Lynk & Co 02

Test-Tagebuch: Lynk & Co 02 More

Im Testzeitraum von 14 Tagen fallen uns an einem Auto nicht nur viele Kleinigkeiten auf. Das Test-Tagebuch liefert einen Überblick. Der Kandidat: Lynk & Co 02 More.

13.04.2026: Erneut stellt sich ein interessanter Kandidat in der Redaktion vor, der Lynk & Co 02. Wer bitte? Nun, für die Erklärung müssen wir ein wenig ausholen. Dabei ist die chinesische Marke schon seit einigen Jahren in Deutschland aktiv; im Straßenbild zu sehen war bislang das Modell 01, ein Plug-in-Hybrid. Dieses wurde im Auto-Abo und Online-Direktvertrieb angeboten und wollte den Carsharing-Gedanken verbreiten.

Lynk & Co 02
Der Lynk & Co 02 ist das erste rein elektrische Modell der Marke in Deutschland. Fotos: Mag

Denn ursprünglich wollte Lynk & Co den Autokauf neu denken. In den Anfangsjahren stand das digitale Abo-Modell mit Club-Ansatz im Mittelpunkt, bei dem Fahrzeuge flexibel genutzt und sogar untereinander geteilt werden konnten. Mit diesem „Mobility as a Service“-Konzept zielte die Marke vor allem auf eine junge, onlineaffine Kundschaft.

Das hat nicht so richtig funktioniert. In Deutschland ist der Besitz eines Autos immer noch dominierend. Mittlerweile lässt Lynk & Co das Abo-Modell aber schrittweise auslaufen. Stattdessen baut die China-Marke ein konventionelles Retail-Netzwerk auf. Die Fahrzeuge werden über lokale Vertriebspartner verkauft.

Die Preise starten bei 36.000 Euro

Lynk & Co 02
Die Bedienung erfolgt ausschließlich über den zentralen Monitor.

Der 02 ist das erste rein elektrische Modell – und ein durchaus spannendes. Der 4,46 Meter lange Fünftürer bietet einen 200 kW/272 PS starken Hinterradantrieb in Kombination mit einer 66 kWh großen Batterie. Die Reichweite wird mit 435/445 Kilometern angegeben. Die maximale Ladeleistung mit Gleichstrom gibt die Geely-Tochter mit 150 kW an, was eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent in 30 Minuten ermöglicht.

Die Bedienung folgt nahezu ausschließlich über den Monitor in der Mitte, lediglich die Außenspiegel lassen sich von der Armauflage aus verstellen. Platz gibt es vorn wie hinten reichlich, auch die Kopffreiheit gibt keinen Anlass zur Klage.

Der erste Eindruck ist also durchaus positiv. Das Design kann gefallen, und im Innenraum herrscht eine angenehme Atmosphäre mit wertigen Materialien und guter Verarbeitung. Auf einen Starterknopf verzichtet der 02, diese Aufgabe erledigt der mit Lederimitat bezogene Sitz. Die Preise starten bei 36.000 Euro. Was man dafür bekommt werden wir in den nächsten Tagen eruieren.

14.04.2026: Wir haben uns nun ein wenig mit dem Lynk & Co 02 befasst und einige Kilometer hinter uns. Und er entpuppt sich als angenehmer Gefährte: Der Motor mit seinen 200 kW ist spritzig, das Fahrwerk straff, aber nicht unkomfortabel ausgelegt, und zusammen mit der präzisen Lenkung vermittelt es in Kurven ein angenehmes Sicherheitsgefühl.

Lynk & Co 02
Auch das Heck des Lynk & Co 02 macht eine gute Figur. Foto: Mag

In die Bedienung muss man sich ein wenig einarbeiten; viele Funktionen finden sich aber im Pull-Down-Menü. Und vor jeder Fahrt lohnt es sich auch, dieses zu bemühen. Denn dort finden sich die Kacheln für das Abschalten des Tempowarners sowie des Aufmerksamkeitsassistenten. Zudem rät es sich, das Piepsen beim Wechsel der Tempolimits abzuschalten. Leider lassen sich diese Funktionen nicht auf eine Taste legen – wie etwa beim MG S5 EV.

