Skoda Peaq

Skoda Peaq: Das neue Flaggschiff

Mit dem Peaq überführt Skoda das Showcar Vision 7S in die Serie. Der große Elektro-SUV setzt auf Raum und Reichweite.

Dass der Mensch nach Größe strebt, gehörte schon für Friedrich Nietzsche zu den grundsätzlichen Eigenschaften unserer Spezies. Seitdem bestätigen Autohersteller mit so ziemlich jedem neuen Modell das Gedankengut des Philosophen. Auch Skoda gibt sich auf dem Weg nach oben nicht unbescheiden und definiert mit dem Peaq für sich die neue Spitze im Elektro-Portfolio. Mit einer Länge von 4,87 Meter wird der große Wagen nur noch vom Verbrenner-Flaggschiff Superb leicht getoppt und überflügelt das bislang größte SUV Kodiaq um fast 12 Zentimeter.

Dabei spannt die VW-Tochter mit Konsequenz den Bogen von der Idee zur Realität. Was 2022 als Skoda Vision 7S die Zukunft der Marke skizzierte, steht nun als Serienmodell auf der Schwelle zur Straße. Wenn der Peaq im Herbst auf den Markt kommt, ist er nicht nur ein weiteres Elektroauto von Skoda, sondern auch ein Statement des gewachsenen Selbstbewusstseins. Ein SUV von großem Format, den Mutter VW ihrer erfolgreichen Tochter überraschend zubilligt – ohne derzeit selbst ein adäquates Gegenstück im Stall zu haben.

Skoda Peaq
Das neue Flaggschiff der Marke: Skoda Peaq. Fotos: Skoda

Skoda Peaq: Im Herbst auf dem Markt

Auffällig ist, wie viel von der Vision 7S den Sprung in die Serie geschafft hat. Zwar durften wir den Peaq zunächst nur getarnt fahren, aber in einem abgeschirmten Raum wurde schon mal der Schleier gelüftet. Wir sehen, dass die neue progressive Designsprache Modern Solid nicht das Traumkleid des Showcars bleibt, sondern tatsächlich auch den Auftritt des Serienmodells prägt. Optisch mag der Peaq damit vielleicht ein Stück verwechselbarer werden, verleiht Skoda aber auch einen cooleren Auftritt als bisher.

Mit klaren, stämmigen Linien, ruhigen Flächen und auffälliger Präsenz. Die Front mit dem schwarzen „Tech-Deck“-Element wirkt wie ein geschlossenes Gesicht, hinter dem sich die Kameras und Sensoren verbergen. Auch die Lichtsignatur mit ihren LED-Elementen knüpft direkt an die Studie an. Die Silhouette bleibt dabei bewusst reduziert: glatte Flächen, eine straffe Schulterlinie. Mit 1,70 Meter Höhe ist der Peaq recht flach geraten, was ihm einen dynamischen Touch gibt. Dazu ein eher kantig definiertes Heck, das ein paar Volvo- und BMW-Gene in sich trägt.

In die Länge gezogen wird das Ganze von einem Radstand im XL-Format. Mit 2,96 Meter entsprich dieser in etwa dem des VW ID.Buzz, was einen Hinweis auf die technische Wiege gibt. Weil man bei Skoda ja grundsätzlich auf die Kosten achtet, ernährt sich der im tschechischen Stammwerk Mlada Boleslav produzierte Peaq von dem, was der Konzern hergibt. So ist die Basis eine verlängerte 400-Volt-Plattform aus dem modularen Elektro-Baukasten MEB. Die E-Motoren mit neuer Steuerungselektronik und modifiziertem Wechselrichter sollen jetzt sparsamer mit der Energie umgehen, man findet sie in etwa baugleich in den VW-Modellen ID.Buzz und dem ID.7. Es wird zwei Leistungsstufen mit 150 kW (204 PS) und 220 kW (299 PS) geben, normalerweise fährt der Peaq mit Heckantrieb, beim Allradler „X“ wird zusätzlich die Vorderachse angetrieben.

Zwei Akkugrößen stehen zur Wahl

Auch bei den Akkus gibt es eine Wahl, beides bekannte Stromspender aus dem VW-Regal: 60 oder 90 kW, wobei die größere Batterie eine Reichweite von bis zu 600 WLTP-Kilometern garantieren soll und sich am DC-Lader mit maximal 195 KW in 28 Minuten von 10 bis 80 Prozent regeneriert. Hinzu kommen Funktionen wie Vehicle-to-Load und perspektivisch bidirektionales Laden, die das Auto zum mobilen Energiespeicher machen. Zugegeben, alles nicht mehr brandneue Technologie, aber bewährt und mittlerweile relativ preiswert, weil viele tausend Mal verbaut.

