Polestar 4 SUV

Polestar 4 SUV: Nach oben gestreckt

Polestar macht aus dem 4 ein richtiges SUV. Der Neue bekommt mehr Platz, mehr Dachlast und etwas mehr Reichweite.

Da hatte sich das Team aus Göteborg wirklich Gedanken gemacht. Zu den Testfahrten des Polestar 4 SUV wurde eigens ein Zeltlager aufgebaut. Sämtliche Energie, die für Freizeit und Übernachtung notwendig war, kam aus dem Testfahrzeug, mit dem es ins Camp ging. Denn das jüngste Modell der Schweden wartet mit einer respektablen Vehicle-to-Load-Leistung von bis zu 3,3 kW auf. Das reicht aus, um gleichzeitig Geräte wie Fernseher, Kühlschrank, Heißluftfritteuse und Computer oder entsprechendes Campinggerät für 24 Stunden durchgehend zu betreiben.

Doch der praktizierten Nachhaltigkeit machte ausgerechnet der Klimawandel einen Strich durch die Rechnung. Sintflutartige Regengüsse und Gewitter mit Blitzeinschlägen verhinderten den Energie-Autarkie-Selbstversuch. Immerhin konnte so der journalistische Blick umso genauer dem Fahrzeug gelten. Und da sticht vor allem eine auf den ersten Blick recht kleine Zahl ins Auge: 22 Millimeter.

Polestar 4 SUV
Hinten gibt es nun tatsächlich nicht nur eine Heckscheibe, sondern sogar einen Scheibenwischer. Fotos: SP-X/Baniel Killy

Die können nämlich eine Menge ausmachen. Etwa den Unterschied zwischen einem Auto, das vor allem schick aussieht, und einem, das nebenbei auch noch richtig praktisch sein kann. Denn Länge (4,84 Meter) und Breite (1,99 Meter) bleiben gegenüber dem Coupé unverändert. Nur das Dach streckt sich um besagte 22 Millimeter nach oben und weiter nach hinten, eine Reling gibt es serienmäßig. Und tatsächlich verändert das den Charakter des Polestar 4 erheblich.

Polestar 4 SUV: Raus aus der Nische

Und es passt zur Strategie. Polestar will raus aus der elektrischen Design-Nische und hinein in größere Stückzahlen – als nachhaltige und sportliche Premiummarke. Oder, so der neue, dynamische Claim, mit Design, Performance, Sustainability. Vier neue Modelle innerhalb von drei Jahren sind angekündigt. Neben dem Polestar 5 gehören dazu der 4 SUV, 2027 die nächste Generation des Polestar 2 und 2028 der kompaktere Polestar 7.

Das Design des neuen SUV soll dabei vor allem jene Menschen überzeugen, denen die elegante Linie des bisherigen 4 gefällt, die aber trotzdem gern genügend Laderaum haben. So wächst der Kofferraum auf 530 Liter, maximal passen 1.655 Liter hinein. Die dynamische Dachlast steigt von 75 auf 100 Kilogramm, im Stand sind es sogar 300 Kilogramm. Und hinten gibt es nun tatsächlich nicht nur eine Heckscheibe, sondern sogar einen Scheibenwischer. Auf den Straßen rund um Málaga konnten wir alle drei Varianten fahren: den Single Motor mit Heckantrieb, den Dual Motor mit Allradantrieb und kurz auch die Performance-Version.

Polestar 4 SUV
Das Modell 4 SUV ist auch mit Allrad zu haben.

Zur Performance: Schon der Hecktriebler mit 200 kW/272 PS macht klar, dass mehr Nutzwert bei Polestar nicht automatisch mehr Langeweile bedeutet. Auf den kurvigen Landstraßen Andalusiens kommt er angenehm dynamisch daher. Lenkpräzision, Spurtreue und Fahrwerksabstimmung: alles makellos und auf jenem hohen Niveau, das man von den Schweden gewohnt ist.

Bis zu 630 Kilometer Reichweite

Dabei muss es nicht immer schnell gehen. Doch auf der Autobahn zeigt der Polestar seine zweite Begabung. Bis zur elektronisch begrenzten Spitze von 200 km/h bleibt der Wagen souverän, perfekt isoliert und vor allem bemerkenswert ruhig. Wind- und Abrollgeräusche halten sich vornehm zurück. So kann man sich entspannt der Harman-Kardon-Anlage widmen – oder schlicht der Ruhe. Mehr Nachdruck liefert der Dual Motor. Mit 400 kW/544 PS ist der Allradler zwar ebenfalls bei 200 km/h abgeregelt, beim Sprint liegen zwischen beiden Versionen allerdings Welten. Der Single Motor benötigt 7,3 Sekunden von null auf 100 km/h, der Dual Motor nur 3,9 Sekunden.