Ist das erledigt, hält sich die Piepserei im Rahmen, chinesische Assistenten neigen nun mal zur Nervosität. Das gilt auch für den Fahrspurassistenten, der doch immer mal wieder eingreift, wenn er meint, man kommt dem Rand der Fahrspur zu nahe. Auf der anderen Seite hält der Wächter den Wagen bei aktiviertem Tempomat schön in der Spur.

Verbrauch: 17,8 kWh je 100 Kilometer

Auf physische Tasten verzichtet der 02 komplett. Das nervt vor allem bei Kleinigkeiten wie der Einstellung der Belüftungsdüsen. Auch dies funktioniert nur über den Monitor, wobei man die kleinen Steuerpunkte schon genau treffen muss, um den Luftstrom zu verändern. Was ist falsch an manuellen Verstellungen?

Lynk & Co 02
Nettes Gimmick: Per Zug an der Schlaufe kann man die Sharing-App starten. Foto: Mag

Fun fact: Was im 02 sofort auffällt ist eine Schlaufe an der Stelle, an der sonst der Startknopf platziert ist. Zieht man an ihr, aktiviert man die Carsharing-App. Das ist zwar ein nettes Gimmick, aber unnütz: Auf dem zentralen Display prangt ein Widget mit der gleichen Funktion.

Laut Datenblatt soll der Verbrauch bei 17,1 kWh je 100 Kilometer liegen. Wie wir wissen, hängt das auch von der Außentemperatur ab. Auf unserer Testrunde waren wir bei 11 Grad unterwegs und kamen auf einen Schnitt von 17,8 kWh, was sich durchaus sehen lassen kann. Auf dieser Runde ist uns auch ausgefallen, dass der Fahrersitz zwar über einen Memory-Funktion mit Ausstiegsautomatik verfügt, aber nicht über eine Lordosenstütze. Das könnten sich auf längeren Touren rächen.

17.04.2026: Mit dem Verbrauch kann man also zufrieden sein, doch wie sieht es mit dem Schnellladen aus. An der heimischen Wallbox zieht die Basisvariante mit 11 kW Ladeleistung, 22 kW sind der höheren Ausstattungsstufe More vorbehalten (ohne Aufpreis). Auf dem Weg zu unserer EnBW-Säule fällt auf, dass der Routenplaner nicht über eine Ladeplanung verfügt. Zwar taucht während der Eingabe des Ziels ein Icon auf, das eine Planung verspricht, doch dann passiert nichts. Angezeigt wird lediglich der Akkustand bei Erreichen des Ziels.

So wurde uns zu unserer Fahrt zur Säule ein Ladestand von 13 Prozent SoC vorausgesagt; wir kamen nach 30 Minuten Fahrt mit 14 Prozent an. Die Temperatur lag bei 18 Grad. Die Ladedose liegt hinten an der Fahrerseite, was wir immer recht unpraktisch finden, da man beim Laden am Straßenrand das Kabel über das Auto heben – oder eben gegen die Fahrtrichtung parken muss.

Lynk & Co 02
Die Ladekurve des Lynk & Co 02. Foto: Mag

Nun, an „unserem“ HPC-Lader ist das nicht von Belang. Vielmehr erwies sich, dass die Akkukonditionierung sich auf der Fahrt nicht aktiviert hatte, so dass die Ladekurve nur langsam kletterte und dann bei 129 kW ihr Optimum erreicht hat. Warum die Klimatisierung nicht aktiviert wurde, blieb uns ein Rätsel; per Tastendruck kann man sie nicht einschalten.

