Zwei Wochen lang war der Renault 4 E-Tech Gast in der Redaktion. Er schlug sich sehr wacker. Hier nun der Abschlussbericht.
In Zeiten ziemlich ähnlicher Auto-Designs sticht der (moderne) Renault 4 aus der Masse heraus und zieht die Blicke auf sich. Dies haben wir nicht selten während unserer Test-Tage beobachtet. Der Nostalgiker schickt vor allem ältere Menschen auf eine Zeitreise tief ins 20. Jahrhundert, als die eigene sowie die Autowelt noch eine andere war.

Hier geht es zum Test-Tagebuch des Renault 4 E-Tech Electric
Denn heute ist sie mehr und mehr elektrisch (und teurer und sicherer). Wie eben auch der R4 mit dem Beinamen E-Tech Electric, wobei wir uns fragen, ob dieser nicht eine Tautologie ist. Egal. Wir waren eine Weile mit dem Topmodell des R4 unterwegs. Das bedeutet: großer Motor mit 110 kW (150 PS) und großer Akku mit 52 kWh Speicherkapazität. Zudem kamen wir in den Genuss des wertigsten Ausstattungspakets Iconic. In unserem Test-Tagebuch sind wir darauf näher eingegangen.

Freilich ist der R4 des 21. Jahrhunderts deutlich gewachsen. Die Außenmaße erstrecken sich nun über 4,14 Meter (damals 3,66 Meter) und positionieren ihn nun zwischen R5 und Mégane, zudem wirkt er stämmiger als sein Vorfahr. Das wirkt sich auf die Platzverhältnisse innen aus: Nicht nur die vorderen Passagiere, auch die im Fond können sich über ausreichend Bein- und Kopffreiheit freuen. Und in den Laderaum passen immer noch 420 bis 1.405 Liter bei umgelegter Rückbank (inklusive 55 Liter Unterbodenfach) hinein. Dann ergibt sich allerdings eine recht hohe Kante im Laderaum. Auch die Lehne des Beifahrersitzes ist klappbar, einzigartig in dieser Klasse. Kleiner Wermutstropfen: Einen Frunk gibt es nicht.
Renault 4: Hochwertiger Innenraum
Überraschend hochwertig ist der Innenraum im R4 gestaltet: kein billiges Plastik im Sichtbereich, mit Kunstleder überzogene Flächen, hochwertige Sitze mit Lordosenstütze (Fahrer), griffiges Lenkrad und ein Infotainment mit KI-Assistent (Hey, Reno). Zudem finden sich Tasten für die Klimasteuerung und vier Lenkerstöcke rechts und links hinter dem Lenkrad (Getriebe, Scheibenwischer, Radio, Blinker) sowie Paddel für die Rekuperation, die sich von Segeln bis One-pedal-Drive einstellen lässt. Kurz: Alles findet sich da, wo es hingehört. Das nervige Tippen auf einem Display entfällt weitgehend. So soll es sein.

So ist die Bedienung schnell durchschaut, intuitiv und lenkt wenig vom Straßenverkehr ab. Schön auch: Links unten gibt es eine Taste, auf der sich die Einstellungen der Assistenten speichern und per zweifachem Drücken aktivieren lassen, inklusive Abschalten des Euro-Klingelns. Das ist einfach und befreit von überflüssigen und nervigen Klingeltönen.
Für das Handy gibt es einen gut dimensionierten Ladeplatz. Was aber fehlt sind Halter für Literflaschen, denn die Türfächer fallen sehr schmal und flach aus. Hier ist nur Platz für Kleinkram. Die etwas höhere Bauweise des R4 (Bodenfreiheit 18 Zentimeter) erlaubt zudem einen bequemen Ein- und Ausstieg sowie eine gute Übersicht.
Ebenso angenehm ist das Fahren im R4. Der Motor macht seine Sache ordentlich; die Elektronik bietet vier Fahrmodi an: Comfort, Eco, Sport und einen frei konfigurierbaren Modus. Wer es ein wenig spritzig mag, der fährt im Sport-Modus. Auf der Autobahn waren wir im Eco-Modus unterwegs, der sich bei Überholvorgängen aber schwertut. Das Fahrwerk arbeitet ausgewogen, der Wendekreis ist mit 10,8 Metern erfreulich klein.
26 Assistenten an Bord

Auch was die Assistenzsysteme angeht, fährt der R4 E-Tech Electric vorn in seiner Klasse mit. 26 sind es insgesamt. Am meisten zu schätzen wissen dürfte man auf der Autobahn wohl den adaptiven Tempopiloten mit Stop- & Go-Funktion und Spurhaltung.
Doch kommen wir zur elektrotechnischen Seite des Autos. Die WLTP-Norm verspricht 409 Kilometer Reichweite. Dass diese sich im Winter keinesfalls erreichen lassen, darauf wies schon der Reichweitenzähler nach dem Aufladen auf 100 Prozent SoC hin, der maximal 336 Kilometer anzeigte. Auf der Autobahn sollte man (im Winter) auch bei Geschwindigkeiten um die 100 km/h mit 200 Kilometer rechnen.
Auf unserer Testrunde über 100 Kilometer maßen wir laut Bordcomputer einen Wert von 19,8 kWh je 100 Kilometer, was doch weit oberhalb der WLTP-Angaben (15,3 kWh) liegt. Der Grund: die Temperatur von nur 2 Grad Celsius. Über den gesamten Testzeitraum, also auch mit Kurzstrecken, kamen wir auf einen Verbrauch von exakt 20 kWh je 100 Kilometer.
Winter-Verbrauch: 20 kWh im Alltag
Auf einer längeren (Autobahn-) Tour ist uns aufgefallen, dass das Navi die Reichweite eher konservativ berechnet. Waren wir bei der Abfahrt noch im roten Bereich, was die Reichweite bis zum Ziel anging, so kamen wir letztlich mit einem Rest-SoC von mehr als 10 Prozent an – im Eco-Modus und bei Tempi um die 100 km/h.

