Yamaha EICMA

EICMA: Yamaha zeigt sieben Neuheiten

Auf der Motorradmesse Eicma fährt Yamaha dieses Jahr groß auf. Neben zwei neuen Elektrorollern gibt es eine völlig neue Roller-Familie.

XL-Bühne, eine imposante Licht- und Soundshow und hunderte Gäste aus aller Welt: Yamaha hat am Vorabend der Motorradmesse Eicma in Mailand ein Neuheiten-Feuerwerk gezündet. Gleich sieben neue Zweiräder rückten die Japaner im Veranstaltungszentrum „The Mall“ ins Rampenlicht. Das Spektrum reichte von elektrischen Stadtrollern bis zur Hard-Enduro. Neue PS-Rekorde oder technische Revolutionen gab es keine. Vielmehr stellt sich Yamaha breiter in alten und neuen Nischen auf.

Hinter der Produktoffensive dürfte der zunehmende Wettbewerbsdruck stecken. Vor allem chinesische Hersteller drängen mit immer mehr günstigen, aber konkurrenzfähigen Motorrädern und Rollern nach Europa. Yamaha will ihnen das Feld nicht kampflos überlassen. Europachef Olivier Prévost bekräftigte in Mailand die bereits im vergangenen Jahr angekündigte Absicht, innerhalb von drei Jahren mehr als zehn neue Modelle nach Europa zu bringen, von denen Yamaha nun einen Großteil enthüllte.

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Xenter heißt eine neue Roller-Generation mit 16 Zoll großen Rädern. Im Vordergrund der rein elektrisch angetriebene Xenter E. Fotos: SP-X/Mario Hommen

Yamaha bringt wieder einen E-Großstadtroller

Auftakt war die urbane Elektromobilität. Mit dem Xenter E kehrt Yamaha nach längerer Abstinenz ins Segment der Großradroller zurück. Seine 16-Zoll-Räder sollen auf schlechten Straßen für Komfort und Stabilität sorgen. Für den Antrieb sorgt ein 7,5 kW/10 PS starker Elektromotor, den ein 3,5 kWh großer Akku versorgt. Bis zu 108 Kilometer Reichweite nach WMTC verspricht Yamaha. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, den Roller nicht nur an Haushaltssteckdosen, sondern auch über Typ-2-Ladestecker laden zu können. Wer eine Wallbox für das E-Auto besitzt, wird sich über diese Option freuen.

Technisch eng verwandt mit dem Xenter E ist der parallel vorgestellte NMax E (Titelfoto). Er setzt allerdings auf eine sportlichere NMax-Optik und kleinere 13-Zoll-Räder. Leistung und Akkukapazität entsprechen dem Xenter E, die Normreichweite beträgt 104 Kilometer. Beide Elektroroller gehören zur 125er-Klasse. Sie bieten unter anderem drei Fahrmodi, ABS, Traktionskontrolle sowie eine Rückwärtsfahrhilfe. Im Frühjahr 2027 sollen die Einspurstromer auf den Markt kommen. Preise nannte Yamaha noch nicht.

Die kleine E-Offensive läutet nicht den Abschied vom Verbrennungsmotor im Stadtverkehr ein. Der ebenfalls gezeigte Xenter Concept gibt Ausblick auf einen künftigen 16-Zoll-Roller mit konventionellem Antrieb. Yamaha will das wiederentdeckte Großradsegment also gleich auf mehreren Wegen bedienen. Die Elektrovariante wird allerdings den Anfang machen.

Neue RW-Familie mit drei Modellen

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Die neue RW-Familie. Im Vordergrund die RW 700 Explore.

Aufregender und auch gewöhnungsbedürftiger ist die neue RW-Familie, von der Yamaha gleich drei Vertreter enthüllt hat, die den Auftakt einer noch wachsenden RW-Familie markieren. Allen gemein: RW350, RW700 und RW700 Explore bewegen sich irgendwo zwischen Roller und Adventure-Bike. Wobei man schon zweimal hinschauen muss, um die Rollergene zu erkennen. Hochbeinig, mit wuchtiger Front, grobstolliger Bereifung und klarer Geländeanmutung könnten sie auch als Enduros durchgehen. Wenn da nicht Details wie Automatikgetriebe und der Stauraum unter der Sitzbank wären.

Und der abenteuerliche Look ist nicht nur Show. Die RW-Modelle verfügen über robuste Fahrwerke, Motorschutz und Fußrasten, die auch das Fahren im Stehen ermöglichen. Yamaha stellt damit die Idee des Adventure-Rollers auf eine neue Stufe. Der RW700 kombiniert einen 51 kW/69 PS starken 690-Kubik-Zweizylinder mit dem automatisierten Sechsganggetriebe Y-AMT. Spezielle Fahrprogramme sollen auch Ausflüge auf unbefestigte Wege erleichtern.

Der RW700 Explore ergänzt das Konzept um zusätzliche Komfortausstattung für längere Touren. Beim kleineren RW350 übernimmt ein 22 kW/29 PS starker 330-Kubik-Einzylinder in Verbindung mit einem CVT-Getriebe den Antrieb. In der Woche souverän und bequem durch den Berufsverkehr rollen und am Wochenende im Parforceritt über Schotterpisten fegen – bereits in der Autowelt haben die SUVs viele Kunden mit diesem Versprechen erobert.

Tenere 4 Concept: Studie für Offroad-Fans

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Mit dem Ténéré 4 Concept gibt Yamaha Ausblick auf eine kleine Schwester der 700er Ténéré.

Den emotionalen Höhepunkt des Abends hob sich Yamaha zum Schluss auf. Die Studie Ténéré 4 Concept gibt einen Ausblick auf ein leichtes, stärker geländeorientiertes Andventure Bike unterhalb der Ténéré 700. Das Herz ist ein neu entwickelter Einzylindermotor, zu dem Yamaha noch keine Details nennt. Fest steht, dass die Maschine in die A2-Führerscheinklasse passen soll. Ein neuer Leichtbaurahmen, KYB-Fahrwerk mit langen Federwegen sowie die klassischen Enduro-Radgrößen von 21 Zoll vorne und 18 Zoll hinten unterstreichen den Anspruch, auch abseits befestigter Straßen ernst genommen zu werden.

Wann aus der Studie ein Serienmotorrad wird, ließ der Europachef offen. Allerdings folgt die Entwicklung solcher Modelle oft einer typischen Eicma-Dramaturgie: Erst kommt das Konzept, ein Jahr später die Serienversion, deren Marktstart dann zeitnah erfolgt. Insofern erscheint ein Start der kleinen Ténéré zum Modelljahr 2028 wahrscheinlich.

So unterschiedlich die Neuheiten des Abends auch ausfielen, eine gemeinsame Richtung war erkennbar. Yamaha will vom täglichen Weg zur Arbeit bis zur Fernreise über unbefestigte Pisten möglichst viele Mobilitätswünsche bedienen. Dass dabei weder ein neuer Supersportler noch ein PS-strotzendes Spitzenmodell die Bühne dominierte, war durchaus bemerkenswert. Statt technischer Superlative setzten die Japaner auf neue Fahrzeugkonzepte und zusätzliche Auswahl. Ob das reicht, um sich gegen die stärker werdende Konkurrenz aus China zu behaupten, muss sich zeigen. Mario Hommen/SP-X

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