Auf der Messe Auto China in Peking brennt BYD ein Neuheiten-Feuerwerk ab. Einige der Modelle kommen auch zu uns.
Wer China-Speed verstehen will, sollte in diesen Tagen auf der Auto China (24.4. bis 3.5.) bei BYD vorbeischauen. Und weil Peking ja nicht gerade um die Ecke liegt, geben wir von „vor Ort“ gerne einen schnellen Überblick. Der mit über vier Millionen verkauften Fahrzeugen mittlerweile fünft größte Autobauer der Welt hat mal eben die komplette Halle 3 angemietet. Und den Platz braucht er auch. Denn BYD zeigt mit seinen Marken BYD Auto, BYD Flash, Fang Cheng Bao, Yangwang und Denza was Phase ist.
Die Flut der Neuheiten, die sich hier im Rampenlicht drehen, ist kaum noch zu überblicken. Gefühlt rollt der Konzern mit Hauptsitz in Shenzen, erst 1995 gegründet, im Tagesrhythmus neue Produkte zu den Händlern. Facelifts, Updates und komplett neue Modelle. Maßgeschneidert für jeden Markt und jeden Kunden. Und in dieser Menge auch gefährlich verwechselbar.

China gibt eben Vollgas. Und der BYD-Konzern ganz besonders. Im Mittelpunkt der Messe stehen diesmal zwei Modelle, die auch für den deutschen Kunden interessant werden könnten. Mit dem BYD Seal 08 – der bei uns anders heißen wird – rollt noch in diesem Jahr ein großes Versprechen zu uns. Das bullige 5,11 Meter lange SUV wird der erste BYD in Deutschland sein, der das Flash Charging mit über 1.000 kW beherrscht. Heißt: Laden auf Tank-Niveau. Der Sechssitzer (drei Sitzreihen à zwei) kommt sowohl vollelektrisch mit 900 Kilometern Reichweite nach chinesischer Norm als auch als PHEV mit bis zu 1.400 Kilometern Gesamtreichweite.
Der Seal 08 kann mit 1.000 kW laden
Viel mehr geben die Chinesen noch nicht Preis. Das gilt leider auch für die zweite Auto-News, dem Denza Z – einer der unerwarteten und wohl schönsten Neuheiten der diesjährigen Auto China. Ex Audi- und Alfa-Designer Wolfgang Egger hat mit dem Z einen stilistisch sehr gelungenen Elektro-Sportler auf die Räder gestellt, der auch italienische Gene in sich tragen könnte. Auf der Messe steht der 2+2 Sitzer als Vollcabriolet, es sollen noch eine Coupé-Version und eine extremere Sport-Variante folgen. Über 800 kW/1.000 PS sollen das Super-Cabrio in unter zwei Sekunden auf Tempo 100 katapultieren. Wie bei allen Denza-Modellen ist Flash-Charging Standard. Die Europa-Premiere erfolgt Anfang Juli in England auf dem Goodwood Festival of Speed. Danach kommt er auch zu uns.

Und wenn die Dampfer schon mal beladen werden, können gleich noch weitere Familienmitglieder an Bord einchecken. Zum Beispiel der Denza Bao 5. Ein 4,91 Meter langer, derber Offroader, der laut BYD das Geländetalent eines Toyota Land Cruisers mit dem Luxus eines Range Rovers kombiniert. Der BAO 5 rollt in einer Vollfett-Version an und basiert auf der DMO-Plattform, wobei das „O“ für Offraod steht. Drei Elektromotoren, einer vorne und zwei hinten, regeln alles, was abseits der Straße so in die Quere kommen könnte. Der 2,5 Liter-Vierzylinder-Benziner leistet im Gespann mit den E-Motoren 505 kW/687 PS. Der Sprint auf 100 soll in unter fünf Sekunden erledigt sein.
Ausgelegt als Plug-in-Hybrid mit einer 31,8 kWh-Batterie wird eine rein elektrische Reichweite von über 100 Kilometern versprochen, die Gesamtreichweite des BAO 5 wird mit 975 Kilometern angegeben. Wie alle Denza beherrscht auch der Offroader das neue BYD Flash-Charging. Innen ist Premium greifbar. Mit drei großen Displays, belüfteten Massagesitzen selbst auf der Rückbank und allem erdenklichem Schnickschnack – inklusive ausfahrbaren Trittbrettern zum eleganten Einstieg. Damit schrammt der Bursche sicherlich an die 90.000-Euro-Schmerzgrenze.

Der BYD Ti7 zitiert den Land Rover Defender
Gleich neben dem BAO5 parkt der kleinere Bruder BAO3, hier noch unter dem Label Fang Cheng Bao. Mit rund 4,50 Meter eine kompaktere und zivilere Ausgabe des Bao 5, der gut ins Europa-Portfolio passen würde. Ob er auch kommt? Wer weiß. Deutlich wahrscheinlicher ist der Deutschland-Besuch des BYD Ti7, der zunächst in England startet. Was sinnvoll scheint, schließlich zitiert das Fünfmeter-Schiff optisch – und sicher nicht ganz zufällig – den jetzt schon ikonischen Land Rover Defender.
Ein gefälliges Design, reichlich Platz dank 2,92 Meter Radstand und eine üppige Ausstattung treffen auf einen elektronisch geregelten Allradantrieb mit diesmal zwei E-Motoren und einem aktuellen Plug-In-System mit 1,5 Liter-Benziner und mindestens 80 Kilometer elektrischer Reichweite. Die Plattformformel heißt hier DMP, „P“ für Perfomance. Fühlbar mehr auf Komfort ausgelegt als der Denza BAO5 soll der Ti7 seine Passagiere in erster Linie gemütlich und ausreichend herrschaftlich durch den Alltag begleiten. Es soll mehrere Ausstattungsvarianten und reichlich Zubehör für Abenteuer und Freizeit geben. Ganz wie beim Original.
Gegen Ford Ranger und Toyota Hilux wird ab nächstes Frühjahr der Pickup BYD Shark antreten. Nach Einführung in Lateinamerika, Australien und Südafrika kommt der Shark mit Plug-in-Hybrid in kleiner Stückzahl auch zu uns. Auf dem Arbeitspapier des 5,45 Meter langen Allradlers stehen 321 kW/436 PS Gesamtleistung, ein maximales Drehmoment von 650 Newtonmetern und eine Reichweite von 800 Kilometer. Flach im Unterboden sitzt eine 29,6 kWh-Blade-Batterie, die eine elektrische Reichweite von rund 100 Kilometern garantieren soll. Die Anhängelast liegt bei 3,5 Tonnen, die Zuladung bei 800 Kilo. Auch hier bleibt der Preis reine Spekulation. Rund 45.000 Euro wären eine Ansage.

Wahrscheinlich kommt auch ein Dolphin-Nachfolger
Deutlich mehr Verkäufe verspricht sich BYD von einer Neuheit, die hier in China nur als Ankündigung kursiert. Bereits Anfang Juni präsentieren die emsigen Chinesen in Berlin ihr erstes komplett für Europa entwickeltes Modell. Wahrscheinlich ein kompakter Crossover im Polo-Segment, der auf Sicht den Dolphin ablösen könnte. Gebaut zunächst in China und dann wohl im ungarischen Pkw-Werk in Szeged. China-Speed kommt mehr und mehr direkt vor unsere Haustür. Tomas Hirschberger/SP-X


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