Später als geplant ist zum Jahresende das Luxus-SUV Range Rover nun endlich elektrisch zu haben. Eine erste Testfahrt.
Ursprünglich wollten die Briten mit ihrem vollelektrischen Luxus-SUV Range Rover schon vor zwei Jahren auf dem Markt sein. Doch nicht nur eine neue strategische Ausrichtung, geopolitische Störfaktoren und zuletzt sogar ein heftiger Cyber-Angriff auf den JLR-Konzern (Jaguar Land Rover) schoben dieses Zeitfenster immer weiter nach hinten. Auch die Entwicklungsingenieure trugen ihren Teil dazu bei. Sie entschieden, beim Elektroantrieb umzuplanen.

Ein Zeitfaktor war, dass es in der Branche bei Entwicklungsbeginn keine passenden E-Motoren gab, die den internen Ansprüchen an Leistung, Belastbarkeit und Effizienz genügen würden. JLR begann daher, die Antriebseinheiten selbst zu entwickeln. Eine weitere Verzögerung brachte dann die Umstellung an der Vorderachse mit sich. Statt eines ursprünglich geplanten Induktionsmotors kommt hier – genauso wie hinten – jetzt ein permanent erregter Synchronmotor (PSM) zum Einsatz. Beide stellen jeweils eine Leistung von 260 kW/354 PS bereit und können zusammen bis zu 850 Newtonmeter an Drehmoment zu den Rädern schicken. Souveräner war bislang kein Range Rover unterwegs.
Range Rover Electric: 850 Nm Drehmoment
Dieser Fahreindruck bestätigte sich bereits nach wenigen Kilometern, die wir mit Vorserienmodellen auf der hauseigenen Teststrecke in Gaydon unterwegs waren. Die Ruhe und Geschmeidigkeit des fast drei Tonnen schweren SUV sind überragend, passen perfekt zum Charakter dieses majestätischen Autos. Die Mühelosigkeit verstärkt sich sogar noch im Gelände. Der elektrische Range nimmt selbst supersteile und schroffe Felsformationen so locker und dank seines elektrischen Antriebs vor allem so feinfühlig unter die Räder, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Nie war Offroad-Fahren einfacher. Zwar mag man einwenden, wozu das alles nötig sei, doch Land Rover will auch im Elektrozeitalter keine Spur von seiner Marken-Philosophie abweichen: „Modelle dieser Marke müssen Gelände und Straße gleichermaßen souverän beherrschen“, sagt Chef-Ingenieur Lynfel Owen.

Technisch basiert der elektrische Range Rover – intern der „ultimative RR“ genannt – auf der 2022 eingeführten Multi-Flex-Plattform MLA, die es eben erlaubt, sowohl Verbrenner und Hybride als auch einen rein elektrischen Antrieb zu montieren. Insgesamt flossen in den vergangenen vier Entwicklungsjahren mehr als 300 Patente in das Auto. Über 60.000 Teststunden wurden absolviert, gepaart mit rund 1,5 Millionen Testkilometern, so viel wie nie zuvor.
118 kWh großer Akku für 600 Kilometer
Im Boden steckt eine Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 118 kWh, genug um dem britischen Brocken eine WLTP-Reichweite von 600 Kilometern zu verpassen. Geht es auf Reisen an einen Schnelllader, verdaut der Akku eine DC-Leistung von bis zu 350 kW. So können 220 „frische“ Kilometer in zehn Minuten nachgeladen werden. Die Disziplin, die Kapazität von 10 auf 80 Prozent hochzufahren, soll in 22 Minuten erledigt sein. Zudem ist der Hochvoltspeicher für bi-direktionales Laden ausgelegt, kann also externe Verbraucher versorgen. Beim Thema Ladekomfort/-infrastruktur verspricht JLR mit einer App Zugang zu mehr als einer Million Ladepunkten in 29 Ländern (Europa und UK). Mit Plug & Charge ist ab 2027 zu rechnen.

Keine Kompromisse, so lautete das Motto der Entwickler auch in Sachen Raumangebot, Variabilität und Nutzwert. Alle Technik wurde so integriert, dass Sitzkomfort, Platz und Kofferraumvolumen, beibehalten werden konnten. Auch die sogenannte Wattiefe (Wasserdurchfahrt) blieb mit 90 Zentimetern auf Verbrenner-Niveau. Darüber hinaus ist der elektrische Range sieben dB(A) leiser als mit der V8-Motorisierung, sein Chassis 56 Prozent steifer, was sich positiv auf den Fahrkomfort auswirkt. Lediglich bei der Anhängelast muss der Kunde Abstriche machen, wenn dies auch mehr oder weniger theoretischer Natur ist. Denn ziehen darf der Range Rover Electric immer noch 2,5 Tonnen (statt 3,5 Tonnen beim V8), was in den allermeisten Alltagsfällen wie Boots- oder Pferdeanhänger ziehen vollkommen ausreicht.
Preis: Ab 163.500 Euro
Äußerlich ist die elektrische Version nur in kleinen Details von der herkömmlichen zu unterscheiden. Bewusst, denn die Kunden möchten keine Extra-Elektro-Wurst, heißt es aus Gaydon. Das EV-Zeichen steckt beispielsweise in der Radnabe der neuen Aero-Felgen. Der Grill behielt sein herkömmliches Design, ist im Gegensatz zu den Verbrenner-Versionen aber geschlossen. Wie gut der Vollblut-Stromer ankommt, zeigen bereits die Bekundungen auf der Homepage. Managing Director Martin Limpert sagt „Über 80.000 haben bereits ihr ernsthaftes Interesse bekundet, 70 Prozent davon sind sogar Erstkunden, haben zuvor also weder ein E-Auto noch einen Range Rover besessen.“ Kosten wird der britische Super-SUV-Stromer ab 163.500 Euro.

Das hohe Interesse mag auch darin begründet sein, dass es in diesem Luxus-SUV-Segment nur ein sehr geringes Angebot existiert. Zu erwähnen wären der Mercedes EQS SUV, der Porsche Cayenne Electric sowie der BMW iX5. Den Audi Q9 gibt es lediglich konventionell angetrieben. Der wohl direkteste Konkurrent des elektrischen Range Rover aber wird demnächst ein ebenfalls in England gebautes Luxusmodell sein: der Bentley Torcal. Michael Specht/SP-X
Range Rover Electric – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Luxusklasse; Länge: 5,05 Meter, Breite: 2,05 Meter, Höhe: 1,87 Meter, Radstand: 3,00 Meter, Kofferraumvolumen: 818 – 2.176 Liter:
Zwei Elektromotoren mit je 260 kW, Systemleistung 405 kW/550 PS, Drehmoment: 850 Nm, 0-100 km/h: 4,5 s, Vmax: k.A., Verbrauch: 23,2 kWh/100 km, Akkugröße: 118,5 kWh, Reichweite: 600 km (WLTP), Ladeleistung: 350 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 22 Minuten, AC: 0-100 % in ca. 12 Std.; Preis: ab 163.500 Euro.


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