Frankreich führt ab September 2026 eine Förderung für gebrauchte E-Autos ein. Käufer erhalten rund 337 Euro, Pflegekräfte bis zu 2.360 Euro.
Frankreich unterstützt ab September 2026 erstmals den Kauf und das Leasing gebrauchter Elektroautos über das CEE-System. Die reguläre Förderung fällt mit rund 337 Euro pro Fahrzeug allerdings vergleichsweise niedrig aus. Deutlich höher ist die Prämie für Pflegekräfte und andere Beschäftigte in der häuslichen Pflege: Sie können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 2.360 Euro erhalten. Die neue Regelung ergänzt bestehende französische Förderprogramme für Elektromobilität, darunter den Umweltbonus und das Sozialleasing für elektrische Neuwagen.
Finanzierung über Energiezertifikate
Die Förderung wird über die französischen Zertifikate für Energieeinsparungen finanziert. Das System ist unter der französischen Bezeichnung Certificats d’économies d’énergie, kurz CEE, bekannt. Die Mittel stammen nicht direkt aus dem französischen Staatshaushalt. Stattdessen verpflichtet das CEE-System Energie- und Kraftstoffanbieter wie EDF, Engie und TotalEnergies dazu, Energieeinsparungen zu finanzieren. Die Unternehmen erfüllen damit gesetzliche Vorgaben nach dem Verursacherprinzip.
Die geplante Standardprämie von etwa 337 Euro stößt bereits auf Kritik. Romain Ryon, Präsident des auf CEE-Zertifikate im Verkehrssektor spezialisierten Unternehmens Mobilee, bezeichnete die Fördersumme als „ziemlich niedrig“. Für viele Käufer dürfte der Betrag deshalb eher einen kleinen zusätzlichen Kaufanreiz als eine entscheidende finanzielle Unterstützung darstellen.
Voraussetzungen für die Förderung
Damit ein gebrauchtes Elektroauto förderfähig ist, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:
- Die Erstzulassung in Frankreich muss zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember 2023 erfolgt sein.
- Der Gesundheitszustand der Antriebsbatterie muss mindestens 80 Prozent betragen.
- Alternativ muss die verbleibende Reichweite mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Reichweite laut Typgenehmigung oder mindestens 200 Kilometer betragen.
- Der Käufer oder Leasingnehmer muss das Fahrzeug mindestens drei Jahre nutzen.
- Der Erwerb oder das Leasing muss über ein Autohaus oder einen professionellen Gebrauchtwagenhändler erfolgen.
Ein Verkauf zwischen zwei Privatpersonen ist von der Förderung ausgeschlossen. Wer ein gebrauchtes Elektroauto direkt von einer Privatperson kauft, kann die neue CEE-Prämie daher nicht in Anspruch nehmen. Förderberechtigt sind sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und andere Körperschaften. Für Privatpersonen gilt dabei keine Einkommensgrenze. Die Regelung ist somit grundsätzlich breiter angelegt als viele einkommensabhängige Förderprogramme.
Bis zu 2.360 Euro für Pflegekräfte
Besonders interessant ist die Förderung für Beschäftigte in Pflegeberufen und für andere Dienstleister im Bereich der häuslichen Pflege und persönlicher Dienstleistungen. Für diese Berufsgruppen sieht die Verordnung bis zum Jahresende Multiplikatorkoeffizienten vor. Dadurch kann die CEE-Prämie auf bis zu 2.360 Euro steigen. Voraussetzung ist unter anderem, dass das gebrauchte Elektroauto weniger als 25.000 Euro kostet.
Die Regelung berücksichtigt, dass Pflegekräfte und vergleichbare Dienstleister häufig auf ein eigenes Auto angewiesen sind. Hausbesuche, wechselnde Einsatzorte und Fahrten in ländlichen Regionen machen den Pkw für diese Berufsgruppen zu einem wichtigen Arbeitsmittel. Allerdings müssen auch sie die allgemeinen Bedingungen erfüllen. Dazu gehören der Kauf beim professionellen Händler, der vorgeschriebene Batteriezustand und eine Mindestnutzungsdauer von drei Jahren.
Neue Förderung für elektrische Taxis
Parallel zur Förderung gebrauchter Elektroautos startet Frankreich ein weiteres Programm für elektrische Taxis. Dieses richtet sich allerdings ausschließlich auf Neuwagen. Für Bestellungen zwischen dem 1. September und dem 31. Dezember 2026 können Käufer und Leasingnehmer eine Förderung von rund 3.500 Euro erhalten. Wird das Fahrzeug in Europa gefertigt und stammt auch die Batterie aus europäischer Produktion, kann die Prämie auf etwa 5.500 Euro steigen.
Damit verfolgt Frankreich zwei Ziele: Einerseits soll der Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge im Taxigewerbe beschleunigt werden. Andererseits soll die Förderung Fahrzeuge und Batterien aus europäischer Produktion bevorzugen.
Kleine Prämie mit Signalwirkung
Die neue Förderung für E-Gebrauchtwagen dürfte den französischen Markt nur begrenzt verändern. Rund 337 Euro reichen in vielen Fällen kaum aus, um den Preisabstand zwischen einem gebrauchten Elektroauto und einem vergleichbaren Verbrenner entscheidend zu verringern.
Dennoch hat das Programm eine wichtige Signalwirkung. Mit der Förderung werden erstmals auch gebrauchte batterieelektrische Fahrzeuge in das CEE-Fördermodell einbezogen. Das kann dazu beitragen, den Bestand an elektrischen Gebrauchtwagen zu vergrößern und den Zugang zur Elektromobilität für weitere Käufergruppen zu verbessern. Titelfoto: Kia


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