Skoda Peaq
Der Skoda Peaq kommt im Herbst auf den Markt.

In dieser Leistungsklasse trifft der Peaq auf reichlich Konkurrenz, Modelle wie der Kia EV9 oder Hyundais Ioniq 9 setzen ebenfalls auf viel Platz, während der Mercedes EQB die Premiumkarte spielt und der Peugeot E-5008 mit französischem Charme antritt. Der Peaq sucht seine Nische dabei nicht über extreme Leistungsdaten oder avantgardistische Experimente, sondern über eine fast klassische Tugend: die Summe seiner Eigenschaften.

Peaq: Piekfeiner Innenraum

Wirklich neu ist das, was uns der Peaq im Innenraum anbietet. Denn das ist – sorry für das Wortspiel – piekfein und definitiv fraglos eine neue Qualität für Skoda. Einer unaufgeregten und reduzierten Gestaltung folgen wertige Materialien und klare Bedienstrukturen. Vieles ist funktional durchdacht und offensichtlich mit großer Routine zusammengesetzt. Skoda nennt sein Innenraum-Konzept „Moving Living Room“ und will sich damit von klassischen SUVs absetzen. Die VW-Tochter versteht den Peaq mehr als hochgelegten Van. Fünf Ausstattungslinien inklusive Sportline gibt es, bis zu drei Sitzreihen für insgesamt sieben Passagiere sind möglich. Wobei Skoda selbst ganz hinten keine Sünderbank einbaut. Weil sich die zweite Sitzreihe bei Bedarf in der Tiefe um bis zu 15 Zentimeter verschieben lässt, bleibt hier selbst für Erwachsene – zumindest auf Kurzstrecken – genügend Luft zum Atmen.

Das optionale Relax-Paket verwandelt den Innenraum in eine Art mobile Ruhezone: Sitze mit Massagefunktion und ausfahrbaren Beinauflagen sowie eine Wellness-App, die Licht, Klima und Sitzfunktionen orchestriert, lassen den Wagen bei Ladestopps zur Wellness-Lounge werden. Das optionale Panorama-Glasdach ist mit 2,12 Quadratmetern das Größte, das Skoda je eingebaut hat, aus der Mittelkonsole wächst ein ausklappbares Tablett und die Soundanlage, die erstmals in Kooperation mit Sonos entwickelt wurde, gibt über 14 Lautsprechern ordentlich was auf die Ohren.

Skoda Peaq
Er lädt auf 400-Volt-Basis.

Der Raum selbst ist großzügig geschnitten. In der fünfsitzigen Konfiguration öffnet sich ein Kofferraum mit bis zu 1.010 Litern. Ergänzend gibt s einen 37-Liter-Frunk unter der Fronthaube, in dem Ladekabel Unterschlupf finden. Hinzu kommen zahlreiche Ablagen und klassische „Simply Clever“-Lösungen.

Der Komfort erreicht ein neues Niveau

Die digitale Architektur basiert auf einer Android-Plattform. Ein vertikal ausgerichteter 13,6-Zoll-Bildschirm bildet das Zentrum, flankiert von einem Fahrerdisplay und optionalen Head-up-Informationen. Die Bedienung des Hauptbildschirms folgt der Logik eines Smartphones. Eine Vielzahl integrierter Apps, die Navigation, Unterhaltung, Assistenten und Fahrzeugfunktionen werden hier gebündelt, es lassen sich Ordner anlegen, weitere Apps laden, verschieben und frei konfigurieren. Wer den Peaq neu startet, bekommt auf dem Display stets angezeigt, welche Einstellungen er zuletzt gewählt hatte und hat so schnellen Zugriff – auch auf teilweise nervige Funktionen wie Spurhalteassistent oder Geschwindigkeitswarner, die sich mit einem Klick deaktivieren lassen.

Und der erste Fahreindruck? Der unterstreicht die Ambitionen des neuen Elektro-Flaggschiffs. Als gut erzogener Reise-Kumpel soll der Peaq vermehrt bei Dienstwagenfahrern mit großer Familie punkten. Säuselleise und mit hoher Kompetenz werden Straßenschäden – trotz montierter 20-Zoll-Räder – gekonnt glattgebügelt. Unterstützt vom langen Radstand und dem optionalen DCC, dass die Dämpferhärte kontinuierlich automatisch anpasst, erreicht der Komfort ein Niveau, der sich noch einmal von den Evoqs und Enyaks der Familie abhebt. Dass der Peaq dabei nicht den Boden unter den Rädern verliert, gehört zur Policy der Aufsteigermarke. Preislich soll er sich an den von der Leistung vergleichbaren Kodiaq-Modellen orientieren. Für die Einstiegsversion mit 150 kW (204 PS) hieße das knapp unter 50.000 Euro. Tomas Hirschberger/SP-X

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