Opel bekennt sich zum Kombi. Auf dem Pariser Autosalon zeigt die Marke mit dem STX Concept, wie er künftig aussehen könnte.
Unter der Woche Werkzeug und Material, am Wochenende die Familie samt Ausflugsgepäck: Mit diesem doppelten Auftrag machte Opel den Kombi groß. 1953 kam der Olympia Rekord Caravan als erster Großserien-Kombi eines deutschen Herstellers auf den Markt. Der Name verband „Car“ und „Van“, Personenwagen und Lieferwagen. Zehn Jahre später folgte der Kadett Caravan. Aus den Lastenträgern wurden komfortable Reiseautos, aus dem Caravan schließlich der Sports Tourer. Nun zeigt Opel auf dem Pariser Autosalon vom 12. bis 18. Oktober, wie die Geschichte weitergehen könnte.
Mit dem STX Concept bekennt sich die Marke zum Kombi, obwohl auch ihr Modellprogramm mit Mokka, Frontera und Grandland zunehmend von SUV geprägt ist. Gerade im deutschen Geschäft mit Firmen- und Flottenkunden bleibt die flachere Karosserieform wichtig. Wer beruflich viel unterwegs ist, braucht Platz, Langstreckenkomfort und einen überschaubaren Verbrauch. Nach Beobachtung von Opel bleiben viele dieser Kunden dem Kombi treu. Nicht jeder will höher sitzen.

Beim Elektroantrieb spricht ebenfalls einiges für das flache Format. Eine kleinere Stirnfläche hilft, den Luftwiderstand zu senken, was besonders bei Autobahntempo Strom spart. Die Designer rechnen zudem damit, dass künftig flachere Batteriepakete wieder niedrigere Autos ermöglichen.
Concept STX: Kein Nachfolger des Astra
Der knapp 4,70 Meter lange STX führt vor, wie ein solcher Elektro-Kombi aussehen kann. Das Kürzel steht für Sports Tourer Experimental. Sein Radstand misst laut Designteam annähernd drei Meter. Dazu kommen ein kurzer Frontüberhang, eine lange Haube, weit ausgestellte Radhäuser und ein weit nach hinten gezogenes Dach. Auf Bildern wirkt die Studie dadurch größer, als sie tatsächlich ist. Das steil abfallende Heck lässt Raum fürs Gepäck, statt ihn einer coupéartig abgesenkten Dachlinie zu opfern.
Ein vorweggenommener Astra-Nachfolger ist der STX allerdings nicht. Opel bezeichnet ihn als Markenkonzept. Einzelne Designelemente sollen nach und nach in Serienmodelle einziehen, auch in SUV. Welche Baureihe damit beginnt und wann sie kommt, bleibt offen.
Besonders deutlich wird die neue Richtung an der Front. Dort entwickelt Opel den sogenannten Vizor weiter. Gemeint ist die breite Blende unterhalb der Motorhaube, die Scheinwerfer und Markenlogo optisch zusammenfasst und den klassischen Kühlergrill einbindet beziehungsweise ersetzt. Der Name spielt auf das Visier eines Helms an. In die Serie kam dieses Gesicht mit dem 2020 vorgestellten Mokka; als historische Anregung diente die Front des ersten Manta.

Allrad und eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h
Beim STX wächst die Blende in die Höhe und wird selbst zur leuchtenden Fläche. Viele schmale, schräg gestellte Lichtlamellen laufen zur Mitte hin aus. Dort sitzt der beleuchtete Opel-Blitz. Eine senkrechte Lichtlinie ober- und unterhalb des Logos kreuzt die waagerechte Anordnung der Leuchten. Dieses Muster nennt Opel „Kompass“. Am Heck kehrt es mit roten Lichtlamellen und einem leuchtenden Opel-Schriftzug wieder. Scharfe Kanten treffen auf weich modellierte Flächen, die Scheiben schließen möglichst bündig mit der Karosserie ab.
Hinter einigen auffälligen Details steckt ein praktischer Gedanken. Glasstreifen in den hinteren Dachsäulen sollen den Blick schräg zurück öffnen. Kleine Kameras ersetzen die Außenspiegel, die weitgehend geschlossenen 22-Zoll-Räder sollen Luftverwirbelungen reduzieren. Für schnelles Reisen sieht Opel bewegliche Elemente am Heck vor: Seitliche Klappen fahren nach hinten aus und verlängern den Aufbau, zusätzliche Diffusoren treten unter dem Heck hervor. Sie sollen den Luftstrom günstiger führen und die Stabilität bei hohem Tempo verbessern. Einen Luftwiderstandswert nennt Opel nicht.
Zum technischen Konzept gehören ein elektrischer Allradantrieb und mehr als 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. Angaben zu Leistung, Batteriegröße und Reichweite fehlen. Bei der Präsentation konzentriert sich Opel auf ein Modell, das vor allem die äußere Form zeigt. Ein seriennah ausgearbeiteter Innenraum gehört ebenso wenig dazu wie belastbare Angaben zum Kofferraumvolumen. Wie viel vom STX später im Alltag ankommt, muss sich also noch zeigen. Dass der Kombi im Programm bleibt, steht für Opel dagegen fest. Hanno Boblenz/SP-X


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