Nachfolger der Ape: Mit dem Tris bringt Fiat ein elektrisches Dreirad für Handwerk, Handel und Lieferdienste.
Kaffeemaschine, Tassen, Schubladen und Stauraum: Viele Baristas bauen sich ihre rollende Kaffeebar in Eigenregie. Künftig können sie für ihren mobilen Kaffeeservice eine Komplettlösung beim Fiat-Händler bestellen. Basis ist der neue Tris, ein elektrisches Dreirad für Handwerk, Handel und Lieferdienste. Ab 2027 soll es die Lücke zwischen Lastenrad und Kleintransporter schließen.
Der Tris erweitert Fiats Mikromobilitätsstrategie erstmals auf leichte Nutzfahrzeuge. Aus dem 2023 eingeführten, ab 16 Jahren fahrbaren Mini-Auto Topolino mit zwei Sitzplätzen und E-Antrieb macht Fiat so Schritt für Schritt eine eigene Modellfamilie. Für 2028 kündigt Fiat den Multiplina an, einen weiteren Ableger des Topolino mit vier Sitzplätzen und mehr Stauraum.

Die größten Chancen für den Tris sieht Fiat in Innenstädten. Dort, wo heute schon Kurierdienste Päckchen und Pakete von Mikro-Hubs aus mit Lastenrädern ausliefern. Doch die genügen nicht immer. Gewerbetreibende benötigen oft mehr Nutzlast, Wetterschutz und Stauraum, wollen aber nicht gleich einen klassischen Lieferwagen einsetzen. Genau hier setzt der Tris an.
Fiat Tris: Transporter für die Innenstadt
Ganz neu ist die Idee nicht. Seit 1948 knatterten hunderttausende Piaggio Ape erst durch Italien, später durch ganz Europa. Das schmale Dreirad mit Zweitaktmotor, Minimaltechnik und Kleinstkabine transportierte für kleines Geld Werkzeug, Waren oder Espressomaschinen selbst durch die engsten Gässchen entlegener Bergdörfer.
Die Ape ist längst Geschichte. Fiat rechnet in Europa aber mit rund 300.000 ehemaligen oder noch aktiven Ape-Fahrern, die für einen elektrischen Nachfolger infrage kommen könnten. „Das ist ein enormes Potenzial, das wir nutzen wollen“, sagt Giorgio Neri, der den Bereich Mikromobilität verantwortet. Die Logik dahinter: Prozentual wächst momentan in Europa kein Fahrzeugbereich schneller als das Segment der elektrischen Leichtfahrzeuge. „Mit dem Tris übertragen wir das Konzept der Ape nun auf ein E-Fahrzeug.“
Technisch basiert der elektrische Lastenträger auf dem Topolino und wird ebenfalls in Marokko produziert. Entwickelt wurde der Tris zwar vorwiegend für die Wachstumsmärkte in Afrika. Doch in Europa und speziell Italien dürfte das Konzept sicher auch ziehen.

Zum Marktstart Anfang 2027 soll das Dreirad mit einer offenen Pritsche oder mit geschlossenem Kofferaufbau erhältlich sein. Hinzu kommt eine Fahrgestellversion mit Bodenplatte, auf der Kunden eigene Aufbauten realisieren können.
Außerdem will Fiat gemeinsam mit Partnern Branchenlösungen anbieten. Beispielsweise ein Kaffeemobil in Kooperation mit Italiens ältestem Kaffeeröster Caffè Vergnano 1882. Auch eine Art Rikscha mit Sitzbank und luftigem Planenaufbau hat Fiats Centro Stile in Turin bereits entwickelt. Das weiße Taximobil mit blau-weiß gestreiftem Klapptürchen dürfte nicht nur an den Promenaden von Positano zum Hingucker werden.
6 kW und 75 Kilometer Reichweite
Für den Antrieb übernimmt der Tris die Technik des Topolino, inklusive dessen 6 kW/8 PS starkem Elektromotor, der ihn auf Topspeed 45 km/h bringt. Versorgt wird er von einer 5,4-kWh-Batterie, die rund 75 Kilometer Reichweite ermöglicht. An einer normalen 230-Volt-Haushaltssteckdose lässt sich der Akku in vier Stunden vollständig aufladen. Mit rund 430 Kilogramm Nutzlast bietet das Dreirad deutlich mehr Reserven als ein Cargo-Bike, bleibt aber wesentlich schmaler und wendiger als ein Kleintransporter. Und deutlich günstiger. In Italien soll der Tris bei 6.950 Euro netto starten. Die Preise für Deutschland stehen noch nicht fest. Nur so viel weiß man: Verkauft wird das Dreirad nicht online, sondern ausschließlich über das Händlernetz von Fiat und Fiat Professional. SP-X


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