Der Concours d’Elegance von Pebble Beach ist längst auch eine spektakuläre Neuwagen-Show für die ganz Reichen. Fünf Beispiele.
Der Concours d’Elegance von Pebble Beach war bei seiner Gründung 1950 ein reines Oldtimer-Treffen. Mittlerweile ist daraus die Monterey Car Week erwachsen, eine der größten automobilen Bühnen der Welt. Neben den klassischen Fahrzeugen in Pebble Beach selbst hat sich vor allem der Concours „The Quail“ im nahen Carmel Valley zu einer Leistungsschau für Luxusmarken und Boutique-Hersteller entwickelt.
Bei Eintrittspreisen von fast 2.000 Dollar gehören Champagner, Austern und Zigarren ebenso zum Programm wie Fahrzeuge, die andernorts nur aus Fotostrecken bekannt sind. Die Aussteller nutzen die Woche, um zu zeigen, was passiert, wenn Geld keine Rolle mehr spielt: mehr Leistung, mehr Exklusivität und Stückzahlen, die selbst bei Millionenpreisen erstaunlich klein bleiben. Wie relativ der Begriff „selten“ auf der Monterey Peninsula ist, zeigt schon ein Blick über den Rasen: Selbst Fahrzeuge jenseits der Millionengrenze reichen dort längst nicht mehr aus, um dauerhaft Aufmerksamkeit zu binden. Fünf Beispiele aus diesem Jahr.

Lamborghini Revuelto SV
Mit 1.963 geplanten Exemplaren ist der Revuelto SV im Vergleich zu den anderen Fahrzeugen auf dem Rasen von The Quail fast schon ein Massenmodell. Der Preis für das neue Topmodell aus Sant’Agata liegt bei mindestens 583.000 Euro, ohne Sonderausstattung. Der 6,5-Liter-V12-Hybrid leistet zusammen mit seinen Elektromotoren 1.065 PS und bis zu 1.425 Newtonmeter, rund fünf Prozent mehr als der reguläre Revuelto. Gleichzeitig sinkt das Trockengewicht auf 1.772 Kilogramm. Dazu kommen ein nachgeschärftes Fahrwerk, neue Bremsen und mehr Kohlefaser an der Karosserie. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 2,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 345 km/h. Optisch setzt der SV mit einer aggressiveren Frontschürze, größeren Lufteinlässen und einem ausgeprägten Heckflügel zusätzliche Akzente. Damit ist der SV nach Werksangaben der stärkste und schnellste Serien-Lamborghini der Firmengeschichte. Den Namenszusatz Super Veloce verwendete die Marke erstmals vor 55 Jahren beim Miura – der Revuelto SV soll dessen Nachfolgetradition als jeweils stärkste und radikalste Version einer Modellreihe fortführen.
Aston Martin Valen
Auf Basis des Vanquish hat die Sonderabteilung Q von Aston Martin den Valen (Titelfoto) entwickelt. Die komplett neue Karosserie aus Kohlefaser, eine überarbeitete Aerodynamik und ein spürbar geringeres Gewicht sollen aus dem eleganten Zwölfzylinder-GT einen deutlich schärferen Sportwagen machen. Der 5,2-Liter-V12 leistet nun 850 PS und macht den Valen nach Angaben von Aston Martin zum stärksten Serien-Sportwagen mit Frontmotor überhaupt. Vom betont zurückhaltenden Vanquish bleibt dabei optisch kaum mehr als die Grundsilhouette übrig. Hinzu kommen speziell abgestimmte Dämpfer, Bremsen und Reifen sowie eine Abgasanlage, die bewusst auf jede Elektrifizierung verzichtet. Geplant sind 150 Exemplare zum Preis von rund 1,8 Millionen Euro – mehr als das Vierfache des regulären Vanquish.
Je kleiner die Auflage, desto begehrter

Brabus Bodo Cabrio
Nach dem Coupé bringt der Aston-Martin-Veredler Brabus zur Monterey Car Week nun auch eine offene Version des Bodo. Basis ist ebenfalls der Vanquish, den Brabus jedoch grundlegend umgebaut hat: breiter, tiefer und mit reichlich Kohlefaser-Anbauteilen. Der kräftig aufgerüstete V12 leistet 1.000 PS. Innen setzt Brabus auf Leder und Alcantara in Vollausstattung, außen auf einen Mix aus Sichtcarbon und markentypisch großen Rädern. Der Modellname würdigt Firmengründer Bodo Buschmann, die geplante Stückzahl von 77 Exemplaren verweist auf das Brabus-Gründungsjahr 1977. Zum Preis äußert sich der Hersteller bislang nicht.

Spyker Preliator XXV
Die niederländische Boutique-Marke Spyker, die ihre Wurzeln im Flugzeugbau hat und nach finanziellen Turbulenzen mehrfach vor dem Ende stand, meldet sich mit dem C8 Preliator XXV zurück. Die markentypische Karosserie aus Aluminium, ein Cockpit mit Anleihen aus dem Flugzeugbau und roségoldene Zierteile sollen für einen unverwechselbaren Auftritt sorgen, der sich deutlich von gängigen Supersportwagen abhebt. Unter dem Blech arbeitet ein Achtzylinder von Audi mit rund 800 PS, der den Sportwagen bis auf 350 km/h beschleunigt. Geplant sind gerade einmal 25 Exemplare, ein Preis wurde bislang nicht genannt.

Bugatti Destrier
Den exklusivsten Auftritt der Woche hat Bugatti mit dem Destrier: einem Einzelstück, das eigens für einen einzigen Kunden entsteht. Das dritte Modell aus dem hauseigenen Solitaire-Programm basiert auf dem reinrassigen Rennwagen Bolide, verzichtet in der Karosserie aber auf dessen radikale Rennstreckenoptik und wirkt dadurch deutlich geschmeidiger. Angetrieben wird der Destrier weiterhin vom 8,0-Liter-W16 mit 1.600 PS – nach Angaben von Bugatti zum wirklich letzten Mal, bevor der W16 endgültig aus dem Programm verschwindet. Auch der Destrier dürfte die 400-km/h-Marke mühelos knacken. Der Name geht auf das Lieblingspferd von Firmengründer Ettore Bugatti zurück und folgt damit der Bugatti-Tradition, historische Bezüge in die Modellpalette einzubauen: Ein Destrier war im Mittelalter das schwere Streitpferd eines Ritters. Einen Preis nennt Bugatti nicht; beim ersten Solitaire-Modell, dem Brouillard, war von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag die Rede – beim Destrier dürfte es kaum anders sein.
Ob Lamborghini, Aston Martin, Brabus, Spyker oder Bugatti: Auf The Quail entscheidet am Ende weniger die reine Fahrleistung über die Aufmerksamkeit als die Stückzahl. Je kleiner sie ausfällt, desto größer die Begeisterung der zahlungskräftigen Klientel – und desto sicherer ist sich der jeweilige Besitzer, auf dem Rasen von Carmel Valley nicht dem eigenen Zwilling zu begegnen. Benjamin Bessinger/SP-X/Fotos: SPX-Benjamin Bessinger


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