Caravan-Salon

Caravan-Salon peilt neue Rekorde an

Der Caravan-Salon, die weltgrößte Messe für Camper, vermeldet neue Rekorde bei den Austellern und eine Vielzahl an Neuheiten. Ein Überblick.

Der Caravan-Salon in Düsseldorf vom 26. August bis 4. September ist branchenübergreifend einzige große Messe, die auch in den vergangenen beiden Corona-Jahren trotz aller Einschränkungen als Live-Veranstaltung stattfinden konnte. Und nun will sie eins drauflegen und bei ihrer 61. Auflage an die Zeiten vor der Pandemie anknüpfen, ist sie doch nach wie vor die weltweit größte Messe für Freizeitfahrzeuge: Mit einer Ausweitung auf 16 Hallen und 250.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit nahezu 700 Ausstellern ist der Branchengipfel die bisher größte Veranstaltung in der Salon-Historie.

Ob auch der Rekordzuspruch von 2019 mit fast 270.000 Besuchern geknackt werden kann, bleibt abzuwarten. Denn die Caravaning-Szene steckt in einem Dilemma. Einerseits sind die Auftragsbücher zumindest bei den Reisemobilen prall gefüllt, andererseits belasten Lieferkettenprobleme als Folge von Corona und Ukraine-Krieg den gesamten Geschäftszweig. Deutlich längere Lieferfristen und spürbare, auch der Inflation geschuldete Preissteigerungen könnten die Kundschaft verunsichern und die bislang noch unverändert hohe Kundennachfrage eintrüben.

Auftragsbücher prall gefüllt

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Vor allem bei den Camper-Vans profitiert der Ford Transit von den Lieferschwierigkeiten des Fiat Ducato. Foto: LMC

Die Hersteller der rollenden Eigenheime ziehen deshalb in Düsseldorf alle Register, um einem Abklingen der Wohnmobil-Euphorie entgegenzuwirken. Eine beachtliche Vielzahl an Neuheiten spiegelt dabei aktuell drei große Trends wider: den Run auf Kompaktfahrzeuge, immer mehr flexible Lösungen für den Wohnraum und die Suche nach neuen Basisfahrzeugen, vor allem als Alternative für den mit großen Lieferschwierigkeiten kämpfenden Fiat Ducato.

Letzteres ist zwar zwangsläufig aus der Not geboren, hat aber bereits zu gewaltigen Verschiebungen geführt. So haben die Italiener ihre absolut dominierende Rolle als Chassis-Lieferant schon weitgehend eingebüßt. Vor allem bei den Camper-Vans zeichnet sich der Ford Transit als größter Gewinner dieser Entwicklung ab. Der Kölner Transporter bildet bei Bürstner etwa die Basis für den Campingbus Copa und den neuen Hochdach-Van Lineo C590, der noch um eine kleinere Version C550 ergänzt werden soll. Das Unternehmen aus Kehl hat damit in kürzester Zeit seinen Schwerpunkt von den voll- und teilintegrierten Fahrzeugen auf die Kompaktklasse verlegt.

Der Ducato büßt die Pole-Position ein

Dethleffs und LMC, Schwestermarken aus der Erwin-Hymer-Gruppe, haben ein ähnliches Transit-Modell ins Portfolio aufgenommen: Dethleffs mit dem Globetrail 590c ab 59.000 Euro und LMC mit dem Innovan 590, der mit rund 68.000 Euro zwar deutlich teurer ist, als Editionsmodell aber praktisch eine Vollausstattung an Bord hat. Das große Plus des Hochdach-Fords ist seine Innenraum-Stehhöhe von knapp über zwei Meter. Auch bei der Knaus-Tabbert-Marke Weinsberg stehen die Modelle Carabus und Caratour jetzt ebenfalls auf einem Transit-Fahrgestell. Bei Eura-Mobil kam der Ford-Transporter schon seit Jahr und Tag zum Einsatz, beim Kastenwagen-Ableger Karmann stellt er zudem die Basis für die in diesem Jahr neu eingeführte Camper-Baureihe Duncan.

