken sorgt. Fotos: Cupra

Technisch basiert der Spanier auf der neuen Plattform für kleine E-Autos des Volkswagen-Konzerns, die auch der kommende ID.Polo nutzt. Gleiche Architektur, gleicher Radstand von 2,60 Metern, ähnliche Batteriepakete. Doch während VW auf sachliche Zurückhaltung setzt, dreht Cupra am Rad und lässt den Raval bereits im Stand seine Muskeln spannen. Am extremsten, der Name ist Programm, im VZ Extreme. Der steht nochmals 1,5 Zentimeter tiefer, hat eine verbreiterte Spur und ist straffer abgestimmt. Dazu gibt’s eng geschnittene Schalensitze und jede Menge extrovertierte Optik. „Design und Dynamik sind die Kerneigenschaften von Cupra, die haben wir natürlich gepusht“, sagt Entwicklungschef Werner Tietz.

Die Basisvarianten kommen mit LFP-Akku

Doch bei allen sportlichen Ambitionen: Auch Tietz glaubt, dass die Mehrheit der Käufer zu einer der beiden Basisversionen greift. Die sind 85 oder 99 kW stark und kommen mit einer 37 kWh großen LFP-Batterie, 300 Kilometer Reichweite und die Möglichkeit, den Wagen am DC-Schnelllader mit bis zu 90 kW in knapp einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent zu bringen, sind adäquat für ein 4,20-Meter-Auto.

Wer’s dynamischer will, wird im 155 kW/211 PS starken Endurance oder eben dem VZ fündig. Dort arbeitet eine 52-kWh-NMC-Batterie, die bis zu 450 Kilometer ermöglicht und mit maximal 130 kW lädt. Die Unterschiede liegen in der Zellchemie. LFP beziehungsweise Lithium-Eisenphosphat ist robust und günstiger, Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen bringen mehr Reichweite und höhere Dauerleistung.

Cupra Raval
Der Raval ist nur etwas über vier Meter lang.

Auch fahrdynamisch setzt sich Cupra von den Konzern-Geschwistern ab. Progressive Lenkung, ESC-Sportmodus und optional adaptive Dämpfer mit bis zu 15 Kennlinien wird man bei VW und Skoda vergebens suchen. Im VZ kommen 19-Zöller mit 235er-Reifen und ein elektronisches Sperrdifferenzial dazu. Ob die 166 kW das Ende der Fahnenstange sind? Tietz lässt es offen. „Wir sind doch dafür bekannt, dass wir immer noch etwas nachliefern.“

Raval: Beeindruckende Lichtinszenierung

Und dann ist da der Innenraum. Auch dort keine Spur von nüchterner Zurückhaltung. Stattdessen eine Lichtinszenierung wie in einem Konzert von Kraftwerk. Die in sieben Modi einstellbare Ambientebeleuchtung lässt magnetische Blitze in den Türverkleidungen blitzen. Magnetic nennt sich das. Im Modus Plasma lodern visuelle Vulkanfeuer in den Türprojektionen, Liquid lässt Wasserperlen über die Verkleidungen laufen.

Cupra Raval
Das Cockpit ist sportlich und digital eingerichtet.

Unter der Windschutzscheibe spannt sich eine LED-Lichtleiste über die gesamte Fensterfront, die je nach Fahrprofil ihre Farbe wechselt. Im entspannten Modus bleibt sie zurückhaltend, im sportlichen Programm leuchtet sie intensiver, reagiert auf Beschleunigung und Fahrzustand.

Auch beim Klang darf man Hand anlegen. Das von Sennheiser gelieferte optionale Soundsystem mit bis zu zwölf Lautsprechern lässt sich anpassen, der Soundcharakter variiert je nach Geschmack. Wer es mag, aktiviert zusätzlich einen synthetischen Fahrklang in den sportlichen Modi, der sich mit Gaspedalstellung und Geschwindigkeit verändert. Braucht man das? Nein, aber es passt zum Konzept der Marke, die auch die Generation Z wieder mehr fürs Auto begeistern will.

Die Palette der Sitze reicht vom sportlich konturierten Serienplatz bis zu ausgeprägten Schalensitzen. Teilweise kommen recycelte Stoffe zum Einsatz, optional Bezüge aus Mikrofaser oder veganem Leder.

Cupra Raval
Praktische Qualitäten kommen beim Raval nicht zu kurz: Der Kofferraum fasst 441 Liter Gepäck.

Er könnte auch als Familienauto funktionieren

Trotz all des Effekts bleibt der Raval praktisch. Im 430 Liter großen Kofferraum lässt sich mehr als nur der tägliche Einkauf unterbringen. Außerdem ist das Gepäckfach mit seinem höhenverstellbaren Ladeboden und dem tiefen Zusatzfach für Kabel oder eine weiche Reisetasche sehr alltagstauglich. Vorn hat man viel Beinfreiheit, und wenn der Fahrer den Sitz nicht maximal nach hinten schiebt, können auch hinten größere Mitfahrer bequem sitzen. Der 4,05 Meter kurze Raval könnte tatsächlich als Familienauto funktionieren.

Am Ende lohnt sich aber doch nochmal ein Blick auf das Basismodell. Abgesehen von den Scheinwerfern und den kleineren Rädern tritt es genauso extrovertiert auf wie der VZ Extreme. Innen geht es aber nüchterner zu, ohne Lichtshow und mit schlankerer Ausstattung. Sportlich abgestimmt bleibt er trotzdem und im direkten Vergleich immer noch emotionaler als der VW-Bruder. Bestellbar ist auch der Einstieg schon jetzt. Ausgeliefert wird allerdings erst gegen Jahresende. Hanno Boblenz/SP-X

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