E-Auto, Verbrenner, PHEV: Welche Technologie verursacht die geringsten Wartungskosten? Und worauf sollte man achten?
Elektroautos gelten als langlebig und wartungsarm – und viele Daten bestätigen das. Eine Auswertung von rund 30 Millionen britischen Hauptuntersuchungen zeigt: E-Autos erreichen im Schnitt 18,4 Jahre Lebensdauer und etwa 200.000 Kilometer Laufleistung. Damit liegen sie über Benzinern (187.000 km), während Diesel mit rund 257.000 Kilometern weiterhin die höchste Gesamtlaufleistung erzielen. Allerdings erkaufen sich Selbstzünder diesen Vorteil durch deutlich komplexere Technik und höhere Wartungsanforderungen.
Die hohe Lebensdauer von Elektroautos ist kein Zufall. Der elektrische Antriebsstrang kommt mit deutlich weniger beweglichen Teilen aus als ein Verbrenner. Komponenten wie Ölkreisläufe, Abgasanlagen oder komplexe Getriebe entfallen. Das reduziert klassische Verschleißquellen und senkt langfristig die Wartungskosten.
Doch die Annahme, Elektromotoren seien praktisch verschleißfrei, greift zu kurz. Der Verschleiß verlagert sich lediglich auf andere physikalische Prozesse. In der Forschung wird das unter dem Akronym TEAM zusammengefasst: thermische, elektrische, umgebungsbedingte und mechanische Belastungen.
Unsichtbarer Verschleiß im E-Motor
Ein kritischer Punkt ist die Isolation der Wicklungen im Stator. Schnelle Spannungsanstiege können Spitzen von bis zu 1.800 Volt erzeugen. Diese führen zu sogenannten Teilentladungen, die die Isolationsmaterialien schleichend schädigen und im Extremfall Kurzschlüsse verursachen.

Auch Lager zählen zu den Schwachstellen. Elektrische Erosion kann feine Rillen in die Laufflächen fräsen und langfristig zum Ausfall führen. Zusätzlich können Permanentmagnete im Rotor bei dauerhaft hohen Temperaturen an Magnetkraft verlieren, was Vibrationen verstärkt und die mechanische Belastung erhöht. Ein effizientes Thermomanagement ist daher entscheidend für die Lebensdauer.
Abseits des Antriebsstrangs zeigen sich bei Elektroautos andere Verschleißmuster. Das hohe Gewicht der Batterie – oft zwischen 300 und 650 Kilogramm – sowie das sofort verfügbare Drehmoment führen zu erhöhtem Reifenverschleiß. Studien zeigen, dass E-Autos ihre Reifen bis zu 30 Prozent schneller abnutzen als vergleichbare Verbrenner.
Auch Fahrwerkskomponenten stehen unter Dauerlast. Gummibuchsen, Querlenker und Koppelstangen verschleißen schneller. Der TÜV-Report 2026 weist darauf hin, dass Modelle wie Tesla Model 3 und Model Y überdurchschnittlich häufig mit Problemen an der Achsaufhängung auffallen, teilweise bereits unter 80.000 Kilometern.
Ein eher ungewöhnliches Problem betrifft die Bremsen. Durch die starke Rekuperation werden mechanische Bremsen deutlich seltener genutzt. Das führt dazu, dass Bremsscheiben korrodieren, insbesondere bei feuchtem Wetter und Streusalz. Einige Hersteller reagieren darauf mit gekapselten Trommelbremsen an der Hinterachse.
Besonders anfällig: Plug-in-Hybride
Während reine Elektroautos vor allem unter physikalischem Verschleiß leiden, kämpfen Plug-in-Hybride häufig mit nutzungsbedingten Problemen. Der Verbrennungsmotor wird im Alltag oft aus dem Kaltzustand heraus stark belastet. In solchen Momenten ist das Motoröl noch nicht optimal verteilt, was zu erhöhtem Verschleiß führt.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Viele Hybridantriebe erzeugen zahlreiche kurze Kaltstarts. Dabei gelangen Kraftstoff und Kondenswasser ins Motoröl, ohne vollständig verdampfen zu können. Das verschlechtert die Schmierung und kann langfristig Schäden verursachen. Gleichzeitig altert Kraftstoff im Tank schneller, wenn der Verbrenner selten genutzt wird, was Einspritzsysteme zusätzlich belastet.
Trotz dieser Schwachstellen schneiden Elektroautos bei den Wartungskosten insgesamt besser ab. Der ADAC ermittelte, dass die Inspektionskosten für Elektroautos im Schnitt rund ein Drittel unter denen vergleichbarer Verbrenner liegen. Bei BMW beträgt der Vorteil bis zu 58 Prozent, bei Mercedes 45 Prozent, bei Volkswagen 44 Prozent. Der Grund ist einfach: Kein Motoröl, keine Zündkerzen, kein Zahnriemen, keine Abgasanlage. Den Vorteil von E-Autos bei den Betriebskosten (TCO) hat der ADAC im Frühjahr ermittelt.
Ein überraschender Schwachpunkt bleibt die klassische 12-Volt-Batterie. Laut ADAC ist sie die häufigste Ursache für Pannen bei Elektroautos. Sie versorgt das Bordnetz und ist anfällig für Entladung, insbesondere wenn Fahrzeuge häufig per App aktiviert werden. Auch Probleme mit der Bordelektronik treten vergleichsweise häufig auf.
So halten Elektroautos länger
Die Lebensdauer eines Elektroautos hängt stark von der Nutzung ab. Einige einfache Maßnahmen helfen, Verschleiß zu reduzieren:
- Regelmäßige Kontrolle und Ausrichtung der Reifen.
- Gezieltes kräftiges Bremsen, um Korrosion zu vermeiden.
- Beim Plug-in-Hybrid gelegentliche längere Fahrten, damit der Verbrennungsmotor Betriebstemperatur erreicht.
- Aufmerksamkeit für die 12-Volt-Batterie, insbesondere bei selten genutzten Fahrzeugen.
Ein typisches Beispiel: Wer sein Elektroauto überwiegend im Stadtverkehr bewegt und fast ausschließlich rekuperiert, riskiert korrodierte Bremsscheiben. Ein bewusst eingelegter Bremsvorgang auf freier Strecke kann hier bereits vorbeugen.
Elektroautos sind also langlebig, aber nicht wartungsfrei. Wer die spezifischen Schwächen kennt und berücksichtigt, kann die Vorteile der Technologie voll ausschöpfen und die Lebensdauer deutlich verlängern. SP-X/Titelfoto: Volvo


Add a Comment