Mit dem 6e bringt Mazda sein zweites BEV auf den deutschen Markt. Er kann in vielen Disziplinen punkten, aber nicht in allen.
Kurz vor Weihnachten haben wir das Test-Tagebuch zum Mazda 6e abgeschlossen. Schuldig geblieben sind wir bislang den Anbschlussbericht, den wir hiermit nachreichen. Was im Tagebuch keine Erwähnung fand, wir aber nach wenigen Tagen des Betrachtens feststellen durften. Das Design des 6e ist durchaus gelungen: die leicht aggressive Front, das freche Heck – die lang gezogene, elegante Seitenlinie erzeugte das Bild eines Handschmeichlers. Ein echter Hingucker.

Damit einher geht freilich eine gute Windschlüpfrigkeit, die Mazda allerdings nicht in Zahlen (cW-Wert) benennen kann. Egal, mit einem Winter-Verbrauchswert von 18,8 kWh auf der Testrunde macht er seine Sache nicht schlecht, in der warmen Jahreszeit dürfte er um die 15 kWh je 100 Kilometer konsumieren. Die Reichweite mit dem großen, 68,8 kWh fassenden Akku beschränkt sich derzeit auf 330 Kilometer, im Sommer entsprechend mehr.
Das ist durchaus akzeptabel, aber wenig beeindruckend. Uns imponierten vielmehr die Fahreigenschaften des 6e: Das Fahrgefühl ist sehr direkt und verbindet sich mit einem griffigen und ausgewogenen Fahrverhalten. Dazu bei tragen der niedrige Schwerpunkt durch die tiefe Batterie sowie die Achslastverteilung von 47 vorne zu 53 Prozent hinten. Handling, Lenkung, Bremsen und Federung geben keinen Anlass zur Kritik. Kurzum: Der Mazda6e macht fahrdynamisch richtig Spaß – ähnlich wie so manche Premium-Limousine aus dem Süden Deutschlands.
Mazda 6e: Wertiger Innenraum

Zudem fällt sofort auf, dass der Innenraum nicht mit Massenware ausstaffiert ist. Alle Flächen sind entweder mit einem Wildleder-artigen Velour-Kunstleder überzogen oder angenehm überschäumt. Einfaches Plastik findet sich lediglich in den Türen und der B-Säule. Das macht was her.
Leider sind aber auch sämtliche Tasten und Schalter verschwunden. Alle Funktionen – inklusive der Außenspiegel-Einstellung – werden über den mittigen 14,6-Zoll-Touchscreen gesteuert. Um nicht allzu sehr in die Tiefen der Menüs hinabsteigen zu müssen, finden sich viele Funktionen in zwei Pull-Down-Menüs oben und links am Monitor. Das erleichtert zwar einiges; einen physischen Lautstärkeregler hätten wir uns aber schon gewünscht, zumindest der Beifahrer.
Sehr ungewöhnlich ist die Bedienung des Scheibenwischers. Über den Bedienstock links am Lenkrad kann man die Funktion nur aktivieren. Alles andere (Intervall, Normal, Schellwischen) wird über das Pull-Down-Menü am Monitor geregelt. Das ist gewöhnungsbedürftig. Ebenfalls über den Screen steuerbar sind drei Fahrmodi sowie die Rekuperationsstufen. Das Umschalten derselben lässt sich aber auf eine der beiden frei programmierbaren Tasten am Lenkrad legen.
Bedienung nur per Monitor

Nichts zu mäkeln gibt es an der Sitzposition. Der 6e bettet auch große Fahrer/innen vorzüglich hinter das Lenkrad, was auch daran liegt, das sich der Sitz weit nach unten fahren lässt. Toll ist auch die Brillanz des Head-up-Displays. Wer möchte, kann es in verschiedenen Modi konfigurieren, je nachdem, welche Informationen man in der Windschutzscheibe zu sehen beliebt. Trotz der Coupé-artigen Form sitzt man auch im Fond bequem und mit üppigem Fußraum versehen.
Erwähnenswert sind noch die sechs „intelligenten Fahrmodi“. Sie passen auf Knopfdruck verschiedene Fahrzeugfunktionen automatisch an. Was diese können, lesen Sie bitte im Tagebuch nach. Das Euro-Klingeln hat Mazda so gelöst, dass die Warntöne so leise sind, dass sie sich gut überhören lassen. Abschalten kann man sie nicht. Auch sonst verschont der 6e die Insassen weitgehend mit nervigem Geklingel.
Der Kofferraum fasst zwischen 466 und 1.074 Liter, was für ein fast fünf Meter langes Fahrzeug nicht eben üppig ist, doch dieser Laderaum lässt sich wegen der großen Klappe sehr gut beladen. Und unter der Vorderhaube gibt es einen 72 Liter großen Frunk. Die Anhängelast beträgt gebremst 1.500 Kilo, ungebremst sind es 750 kg.
Laden: 26 Minuten bis 80 Prozent

