Porsche Cayenne Coupe

Porsche Cayenne S Electric: Der Mittelweg

Die S-Version des elektrisch angetriebenen Porsche Cayenne ist mehr als eine Alternative. Wir waren mit der neuen Coupé-Variante unterwegs.

Das Coupé wird wie das SUV des Porsche Cayenne mit drei Leistungsstufen und immer mit Allradantrieb angeboten. Die Basisversion leistet 300 kW (408 PS) im Overboost 325 kW (442 PS). Der Turbo steht mit 630 kW (857 PS/Overboost 850 kW/1.156 PS) an der Spitze des Angebots.

Und die S-Version? Die liegt mit 440 kW (544 PS/Overboost 490 kW/666 PS) in etwa in der Mitte der Antriebspalette. Das heißt aber keineswegs, dass der S Mittelmaß ist. Eher das Gegenteil – er ist deutlich dynamischer als das Basismodell und mit nicht so brachialen Beschleunigungswerten wie der Turbo. Den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 erledigt der S mit der Lauch Control in 3,8 Sekunden, damit eine Sekunde schneller als die Basis-Version und 1,3 Sekunden langsamer als der Turbo. In 12,3 Sekunden zeigt der Tacho 200 Kilometer pro Stunde. Der Turbo schafft das in 7,4 Sekunden, die Basis benötigt 18,4 Sekunden. In der Spitze liegen die Werte bei Tempo 230, 250 und 260.

Porsche Cayenne Coupe
Guter Mittelweg zwischen Basis und Turbo: Porsche Cayenne Coupe S. Fotos: Porsche

Natürlich spielt der Turbo in einer eigenen Liga. Doch wirklich notwendig ist diese unglaubliche Kraftentfaltung nicht. Da zeigt sich der Cayenne S irgendwie harmonischer. Beim Tritt aufs Beschleunigungspedal muss der Beifahrer anders als im Turbo nicht gleich vorgewarnt werden, um ein Schleudertrauma zu verhindern. Das Basismodell hingegen wirkt dagegen fast müde. Grundsätzlich gilt: Ob Antritt, Überholmanöver, die schnelle Fahrt über die Autobahn oder einfach nur ruhiges Dahingleiten auf der Landstraße, der S hinterlässt einen absolut harmonischen Eindruck.

Verbrauch: 21,1 kWh laut WLTP

Vorteile bietet die Version zudem hinsichtlich Verbrauch und damit Reichweite. Mit 21,1 kWh auf 100 Kilometern schneidet der Cayenne S laut WLTP-Wert um 0,2 kWh besser ab als das Basismodell und um 0,9 kWh besser als der Turbo. Die Reichweite gibt Porsche mit bis zu 669 Kilometern an, acht mehr als beim Basis und satte 32 mehr als beim Turbo. Die Werte gelten natürlich nur für gute Wetterbedingungen mit deutlichen Plusgraden und einem zurückhaltenden rechten Fuß. Wir haben auf unserer durchaus zügig absolvierten Testfahrt bei sommerlichen Temperaturen einen Durchschnittsverbrauch von 23,3 kWh auf dem Bordcomputer abgelesen.

Vom Turbo hat das S-Modell übrigens die E-Maschine an der Hinterachse mit einer Öldirektkühlung für eine besonders große Leistungsfähigkeit in Verbindung mit einem hohen Wirkungsgrad übernommen. Dieses Aggregat liefert deutlich mehr Leistung und Drehmoment als die E-Maschine an der Vorderachse. Das betont die sportliche, hecklastige Auslegung des Cayenne S Electric. Im Teillastbetrieb wird die vordere E-Maschine abgeschaltet, so dass sie kein Drehmoment mehr bereit steht. Für den Vortrieb wird dann lediglich die E-Maschine an der Hinterachse genutzt. Das erhöht die Effizienz.

Porsche Cayenne Coupe
Das Coupé ist ein wenig teurer als das SUV des Cayenne.

Bei der Abstimmung des Fahrwerks haben die Porsche-Ingenieure wie nicht anders zu erwarten eine breite Spreizung zwischen Komfort und Sport hinbekommen. Geht es mit viel Dynamik in enge Kurven, trumpft der hier gefahrene Cayenne S Coupé mit seinen sportlichen Qualitäten auf. Das Coupé bleibt selbst bei wirklich schneller Fahrt perfekt in der vorgegebenen Spur. Die direkte Lenkung gibt beste Rückmeldung. Schlechte Fahrbahnabschnitte werden souverän passiert, ohne dass Schläge oder Stöße bei den Insassen ankommen. Eine adaptive Luftfederung mit PASM (Porsche Active Suspension Management) ist serienmäßig verbaut.

Die Karosserie bleibt auch beim Anbremsen oder Beschleunigen aus den Kurven komplett stabil. Dazu trägt natürlich auch der tiefe Schwerpunkt aufgrund der im Boden liegenden Batterie des E-Modells bei. Im Vergleich zum Verbrenner-Cayenne liegt der Stromer 83 Millimeter tiefer. Die Gewichtsverteilung ist, wie bei Porsches Allradmodellen üblich, mit 48 zu 52 hecklastig ausgelegt. Gebremst wird mit 10-Kolben-Alu-Monobloc-Festsattelbremsen vorn und 420 Millimeter großen Scheiben vorn sowie 4-Kolben-Alu-Monobloc-Festsattelbremsen und 370 Millimeter Scheiben hinten.

