Tesla Model S

Tesla: Lieber Roboter statt Oberklasse-Autos

Tesla stellt das Model S und Model X ein und nutzt die Flächen im Werk Fremont künftig für die Produktion humanoider Roboter.

Tesla-Chef Elon Musk hat angekündigt, dass die Fertigung von Model S und Model X in Fremont im Laufe des zweiten Quartals 2026 ausläuft. Das Model S ist seit 2012 im Programm und gilt als eines der prägenden Fahrzeuge der frühen Elektroauto-Ära, das SUV Model X folgte 2015 mit seinen markanten Flügeltüren. Trotz mehrfacher technischer und optischer Updates blieb die Grundkonstruktion beider Modelle über mehr als ein Jahrzehnt weitgehend unverändert.

Tesla Model S
Elon MUsk will lieber Roboter („Optimus“) statt Oberklasse-Autos bauen. Fotos: Tesla

Musk spricht von einem „ehrenhaften Ende“ der Baureihen und begründet den Schritt mit dem strategischen Fokus auf eine Zukunft, in der Autonomie, KI und Robotik im Mittelpunkt stehen. Der Abschied sei zwar emotional, aber Teil der Transformation vom reinen Elektroautohersteller zu einem breiter aufgestellten Technologiekonzern.

Konkrete Verkaufszahlen für Model S und Model X veröffentlicht Tesla seit Einführung des Cybertruck nicht mehr separat. Sie werden zusammen mit dem Pickup in der Kategorie „andere Modelle“ geführt. 2025 kam dieser Sammelposten insgesamt auf nur 50.850 Auslieferungen – gegenüber rund 1,6 Millionen Model 3 und Model Y.

Damit sind die Oberklasse-Modelle längst zu Nischenprodukten geworden. Hinzu kommt ein schwieriges Marktumfeld in den USA: Nach dem Auslaufen der bundesweiten Steuergutschrift für Elektroautos und einer politisch gebremsten E‑Auto-Förderung unter Präsident Donald Trump haben auch andere Hersteller bereits Modelle vom Markt genommen. Vor diesem Hintergrund erscheint es für Tesla nachvollziehbar, wenig ausgelastete Kapazitäten in Fremont für neue Geschäftsfelder umzuwidmen.

Optimus-Roboter statt Oberklasse-Limousine

Laut Geschäftsbericht könnte Tesla in Fremont theoretisch bis zu 100.000 Model S und Model X pro Jahr bauen; für den Cybertruck in Texas sind über 125.000 Einheiten Produktionskapazität ausgewiesen. Angesichts von rund 51.000 Auslieferungen in der Kategorie „andere Modelle“ 2025 dürfte die tatsächliche Auslastung deutlich unter der möglichen Kapazität liegen. Auch wenn die genaue Aufteilung zwischen Cybertruck und den Oberklasse-Baureihen nicht bekannt ist, ist klar, dass der entsprechende Produktionsbereich in Fremont weit von voller Auslastung entfernt ist. Tesla sieht hier Spielraum, die Flächen für lukrativere Zukunftsprojekte zu nutzen.

In Fremont soll künftig der humanoide Roboter „Optimus“ in Großserie entstehen. Tesla geht davon aus, dass die Roboterfertigung deutlich weniger Platz benötigt als eine Autolinie. Auf Flächen, die bisher für bis zu 100.000 Fahrzeuge ausgelegt sind, will das Unternehmen perspektivisch bis zu eine Million Optimus-Einheiten pro Jahr bauen.

Parallel investiert Tesla massiv in weitere Zukunftsprojekte: die autonome Robotaxi-Plattform Cybercab, den elektrischen Lkw Semi sowie in eigene Batterie- und Lithiumkapazitäten. Für 2026 sind insgesamt über 20 Milliarden US‑Dollar an Investitionsausgaben geplant – der Großteil davon außerhalb des klassischen Pkw-Kerngeschäfts.

„Investitionen für eine großartige Zukunft“

Mit dem Produktionsstopp von Model S und Model X setzt Tesla ein klares Signal. Die Ikonen der Frühphase werden zugunsten neuer Geschäftsmodelle zurückgestellt, bei denen autonome Systeme und Robotik im Mittelpunkt stehen. Musk spricht von „großen Investitionen für eine großartige Zukunft“ und macht deutlich, dass Wachstum künftig weniger über zusätzliche Oberklasse-Pkw, sondern über Software, Dienstleistungen, Energieprodukte und Roboterflotten kommen soll.

Für den Markt bedeutet das: Teslas Angebot im Premiumsegment schrumpft, während traditionelle Hersteller und neue Wettbewerber aus China und Europa dort verstärkt Alternativen anbieten. Ob der Fokus auf Optimus und Robotaxis die Lücke langfristig schließt, hängt davon ab, wie schnell diese Technologien technisch reif werden – und wie zügig Regulierer autonomen Systemen den Weg auf die Straße und in den Alltag freimachen. Titelfoto: Tesla

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