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Den Vogel in puncto Innovation könnte der teilintegrierte Bürstner Lyseo Gallery abschießen, der mit einem aufblasbaren Alkoven das Beste aus zwei Welten auf sich vereinen will. Foto: Bürstner

Es profitieren aber auch noch andere Fabrikate von der Fiat-Misere. Das Einsteigerlabel Forster steigt beim Camper-Van Livin’Up (ab 47.800 Euro) auf den Citroën Jumper um, Frankia bietet den Edel-Camper-Van Yukon als Alternative zum Mercedes Sprinter demnächst auch als Renault-Trafic-Ausbau an, und Ahorn verwendet wie eh und je den Renault Master.

Die Vielfalt wächst

Mercedes war mit dem Sprinter schon in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich auf Eroberungstour gegangen, hofft aber nun auf einen weiteren Trumpf bei den Mini-Campern. In Düsseldorf enthüllen die Schwaben eine T-Klasse mit Camping-Ausbau, der über die eigene Mercedes-Händlerschaft vertrieben werden soll und als Konkurrenz zum VW Caddy California positioniert ist.

Einem anderen, zu Beginn hoch gepriesenen Transporter, dem trotz allem eine ähnlich weite Verbreitung wie dem Sprinter versagt blieb, spielt die aktuelle Situation offensichtlich gut in die Karten: dem VW Crafter. Die Volkswagner kooperieren mit zwei Großen der Branche. Hobby will auf dem Caravan-Salon einen Maxia-Van auf Crafter-Basis enthüllen, der mit einem Einzelbetten-Grundriss und skandinavischem Hygge-Design in Wettbewerb mit dem VW-eigenen Grand California tritt.

Knaus-Tabbert und VW

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Niesmann+Bischoff schickt die neue Generation des Flaggschiffs Flair ins Rennen, die ab 214.000 Euro angeboten wird und sich an dem Design des im Vorjahr erfolgreich gestarteten iSmove orientiert. Foto: Niesmann

Noch intensiver ist die Zusammenarbeit der Knaus-Tabbert-Gruppe mit der Nutzfahrzeug-Sparte von VW. Die Bajuwaren nutzen den Crafter für die teilintegrierte Van-TI-Baureihe, bedienen sich aber auch beim Bulli für ihre innovative Innenraum-Ideen. Bei dem schmalen, 5,88 Meter langen Teilintegrierten Tourer Van 500 MQ auf Basis des T6.1 heißt es etwa Bett oder Bad. Wenn geduscht werden soll, wird die Nasszelle dank einer faltbaren Trennwand zum hinteren Querbett um eine eigenständige Duschkabine erweitert. In der Schlafstellung wird die Dusche wieder zusammengeschoben, so dass die volle Breite des Doppelbetts zur Verfügung steht. Kurios: Auf die gleiche Idee kam auch Dethleffs beim Globetrail 590c, nur dass hier die Baderweiterung über eine Schwenkwand erreicht wird und eine Hälfte des hinteren Querbetts hochgeklappt wird.

Knaus verspricht aber noch eine weitere Premiere für Düsseldorf. Der Knaus Tourer CUV fällt allein schon wegen seiner „Elvis-Tolle“ überm Fahrerhaus auf, die auf das selbst entwickelte Hubdach zurückzuführen ist. Es kann fast über die gesamte Fahrzeuglänge nach oben gehievt werden und ermöglicht so eine durchgängige Stehhöhe von zwei Metern.

Multifunktionale Grundrisse

Wie bei zahlreichen anderen Modellen mit schwenk- und verschiebbaren Waschbecken oder Hubbetten anstelle von fest eingebauten Kojen – was entweder mehr Stauraum oder großzügigere Sitzgruppen begünstigt – sollen multifunktionale Grundrisse bestmöglichen Wohnkomfort auf engstem Raum ermöglichen. Es muss sich allerdings im Alltag auch als praktikabel erweisen.