Erstaunlicherweise fällt die Strafe an der Ladesäule beziehungsweise bei der Reichweite überschaubar aus. Nach WLTP schafft der Hecktriebler bis zu 630 Kilometer, der Allradler 600 Kilometer. Überprüfen konnten wir dies bei der ersten Ausfahrt nicht, der angezeigte Verbrauch blieb allerdings unter den 17,8 kWh/100 km bzw. 21,6 kW/100 km, was auch an den strikten Tempolimits in Spanien liegen mag. Warum allerdings die performanten Ladeleistungen der 94-kWh-Batterie (200 kW DC) beim AC-Laden mit 11 kW verwässert werden und die 22-kW-Variante aufpreispflichtig ist, bleibt rätselhaft. Gerade im urbanen Ladeumfeld sind die 22 kW mittlerweile ein unverzichtbarer Zeitvorteil.

Polestar 4 SUV
Auch das Cockpit ist vertraut.

Persönlich hat uns die Performance-Version am besten gefallen. Brembo-Bremsen, 22-Zoll-Räder mit Performance-Bereifung und natürlich jene Details, mit denen Polestar traditionell signalisiert, dass hier jemand beim Ankreuzen der Optionen nicht vorzeitig den Stift aus der Hand gelegt hat. Braucht man das? Nein, aber die Sportattitüde ist bei einem EV immerhin Genuss ohne Reue.

Eine Portion mehr Schub mit dem Allrad

Allerdings fährt schon der Hecktriebler so ausgewogen, präzise und kultiviert, dass man mit ihm wenig vermisst. Der Dual Motor legt dann jene Portion Elektro-Schub obendrauf, die man nicht benötigt, aber ziemlich schnell zu schätzen lernt. Und die Performance-Variante macht das Ganze noch ein wenig schärfer.

In Sachen Nachhaltigkeit verfügt das 4er SUV nicht nur über die mittlerweile branchenüblichen Textilien und Kunststoffe aus ehemaligen PET-Flaschen und Fischernetzen oder chromfrei gegerbtes Leder, auch beim Metall wird Wert auf die Umwelt gelegt. So lassen sich durch den Einsatz von recyceltem Aluminium (38 Prozent) und Schmelzwerken mit erneuerbaren Energien pro Fahrzeug insgesamt 5,6 Tonnen Emissionen im Vergleich zu Standardverfahren einsparen.

Fazit: Das neue Polestar 4 SUV bietet mehr Platz und Nutzwert, ohne deshalb zur rollenden Kita zu werden oder auf Fahrspaß zu verzichten. Die gestreckte Dachlinie nimmt dem Design wenig von seiner Eleganz, verschafft den Insassen und ihrem Gepäck aber mehr Luft. Manchmal reichen dafür eben 22 Millimeter. Daniel Killy/SP-X/Titelfoto: Polestar

Polestar 4 SUV – Technische Daten:

Polestar 4 SUV Rear Motor: Fünftüriges SUV im D-Segment, Länge: 4,84 Meter, Breite: 1,99 Meter (mit Außenspiegeln: 2,14 Meter), Höhe: 1,56 Meter, Radstand: 3,00 Meter, Kofferraumvolumen: 530–1.665 Liter, Preis: ab 57.900 Euro. Preis des Testwagens: 59.000 Euro.

E-Motor mit Heckantrieb, Einganggetriebe, 200 kW/272 PS, Drehmoment: 343 Nm, 0–100 km/h: 7,3 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 17,8 kWh/100 km, CO₂/100 km: 0 g, Akkugröße: 94 kWh, Reichweite: 630 km (WLTP), Ladeleistung: 200 kW (DC), 11 kW/optional 22 kW (AC), Ladedauer: DC: 10–80 % in 30 Minuten, AC: 0–100 % in ca. 11 Std. (11 kW); ca. 5,5 Std. (22 kW).

Polestar 4 SUV Dual Motor: Fünftüriges SUV im D-Segment, Länge: 4,84 Meter, Breite: 1,99 Meter (mit Außenspiegeln: 2,14 Meter), Höhe: 1,56 Meter, Radstand: 3,00 Meter, Kofferraumvolumen: 530–1.665 Liter, Preis: ab 65.900 Euro. Preis des Testwagens: 70.000 Euro (Zusätzlicher Preis Performance-Paket: 4.500 Euro)

Zwei E-Motoren mit Allradantrieb, Einganggetriebe, 400 kW/544 PS, Drehmoment: 686 Nm, 0–100 km/h: 3,9 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 19,0–21,6 kWh/100 km, CO₂/100 km: 0 g, Akkugröße: 94 kWh, Reichweite: 600 km (WLTP), Ladeleistung: 200 kW (DC), 11 kW/optional 22 kW (AC), Ladedauer: DC: 10–80 % in 30 Minuten, AC: 0–100 % in ca. 11 Std. (11 kW); ca. 5,5 Std. (22 kW).

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