11 kW AC-Laden per Induktion

Herzstück des Porsche Cayenne Electric ist in allen Modellen die neu entwickelte Hochvolt-Batterie mit einem Nettoenergiegehalt von 108 kWh. Geladen werden kann der Akku aufgrund der 800-Volt-Technologie bei idealen Voraussetzungen mit bis zu 400 kW. Weniger als 16 Minuten soll es so dauern, um den Stromspeicher von zehn auf 80 Prozent zu füllen. In zehn Minuten können demnach bis zu 320 Kilometer Reichweite nachgeladen werden. An der Wallbox kann mit dem serienmäßig On-Board-Lader mit 11, optional mit 22 kW geladen werden. Zudem kann der Cayenne an dafür vorgesehenen Stationen induktiv mit 11 kW geladen werden.

Porsche Cayenne Coupe
Ausschließlich für das Coupé bietet Porsche auf Wunsch ein Leichtbau Sport-Paket an.

Wie bei den Leistungswerten erreicht der Cayenne Electric hinsichtlich der Rekuperation ebenfalls neue Spähren. Bis zu 600 kW können über das Bremspedal zurückgewonnen werden. Das entspricht dem Wert des Porsche 99X Electric, der in der Formel E eingesetzt wird. Im Alltag erfolgen etwa 97 Prozent der Bremsvorgänge über die E-Maschinen ohne Aktivierung der Radbremsen. Über den Touchscreen lassen sich mit „Ein“, „Aus“ und „Automatik“ drei unterschiedliche Rekuperationsstufen einstellen.

Das jetzt neu vorgestellte Cayenne Electric Coupé ist technisch mit dem SUV identisch. Optisch hingegen sind die Unterschiede mehr als deutlich zu erkennen. Bei der Dachlinie haben die Designer den 911 als Vorbild genommen. Schon die Frontscheibe steht flacher. Danach zieht sich das Dach flach abfallend in Richtung Heck. Je nach gefahrener Geschwindigkeit fährt der ansonsten versteckte Heckspoiler nach oben. Die Gestaltung der 4,99 Meter langen, 2,20 Meter breiten und 1,65 Meter hohen Karosserie führt zu einem cW-Wert von 0,23, damit nochmals weniger als beim 24 Millimeter höheren SUV mit 0,25.

Ladeplanung: Anbieter können gemieden werden

Da der Radstand wie beim SUV 3,02 Meter beträgt, gibt es auf der Rückbank Platz in Hülle und Fülle. Für den Fond bietet Porsche wahlweise zwei Sitze oder eine 2+1-Anlage an. Das Ladeabteil fasst 534 Liter (im SUV sind es 781 Liter) und kann variabel bis auf maximal 1.347 Liter (1.588 Liter im SUV) vergrößert werden. Und es gibt beim Coupé auch einen Frunk mit einem Volumen von 90 Liter.

Porsche Cayenne Coupe
Im Fond bietet das Coupé jede Menge Beinfreiheit.

Bis auf die Rückbank ist die Gestaltung des Innenraums von Coupé und SUV identisch. Besonders auffällig dabei der zentrale Bildschirm. Porsche hat das Curved-Display in eine neue Dimension transferiert. Statt horizontal ist die Fläche im Cayenne vertikal gebogen und geht fließend in die Mittelkonsole über. Die Anzeige des sogenannten Flow Display mit hochauflösender OLED-Technologie lässt sich in zwei Bereiche aufteilen. Oberhalb der Biegung liegt das Anzeige-, darunter das Bedienfeld. Das 14,25 Zoll große Kombiinstrument ist volldigital und hat die von Porsche bekannte Optik mit drei Tuben. Wie beim Taycan liegen an den seitlichen Rändern des Kombiinstruments kleine Bedienfelder zur Steuerung der Licht-, Fahrwerk- und Parkfunktionen sowie des Porsche Electric Sport Sounds.

Das Navigation Plus-System inklusive Charging Planner bietet eine schnelle Routenberechnung sowie erweiterte Funktionen bei der Ladeplanung. Dazu zählt beispielsweise, dass bestimmte Ladeanbieter und Säulen bevorzugt oder gezielt gemieden werden können. Nicht in Serie, aber als Wunschausstattung verfügbar, ist das erstmals in einem Cayenne angebotene Head-up-Display.

Ausschließlich für das Coupé bietet Porsche auf Wunsch ein Leichtbau Sport-Paket an. Modellabhängig reduziert es das Fahrzeuggewicht um bis zu 17,6 Kilogramm. Das Paket umfasst unter anderem ein Leichtbaudach aus Carbon, sportliche Carbon-Einleger, spezifische 22-Zoll-Räder und Performance-Reifen. Innen dominieren sportliche Elemente wie die Sitzmittelbahn in Stoff mit klassischem Pepita-Muster, der Race-Tex-Dachhimmel und offenporige Carbon-Oberflächen. Auf Wunsch ist das Leichtbau Sport-Paket auch mit schwarzer Lederausstattung sowie einer 2+1-Hintersitzanlage kombinierbar.

Porsche Cayenne Coupe
Unser Autor konnte schon eine Runde mit dem Porsche Cayenne S Coupe drehen.

Im Vergleich zum SUV ist das Coupé des elektrisch angetriebenen Cayenne etwas teurer. Der Einstiegspreis liegt bei 109.000 statt 105.200 Euro. Der S kostet 130.300 Euro (SUV: 126.400 Euro) und der Turbo 168.500 Euro (165.500 Euro beim SUV). Auch preislich ist der Cayenne Electric S also mehr als eine Alternative.

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