Stärken und Schwächen zeigte der 6e auch beim Thema Laden. So verfügt der 6e über einen Routenplaner, der auch das Zwischenladen einkalkuliert und die Wege zu den Säulen weist. Auch kann man die Säulen nach Betreibern sortieren. Das hat während der Fahrt ganz gut geklappt, auch wenn die Sprachassistentin bisweilen nicht alle Anweisungen richtig verstand. So erreichten wir die EnBW-200-kW-Säule mit einem Rest-SoC von 13 Prozent – so wie das Navi es vorhergesehen hatte. Die Außentemperatur lag bei 3 Grad.
Der Akku müsste nach 100 Kilometern Fahrt vorgewärmt sein, auch wenn es keine explizite Akku-Vorheizung gibt. Man kann den Akku zwar manuell vorheizen, diese Funktion ermöglicht aber nur die Heizung des Akkus vor Fahrtantritt. Zudem heißt es in der Bedienungsanleitung: „Während des Ladevorgangs wird das Vorheizen ebenfalls automatisch aktiviert, wenn es zur Ladeeffizienz beiträgt.“
Nach unseren Erfahrungen bringt eine Heizung während des Ladens bei 3 Grad Außentemperatur wenig. Entsprechend schaffte der Mazda statt einer maximalen Ladeleistung von 165 kW lediglich knapp 129 kW (siehe Ladekurve). Dieses Level erreichte er aber schnell und hielt es lange durch, so dass die Ladung von 13 auf 80 Prozent nur 26 Minuten dauerte. Die durchschnittliche Ladeleistung lag bei 113,3 kW.
Zwei Akkugrößen: 68,8 und 80 kWh

Mazda bietet den Stromer mit zwei Akkugrößen an. Da wäre zum einen der von uns gefahrene 6e mit 68,8 kWh großem LFP-Akku; zudem gibt es die Long-Range-Variante mit einem 80-kWh-Akku mit Lithium-Ionen-Technologie für eine Reichweite von 552 Kilometer.
Spannenderweise stattet Mazda den größeren Akku mit einer maximalen Ladeleistung von nur 90 kW aus, während der kleinere mit 165 kW lädt. So dauert das HPC-Laden von 10 auf 80 Prozent mit dem kleinen Akku laut Mazda 24 Minuten (oder wie im Test 26) und mit dem großen Akku 47 Minuten. Das verstehe wer will.
Abschließend noch ein Wort zum Preis und zu den Kosten. Den Mazda 6e gibt es ab 44.900 Euro mit dem Basispaket Takumi. Wer mehr Ausstattung möchte legt 2.000 Euro mehr auf den Tisch für die Vollausstattung Takumi Plus. Die Long-Range-Variante startet bei 46.500 Euro. Zusätzliches Geld kann man ausschließlich für die Außenfarbe ausgeben.
Der ADAC beziffert die Kilometerkosten auf 71,1 Cent je Kilometer oder 888 Euro im Monat. Die Long-Range-Variante liegt 1,2 Cent/15 Euro darüber. Mazda gibt übrigens eine Fahrzeuggarantie auf sechs Jahre/150.000 km und acht Jahre/160.000 km auf die Batterie.
Fazit: Der Mazda 6e ist ein fahraktives Auto mit ansehnlichem Design, edlem Innenraum und guter Ausstattung. Reichweite und Leistung können zufrieden stellen, für die Bedienung können wir uns nicht erwärmen.
Lesen Sie hier auch das Test-Tagebuch zum Mazda 6e. Titelfoto: Mazda
Mazda 6e Takumi Plus – Technische Daten:
Fünftürige, fünfsitzige Limousine mit Hinterradantrieb; Länge: 4,92 Meter (mit Seitenspiegeln k.A.), Breite: 1,89 Meter, Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 2,90 Meter, Kofferraumvolumen: 466-1.074 Liter, Frunk: 72 Liter, Anhängelast (gebremst/ungebremst): 1.500 kg/750 kg, Stützlast: 75 kg, Dachlast: 75 kg.
Wechselstrom-Synchronmotor, Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit 68,8 kWh brutto (netto k.A.), Leistung 190 kW/258 PS, Drehmoment: 320 Nm, 0-100 km/h: 7,6 s, Vmax: 175 km/h (abgeregelt), WLTP-Verbrauch: 16,6 kWh/100 km, Reichweite: 479 km (WLTP).
Messwerte: Max. Ladeleistung AC: 11 kW, DC max.: 129 kW, Ladezeit von 13 auf 80 % SoC: 26 Minuten, durchschnittliche Ladeleistung: 113,3 kW, Testverbrauch (Winter): 19,8 kWh, Testrunde (100 km): 18,8 kWh, Reichweite (Winter): ca. 330 km.
Preis: 44.900 Euro, Testwagenpreis: 47.750 Euro, Kilometerkosten für Basisvariante (ADAC): 71,1 Cent je Km.

Gutes Fahrgefühl
Gelungenes Design
Langstreckentaugliche Sitze
Leise Klingeltöne
Gute Reise-/Ladeplanung
Wertiger Innenraum

Kein 22-kW-AC-Lader
Bedienung nur über Monitor
Keine Akku-Konditionierung (Laden)


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