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Der Knaus Tourer CUV fällt allein schon wegen seiner „Elvis-Tolle“ überm Fahrerhaus auf, die auf das selbst entwickelte Hubdach zurückzuführen ist. Foto: Knaus

Den Vogel in puncto Innovation könnte der teilintegrierte Bürstner Lyseo Gallery abschießen, der mit einem aufblasbaren Alkoven das Beste aus zwei Welten auf sich vereinen will: mit eingefahrenem Erker die Handlichkeit eines Teilintegrierten und bei dem mit Druckluft aufgepumpten Oberstübchen das großzügige Raumangebot eines Alkoven-Modells. Getoppt werden könnte das allerdings noch von dem angekündigten Hymer-Modell, der Serienversion des viel gelobten Konzeptfahrzeugs Vision Venture von 2019. Auch Bürstner hatte sich mit dem flexiblen Obergeschoß davon inspirieren lassen.

Wohnwagen: Eher hochpreisig

Bei den großen integrierten Modellen und Luxus-Linern halten sich die Neuheiten in Grenzen. Niesmann+Bischoff schickt die neue Generation des Flaggschiffs Flair ins Rennen, die ab 214.000 Euro angeboten wird und sich an dem Design des im Vorjahr erfolgreich gestarteten iSmove orientiert. Und Concorde erweitert die Credo-Reihe um den „kleinen“ Liner 740 HI (ab 179.000 Euro).

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Die Hymer-Schwester Eriba feiert in Düsseldorf die Premiere des neuen Touring. Foto: Eriba

Gilt bei den Reisemobilen also vor allem „Kompakt ist Trumpf“, konzentrieren sich die Wohnwagen-Hersteller eher auf höherpreisige Produkte. Das trifft sowohl auf die neue Tandero-Baureihe von LMC (ab 24.500 Euro) mit zwei Einzelbetten-Grundrissen, auf den Tabbert Pep Pantiga (ab 26.000 Euro) als auch auf den Premium-Caravan Knaus Azur (ab 39.500 Euro) zu, mit dem einerseits ein Modellname aus den 80er wieder auflebt, andererseits modernste Fibre-Frame-Technologie zum Einsatz kommt. Der selbsttragende und hochfeste Rahmen, der ohne Schraubverbindungen auskommt, sorgt für Stabilität und Langlebigkeit. Laut Knaus soll die Oberfläche sogar „selbstheilend“ sein; kleinere Druckstellen und Dellen soll das Material selbst wieder ausgleichen können.

Täglich geöffnet

Hobby erweitert seine Top-Baureihe Maxia, deren edles, minimalistisches Hygge-Design aus Skandinavien ja auch Vorlage für den Crafter-Van ist, um den Grundriss 585 UL mit Einzelbetten und Rundumsitzgruppe im Heck. Preise werden aber erst in Düsseldorf verkündet. Beim der US-Kultwohnwagen Airstream bietet Generalimporteur Roka in Deutschland jetzt auch die kürzeren Bambi-Modelle 16 RB und 22 FB an, treibt es aber selbst damit schon auf die Spitze. Denn bereits die kleinere Variante mit nur 4,20 Metern Aufbaulänge und 1,9 Tonnen Gesamtgewicht ist nicht unter 85.000 Euro zu haben.

Ein anderer, deutscher Kult-Caravan ist da deutlich preiswerter. Die Hymer-Schwester Eriba feiert in Düsseldorf die Premiere des neuen Touring. Modernisiertes, unverwechselbares Design, natürlich im Retro-Look und natürlich mit Hubdach. Die Neuauflage des Wohnwagens, der 1956 konzipiert wurde, wird in sieben Varianten mit Aufbaulängen von fünf bis sechs Metern angeboten. Die Preisskala beginnt bei 23.500 Euro.

Der Caravan-Salon ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Ticketpreise betragen werktags 16 und am Wochenende 18 Euro, für Kinder entsprechend 6 und 8 Euro, ein Nachmittagsticket (ab 14 Uhr) gibt es für 10 Euro. Buchbar sind die Eintrittskarten online unter www.caravan-salon.de. Und der Parkplatz P1 wird wieder zu einem riesigen Wohnmobil-Stellplatz für mehr als 3.500 Fahrzeuge. Michael Lennartz/SP-X/Titelfoto: Messe Düsseldorf

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