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Skoda: In Zukunft gewinnt der Nachhaltigste

Nachhaltigkeit ist inzwischen ein ganz wichtiger Aspekt in der Wertewahrnehmung bei Kunden. Das gilt gerade auch beim Autokauf, betont Karsten Schnake, Einkaufsvorstand bei Skoda.

Die Autoindustrie ist nach Ansicht von Karsten Schnake vor allem auch getrieben von Inhalten der Fahrzeuge. In den vergangenen Jahrzehnten seien es immer andere Dinge gewesen, die für Autokäufer einen besonderen Wert darstellten. Reifen, Sicherheitsmerkmale, Infotainmentsysteme, die Art der Felgen und natürlich auch das Leistungsangebot der Motoren, hätten den Wertmaßstab abgebildet. „Aus unserer Sicht ist das Thema Nachhaltigkeit inzwischen einer der wesentlichen Wertetreiber für die Wahrnehmung der Produktqualität. Viele Kunden sehen das unter dem Gesichtspunkt, ob das Produkt langfristig wertig ist. Davon hängt dann auch die Entscheidung ab, ob sie dafür investieren.“ In Zukunft könnte es durchaus sein, dass die Spitzenmodelle der unterschiedlichen Baureihen nicht mehr die hochwertigste, sondern die nachhaltigste Ausstattung hätten.

Skodas Einkaufsvorstand Karsten Schnake ist sicher, dass die Nachhaltigkeit eines Autos immer wichtiger wird. Foto: Skoda

Notfalls von Partnern trennen

Aus diesem Grund ist das Thema bei Skoda ein ganz wichtiger Punkt bei der technischen Entwicklung. In diesen Prozess würden alle Zulieferer, sprich Partner, eingebunden. Gerade auch dort treffe diese Ausrichtung fast immer auf offene Ohren. Viele der dort beschäftigen Mitarbeiter fänden es interessant und zufriedenstellend, an nachhaltigen Entwicklungen zu arbeiten. „Wir sehen das als zusätzliche Triebfeder, entsprechende Innovationen mit hoher Geschwindigkeit voranzutreiben.“ Von Partnern, die diesen Weg aus welchen Gründen auch immer nicht mitgehen wollten, müsse sich der Hersteller in letzter Konsequenz trennen.

Alle Lastenhefte der zukünftigen Modelle, allein drei neuem rein elektrisch angetriebene Fahrzeug bis 2026, seien auf maximale Nachhaltigkeit ausgelegt. Gleichwohl betont Schnake, keine Ziele ausgeben zu wollen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Prozentsatz an CO2 einzusparen. „Jedes Fahrzeug wird von sich heraus mit jedem einzelnen Bauteil in Sachen Umweltverträglichkeit optimiert werden.“ Dabei müsse aber selbstverständlich die Wirtschaftlichkeit immer berücksichtigt werden. Schnake ist davon überzeugt, dass sich die Entwicklung finanzieren lasse, die Autos nicht unnötig teurer mache. „Wir müssen dazu kommen, preiswerte E-Fahrzeuge zu produzieren, die auch langfristig eine Wertstabilität haben“, nennt Karsten Schnake ein klares Ziel. Der ehemalige Skoda- und jetzige VW-Chef Thomas Schäfer hatte erst kürzlich bei der Vorstellung des ID.2 gesagt, dass ein kommendes Einstiegsmodell von VW unter der Marke von 20.000 Euro in der Preisliste stehen müsse. Der ID.2 soll weniger als 25.000 Euro kosten, wenn er 2025 auf den Markt kommt.

Materialengpässe zu erwarten

Einkaufsvorstand Schnake schließt nicht aus, dass es bei der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit durchaus zu Engpässen bei den Materialien kommen kann. Doch just deshalb würden Mitarbeiter schon jetzt geschult und vorbereitet, die sich dann in einem eigenständigen Einkaufsbereich um diese Thematik kümmern sollen. Schnake unterstreicht, wie wichtig Recycling sei. Schon jetzt würden alte Matratzen als Quelle für Dämmstoffe genutzt oder Altreifen, um die Pigmentierung bei dunklen Lacken zu ermöglichen.

Im E-SUV Enyaq iV bestünden die Sitzbezüge aus Schurwolle und recycelten PET-Flaschen. Nächste Schritte seien Verbundmaterialien aus Kunststoff und Fasern von Zuckerrüben oder der Schilfpflanze Miscanthus. Auch die Verwendung von Reishülsen, Hanf, Kork und Kokosfasern werde aktuell erforscht. Gebrauchte Hochvoltbatterien aus Elektrofahrzeugen setze man in stationären Energiespeichern ein, bevor sie recycelt werden. Dieser zweite Lebenszyklus reduziere effektiv den CO2-Fußabdruck. „Der nächste Schritt ist dann das Recycling. Die Akkus lassen sich – bis auf den Separator – vernünftig recyclen. In etwa 15 bis 20 Jahren, je nach Durchdringung des Marktes mit E-Fahrzeugen, werden wir den Punkt erreicht haben, an dem wir alle Rohstoffe wieder verwenden können.“ WS/Titelfoto: Skoda

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