Obwohl die Ladeleistung das vorgegebene Maximum von 150 kW nicht erreicht wurde, gelang die Ladung von 15 auf 80 Prozent SoC in 32 Minuten. Das ist okay. Die durchschnittliche Ladeleistung lag bei 83,9 kW.

Wärmepumpe nur für die Version More

Noch ein Wort zum Preis. Wir fahren den 02 in der höheren Ausstattungsversion More. Die Basis namens Core (36.000 Euro) bietet bereits Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Panorama-Sonnendach, Metallic-Lackierung, Sitzheizung vorn, Abstandstempomat, Rückfahrkamera sowie ein Infotainmentsystem mit 15,4-Zoll-Touchscreen, Konnektivität und Navigation.

4.000 Euro Aufpreis kostet die Ausstattung More, die zusätzlich elektrisch verstellbare Vordersitze, Lenkradheizung, Kunstleder-Sitzbezüge, eine Selfie-Kamera und eine Wärmepumpe für mehr Reichweite bietet. Vor allem wegen der Wärmepumpe sollte man sich diese Version leisten.

Auch bei den vier Farben hat man ohne Aufpreis eine Wahl; Zusatzkosten verursachen nur eine Anhängekupplung für 1.274 Euro sowie diverse Ladekabel und Winterräder. An den Haken nehmen darf der Lynk & Co 1.600 kg gebremst und 750 kg ungebremst.

Lynk & Co 02
Der Laderaum fast bis zu 1.349 Liter und bietet eine ebene Fläche. Foto: Mag

21.04.2026: Mit einer Länge von 4,46 Metern reiht sich der Lynk & Co 02 in die kompakte Klasse ein, wiewohl er rein optisch größer erscheint. Dennoch hat man auch wegen des Panoramadachs ein sehr gutes Raumgefühl; Platz gibt es sowohl vorne als auch im Fond genug, um entspannt reisen zu können.

Unter der Haube findet sich ein 15 Liter großer Frunk, der ein Ladekabel aufnehmen kann. Im Heck kann man 410 bis 1.349 Liter Ladegut unterbringen – auf einer ebenen Fläche. Unter dem Ladeboden findet sich noch Platz für Kleinkram oder flache Gegenstände.

Was uns bei einer längeren Tour am meisten gestört hat, ist die fehlende Lordosenstütze für die ansonsten gar nicht so schlechten Sitze. Auch die Bedienung ausschließlich über den Touchscreen lenkt zu sehr vom Verkehrsgeschehen ab. Der Sprachassistent zeigte zwar ein gutes Verständnis der gesprochenen Worte – etwa bei der Adressangabe -, bei Anweisungen für die Bedienung konnte er aber nur selten weiterhelfen. Auf die Reichweitenangabe der Navigation und die Rest-SoC-Anzeige bei Ankunft kann man sich verlassen.

Gesamtverbrauch: 20,04 kWh

Lynk & Co 02
Der Frunk fasst 15 Liter – genug für das Ladekabel. Foto: Mag

Nun, zum Ende des Testzeitraums, haben wir auch noch einige Verbrauchswerte ermittelt. So konsumierte der 02 auf einer Autobahnfahrt bei 125 km/h laut Bordcomputer 18,9 kWh je 100 Kilometer; insgesamt kamen wir im Testzeitraum auf einen Verbrauch von 20,04 kWh inklusive Ladeverlusten. Darin enthalten sind freilich auch einige Kurzstrecken.

In Deutschland verfügt die Marke aktuell über 23 bestätigte Handelspartner, von denen 20 bereits kommerziell aktiv sind. Ziel für dieses Jahr ist es, das Netzwerk auf 34 Handelspartner bundesweit auszubauen. Im Bereich Aftersales zählt Lynk & Co derzeit 88 Servicepunkte; bis Ende des Jahres möchte man diese auf 90 erhöhen.

Wichtig auch zu wissen: Die Fahrzeuggarantie beträgt 4 Jahre oder 120.000 Kilometer, die für die Batterie 8 Jahre oder 160.000 Kilometer.

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