Die Spritpreise haben in Deutschland erneut Rekordhöhen erreicht. Was angesichts der Dürre weiter zunehmen dürfte.
Wohl denen, die zurzeit ein Elektroauto fahren. Denn Tanken ist im Juli für deutsche Autofahrer deutlich teurer geworden. Vor allem der Dieselpreis legte nach einer Auswertung des ADAC kräftig zu. Kostete der Liter am 5. Juli im bundesweiten Tagesmittel noch rund 1,95 Euro, waren es am Monatsende 2,23 Euro. Das entspricht einem Anstieg um 28 Cent. Super E10 verteuerte sich zwischen dem günstigsten und dem teuersten Monatstag um 15 Cent von 2,02 auf 2,17 Euro.
Im Monatsmittel kosteten sowohl Super E10 als auch Diesel knapp 2,10 Euro je Liter. Benzin blieb damit nur einen Cent unter seinem bisherigen Monatshöchststand vom April 2026. Diesel war zunächst noch deutlich günstiger als im Rekordmonat April, als durchschnittlich 2,26 Euro verlangt wurden.
Ein böser Verdacht
Als wichtiger Treiber der neuen Spritpreise gilt die im Zuge des Iran-Kriegs für die Schifffahrt gesperrte Straße von Hormus. Die Sperrung der für den Welthandel bedeutsamen Route verteuerte Rohöl zeitweise auf mehr als 100 Dollar je Barrel. Der ADAC weist allerdings auf eine Diskrepanz zwischen Weltmarkt und Zapfsäule hin: Obwohl der Ölpreis bis Ende Juli auf deutlich unter 90 Dollar zurückfiel, wurden Kraftstoffe kaum billiger oder verteuerten sich sogar weiter. Der Club fordert deshalb eine Untersuchung durch das Bundeskartellamt und eine Überprüfung der Raffinerie- und Großhandelspreise.
Der Verdacht: Mineralölunternehmen könnten die angespannte Marktlage nutzen, sinkende Beschaffungskosten nur verzögert oder unvollständig an die Kunden weiterzugeben und dadurch ihre Margen auszuweiten.
Niedrigwasser verschärft alles
Für zusätzlichen Druck auf die Spritpreise sorgt darüber hinaus das Niedrigwasser des Rheins. Wie das ZDF unter Berufung auf das Bundeskartellamt berichtet, sind Benzin und Diesel bereits in weiten Teilen Westdeutschlands, vor allem in der Köln-Bonner Rheinebene, merklich teurer als im Süden und Südwesten. Im Juli betrugen die regionalen Unterschiede bei Super E5 bis zu 11 Cent und bei Diesel bis zu 10 Cent je Liter.
Als Ursache gelten vor allem stark gestiegene Transportkosten. Tanker und Binnenschiffe können wegen der niedrigen Pegel nur noch einen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Entsprechend hat sich die Zahl der Container pro Schiff deutlich verringert. Laut ZDF verteuert dies den Transport von Rotterdam nach Karlsruhe nach Angaben aus dem Mineralölhandel von rund 45 Euro je Tonne Ende Juni auf zuletzt 150 bis 160 Euro. Raffinerien benötigen Binnenschiffe sowohl für Vorprodukte als auch für den Abtransport fertiger Kraftstoffe.
Eine schnelle Entspannung beim Niedrigwasserproblem ist nicht absehbar. Am Pegel Kaub, einer wichtigen Engstelle am Mittelrhein, wurden zuletzt lediglich 24 Zentimeter gemessen. Wirtschaftswissenschaftler Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft hält bei anhaltendem Niedrigwasser regionale Versorgungsengpässe und weitere Preissteigerungen für möglich, wie er in einem Interview mit dem „Spiegel“ erklärte. Das Dürrejahr 2018 zeigt die mögliche Größenordnung: Damals verteuerte sich Benzin trotz sinkender Rohölpreise zeitweise um acht Cent je Liter. Mario Hommen/SP-X


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