Die Elektronik des R4 bewältigt die Ladeplanung wie auch die Zieleingabe besser als so manch höherklassiges E-Auto. Der Sprachassistent versteht fast alles und rechnet die Ladestopps mit in die Routenführung ein. Will man aber einen bestimmten Anbieter favorisieren, muss man diesen für die Strecke händisch auswählen.
Das Laden selbst zollt natürlich dem Winterwetter Tribut. Zunächst sei vermerkt, dass der R4 eine Akku-Temperierung mitbringt. Sie aktiviert sich, wenn man im Navi eine Schnellladesäule als Ziel eingibt. Bis zu dieser sollte aber eine halbe Stunde Fahrzeit liegen, damit die Heizung Zeit hat, den Akku vorzuwärmen. Per Tastendruck kann man sie nicht aktivieren.
Diese Vorgabe haben wir zweimal beachtet. Doch die winterlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt haben die Akkuheizung wohl überfordert. So kamen wir nach einer längeren Autobahnfahrt mit einem Rest-SoC von mehr als 20 Prozent an einer Ladestation an, und die maximale Ladeleistung lag bei 75,6 kW.
Ladeleistung: 31 Minuten bis 80 Prozent

Die zweite HPC-Ladung bewerkstelligten wir an „unserer“ EnBW-Station an einem 300-kW-Lader, wobei wir auch diesmal die vorgegebenen 100 kW nicht erreichten – bei 83 kW war Schluss. Dennoch dauerte der Ladevorgang von 14 auf 80 Prozent SoC gerade mal 31 Minuten. Das ist für ein Auto dieser Klasse und den winterlichen Temperaturen durchaus okay. Der R4 ist eben nicht als Langstreckenauto konzipiert, wiewohl man mit ihm auch solche Touren unternehmen kann. Fahrwerk und Komfort laden durchaus dazu ein. Nur allzu flott sollte man nicht unterwegs sein, denn dann klettert der Verbrauch schnell auf über 20 kWh.
Bleibt der Blick auf Preise und Kosten. Los geht es für die Basisversion (90 kW) mit 40-kWh-Akku bei 32.400 Euro. Unser Testwagen mit großem Akku und Topausstattung Iconic plus Harman-Kardon-Anlage (empfehlenswert, 750 Euro), Safety-Paket (750), V2L-Adapter (200 Euro) und Zweifarb-Lackierung (750 Euro) kommt letztlich auf einen Preis von 38.850 Euro.
Die Betriebskosten beziffert der ADAC mit 60,7 Cent je Kilometer oder 759 Euro im Monat (5 Jahre/75.000 Kilometer). Die Fahrzeuggarantie beträgt 3 Jahre inklusive Pannenhilfe; auf den Akku gibt Renault 8 Jahre/160.000 Kilometer.
Fazit: Mit dem R4 E-Tech ist Renault ein schöner Kleinwagen gelungen, der in der Stadt gut zurecht kommt und auch die eine oder andere längere Tour verkraftet. Die Bedienung ist nutzerfreundlich, das Interieur hochwertig. Platz ist genug vorhanden. Reichweite und Ladeleistung gehen für die Fahrzeugklasse in Ordnung. Ein Schnäppchen ist er aber nicht. Titelfoto: Renault
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Renault 4 E-Tech Electric – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitziges Crossover der Kompaktklasse; Länge: 4,14 Meter, Breite: 1,81 Meter (mit Außenspiegeln: 2,02 Meter), Höhe: 1,57 Meter, Radstand: 2,62 Meter, Kofferraumvolumen: 420 -1.405 Liter, kein Frunk.
Fremderregter Synchronmotor mit 110 kW/150 PS, Drehmoment: 245 Nm, Frontantrieb, 0-100 km/h: 8,2 s, Vmax: 150 km/h, Verbrauch (WLTP): 15,3 kWh/100 km, Akkugröße: 52 kWh, Reichweite: 409 km (WLTP), Ladeleistung: 100 kW (DC), 11 kW (AC).
Messwerte (Winter): Max. Ladeleistung AC: 11 kW, DC: max. 83 kW, Ladezeit von 15 auf 80 % SoC: 31 Minuten, durchschnittliche Ladeleistung: 60 kW, Testverbrauch: 20 kWh, Testrunde (100 km): 19,8 kWh, Reichweite (Winter): ca. 200 km.
Preis (Iconic): 36.400 Euro, Testwagenpreis: 38.850 Euro.

Gute Bedienung
Hochwertiges Infotainment/Navi
Viele Assistenten
Hochwertiger Innenraum
Relativ viel Platz

Kein Frunk
Kein Schnäppchen
Hoher Verbrauch (Winter)
Kleine Türfächer


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