Exoskelett

Exoskelett: Bergauf mit Motorhilfe

Ein Exoskelett mit Motor soll Bergtouren, Wandern mit Gepäck, Radeln oder Dauerlaufen erleichtern. Klappt das?

Motorisierte Exoskelette für Outdoor-Aktivitäten gelten als einer der spannendsten Techniktrends im Bereich Mobilität und Wearables. Das Hypershell-System verspricht spürbare Entlastung beim Wandern, Bergsteigen und Tragen schwerer Lasten. Ein Praxistest am Pürschling in den Ammergauer Alpen zeigt, wie gut das Konzept funktioniert – und wo die Grenzen liegen.

Im Kern handelt es sich um einen motorisierten Hüftgurt mit rund 1.000 Watt Leistung, der die Hüftbewegung aktiv unterstützt. Anders als klassische Exoskelette setzt Hypershell nicht auf ein starres Gestell, sondern auf ein leichtes, flexibles System. Zwei Antriebseinheiten übertragen die Kraft über Streben auf die Oberschenkel. Mit einem Gewicht von knapp zwei Kilogramm bleibt das System vergleichsweise mobil. Die Montage ist einfach: Hüftgurt schließen, Verbindungen oberhalb der Knie fixieren, fertig.

Exoskelett: 22 Sensoren sammeln Daten

Exoskelett
Ein Motorsteuerchip wandelt die Daten in exakt dosierte Kraft um und lernt von Mal zu Mal die typische Bewegung des Nutzers besser kennen. Fotos: SP-X/Peter Weißenberg

Sensorik und Software übernehmen die Steuerung. Beim Modell Hypershell X Ultra S erfassen 22 Sensoren kontinuierlich Bewegungsdaten wie Gangart, Gelenkwinkel und Geländeprofil. Ein integrierter Chip berechnet daraus in Echtzeit die passende Unterstützung. Laut Hersteller sinken Herzfrequenz und Sauerstoffverbrauch unter Belastung um bis zu 42 beziehungsweise 39 Prozent – Werte, die vom TÜV Rheinland bestätigt wurden. Zusätzlich lässt sich das System auch beim Radfahren nutzen und unterstützt ein klassisches Fahrrad über Distanzen von bis zu 65 Kilometern.

Im Praxistest über die Schleifmühlklamm bis zum August-Schuster-Haus auf etwa 1.600 Metern zeigte sich der Nutzen vor allem im Anstieg. Drei Unterstützungsmodi stehen zur Verfügung: Eco für gleichmäßige Strecken, Hyper für steile Passagen und Transparent für flaches Gelände. Die Motorunterstützung ist deutlich spürbar. Wird sie abrupt deaktiviert, fällt der Unterschied sofort auf.

Schwächen zeigen sich in technisch anspruchsvollem Terrain. Enge Schritte, tiefe Kniebewegungen oder schnelle Richtungswechsel können die Sensorik kurzfristig aus dem Takt bringen. Auch die Passform ist entscheidend: Der Gurt muss eng sitzen, Nachjustierungen kosten etwa drei Minuten. Beim Sitzen kann das Gehäuse am unteren Rücken drücken, während es mit Rucksack kaum stört.

Die Akkuleistung reicht auch für längere Touren

Die Akkuleistung reicht für längere Touren aus. Im Test hielt das System im Eco-Modus auf mittlerer Stufe rund fünf Stunden durch und hatte danach noch etwa ein Viertel Restkapazität. Damit eignet sich das Exoskelett auch für ausgedehnte Bergtouren.

Preislich positioniert sich Hypershell vergleichsweise aggressiv. Die Einstiegsversion kostet 999 Euro. Konkurrenzprodukte sind teils deutlich teurer oder noch nicht verfügbar. Das Dnsys X1 ist leichter, bietet jedoch weniger Laufzeit und arbeitet hörbarer. Arc’teryx plant mit dem Modell Skip MO/GO ein integriertes High-End-System für rund 5.000 Euro, das frühestens 2027 erscheinen soll. Weitere Anbieter wie Ascentiz und WiRobotics setzen auf modulare oder besonders kompakte Lösungen, zeigen jedoch noch Schwächen im Praxiseinsatz.

Die Zielgruppe reicht über klassische Outdoor-Enthusiasten hinaus. Auch Fotografen, Rettungskräfte oder Expeditionsteams profitieren von der Entlastung beim Tragen schwerer Ausrüstung. Zudem kann das System Menschen mit leichten Mobilitätseinschränkungen unterstützen, indem es ungleichmäßige Bewegungen aktiv ausgleicht.

Im Ergebnis überzeugt das Hypershell-Exoskelett vor allem beim Aufstieg. Beim Abstieg wird die Unterstützung zwar angeboten, aber nicht immer als angenehm empfunden. Für viele Nutzer bleibt das System aktuell eine optionale Ergänzung für anspruchsvolle Touren – mit spürbarem Mehrwert, aber noch klaren Grenzen im Einsatz. Peter Weißenberg/SP-X

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