Ein Konzeptauto von VW erzielt einen cW-Wert von 0,158 und verbraucht auf einer Rekordfahrt nur 6,89 kWh je 100 Kilometer.
Erinnern Sie sich noch an das Ein-Liter-Auto von VW, mit dem Ferdinand Piech seinerzeit von Wolfsburg nach Hamburg fuhr? Der kompromisslos optimierte Verbrenner hatte das Verbrauchsziel eingehalten und für viele Schlagzeilen gesorgt, doch in die Serie schaffte es der Sparfuchs nie.
Nun präsentiert Volkswagen das Ein-Liter-Auto für den Elektroauto-Markt und nennt es „Mission Efficiency“. Es soll, so VW, eine seriennahe Elektroauto-Studie sein, die neue Maßstäbe bei Aerodynamik und Verbrauch setzt. Das Fahrzeug erreicht einen cW-Wert von 0,158 und verbraucht auf einer offiziell dokumentierten Fahrt von Wolfsburg nach Wien lediglich 7,51 kWh pro 100 Kilometer inklusive Ladeverlusten. Ohne Ladeverluste lag der Verbrauch bei 6,89 kWh/100 km.

Laut Volkswagen stellt die Studie drei Weltrekorde auf:
- den niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert eines straßenzugelassenen Fahrzeugs,
- einen besonders niedrigen Verbrauch bei einer Idealfahrt
- den Bestwert für ein seriennahe Elektroauto ihrer Klasse.
Drei Rekorde für die Studie
Der erste Rekord betrifft die Aerodynamik. Mit einem cW-Wert von 0,158 soll die Mission Efficiency den niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert aller bisher für den Straßenverkehr zugelassenen Automobile erreichen. Der zweite Rekord wurde unter Idealbedingungen erzielt. Bei konstant 68 km/h, ohne Steigungen und mit abgeschalteten Nebenverbrauchern wie der Klimaanlage lag der Verbrauch bei 6,48 kWh/100 km. Dieser Wert ist nicht mit dem Alltagsverbrauch vergleichbar, zeigt aber das technische Effizienzpotenzial der Studie.
Für den dritten Rekord verweist Volkswagen auf die dokumentierte Verbrauchsfahrt. Die 1.278,36 Kilometer lange Strecke führte von Wolfsburg über Poznań und Olmütz nach Wien. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 67,72 km/h, die Höchstgeschwindigkeit 138 km/h. Die 54,9 kWh große Batterie wurde nur einmal geladen. Bei der Ankunft standen noch 164 Kilometer Restreichweite zur Verfügung.
Technik aus dem ID. Polo
Volkswagen betont, dass die Rekorde nicht mit vollständig neu entwickelter Spezialtechnik erzielt wurden. Als Basis dienen Komponenten des künftigen ID.Polo und des ID.Cross auf Grundlage des MEB+ mit Frontantrieb. Zum Antrieb gehört eine 99 kW starke Elektromaschine. Auch die Hochvoltbatterie stammt aus dem Serienumfeld. Das System soll leicht, effizient und für verschiedene MEB+-Modelle geeignet sein.

Die Mission Efficiency ist damit vor allem ein Technologieträger. Volkswagen will zeigen, welches Effizienzpotenzial sich mit bezahlbarer Großserientechnik erreichen lässt. Der niedrige Luftwiderstand entsteht durch das Zusammenspiel aus einem cW-Wert von 0,158 und einer kleinen Stirnfläche von 2,08 Quadratmetern. Die Studie nutzt eine strömungsoptimierte Tropfenform, aktive Kühlluftklappen, verkleidete Hinterräder und einen vollständig verkleideten Unterboden.
Rahmenlose Türscheiben, bündig integrierte Türgriffe und aerodynamisch optimierte Radabdeckungen verringern zusätzliche Verwirbelungen. Ab 80 km/h soll der Verbrauch laut Volkswagen mehr als 30 Prozent unter dem der Serienvariante des ID.Polo liegen. Bei 140 km/h benötigt die Mission Efficiency demnach ungefähr so viel Energie wie der ID.Polo bei 100 km/h. Optisch erinnert das Coupé an den Volkswagen XL1. Das Plug-in-Hybridmodell galt bei seiner Vorstellung 2013 als besonders sparsames Serienfahrzeug.
Leichtbau und neue Bremse
Die 4,775 Meter lange und 1,392 Meter hohe Studie bietet 2+2 Sitzplätze und 481 Liter Kofferraumvolumen. Die hinteren Sitze sind für Personen bis etwa 1,60 Meter Körpergröße ausgelegt. Der Aufbau kombiniert Komponenten des ID.Polo mit einer Aluminiumstruktur und Bauteilen aus einem CFK-Aramid-Verbund. An der Vorderachse kommen die MacPherson-Konstruktion und die hydraulische Bremse des ID.Polo zum Einsatz. Hinten arbeitet eine elektromechanische Bremse. Sie reduziert Reibungsverluste, spart Leitungen und Bremsflüssigkeit und soll die Rekuperation verbessern.

Auch die Reifen wurden auf Effizienz getrimmt. Ein gemeinsam mit Continental entwickelter Konzeptreifen auf Basis des EcoContact 7 erreicht einen Rollwiderstand von 4,9 Kilogramm pro Tonne. Spezielle Felgendeflektoren verhindern außerdem Luftverwirbelungen im Bereich der Räder.
Ein 370 Watt starkes Photovoltaiksystem ist in Glasdach und Heckklappe integriert. Je nach Wetter, Jahreszeit und Region kann es die Reichweite laut Volkswagen um bis zu 30 Kilometer pro Tag erhöhen. Im Innenraum senken leichte Verkleidungen, eine mobile Bluetooth-Box und das Konzept „Bring your own device“ das Gewicht. Ein Smartphone oder Tablet übernimmt dabei die Anzeige des Infotainmentsystems.
Ob das Fahrzeug in Serie gehen wird, wollte VW noch nicht verraten – wenn wir an das Ein-Liter-Auto denken, stehen die Chancen wohl eher schlecht.


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