Der neue VW ID.Tiguan beendet die relativ kurze Ära des ID.4/ID.5. Anfang 2027 kommt er auf den Markt. Wir konnten schon eine Runde drehen.
Wie schon ID.Polo und ID.Cross spricht auch der neue ID.Tiguan wieder deutlich die VW-Design-Sprache. Chefdesigner Andreas Mindt setzt eindeutig auf Markenidentität. Gleichwohl aber hat er dem elektrisch angetriebenen SUV eine Linienführung mit auf den Weg gegeben, die das Modell von den Benzin-, Diesel- und Hybrid-Versionen der Baureihe unterscheidet.

So sind beispielsweise schon die Abmessungen etwas anders. Der ID.Tiguan bringt in der Länge 4,62 Meter auf die Straße, damit acht Zentimeter mehr als die Verbrenner. Die Breite ist mit 1,86 Metern so gut wie identisch, in der Höhe aber ist der Stromer vier Zentimeter niedriger. Der mit 2,77 Meter um neun Zentimeter längere Radstand der Elektrovariante beschert den Insassen ein deutlich größeres Platzangebot.
Das Gesicht des ID.Tiguan wird von schmal gezeichneten LED-Scheinwerfer und einer verbindenden Querspange mit dem im Style und der R-Line serienmäßig beleuchteten VW-Symbol dominiert. Ansonsten ist die Front des Stromers fast geschlossen. Die R-Line ist an einem modifizierten Stoßfänger zu erkennen.
Mehr Tasten, keine Slider mehr
Im Innenraum setzt Volkswagen auf eine ausgewogene Mischung aus Digitalisierung und physischen Bedienelementen. Für die Klimaautomatik gibt es eine Tastenleiste, Lautstärke sowie Sender oder Playlist lassen sich über einen Dreh-Drückregler auf der Mittelkonsole verändern. Verabschiedet hat sich VW beim Multifunktionslenkrad von den Touchflächen. Auch hier haben die Designer nun physische Tasten platziert.

Komplett anders als bei den Vorgängen ID.4 und ID.5, die 2021 beziehungsweise 2022 auf den Markt kamen, sind das digitale Cockpit (zehn Zoll) und das 15 Zoll große Infotainmentdisplay. Das liegt so vor dem Armaturenträger, dass es von beiden vorne sitzenden Personen gut zu erreichen ist. Erstmals im VW-Angebot ist ein Zwölf-Zoll-Beifahrerdisplay. Die Sitze hinterlassen nach einer ersten kurzen Fahrt einen guten Eindruck. Die Polsterung ist fest, die Beinauflage lang und die Seitenwangen geben guten Halt.
Nach ID.Polo und ID.Cross kann nun auch beim ID.Tiguan auf eine Retro-Anzeige beim digitalen Cockpit sowie im Infotainmentdisplay umgeschaltet werden. Im Cockpit ist es die Version vom Golf IV, auf dem großen Screen kann sogar zwischen sechs VW-Modellen, Käfer, Golf I, Golf II Country, Golf IV, Tiguan I und Race Touareg, gewählt werden. Tatsächlich ein gelungenes Gimmick.
Der ID bietet mehr Platz als die Verbrenner
Keine Spielerei, sondern ein echter Vorteil ist das Platzangebot im ID.Tiguan. Im Vergleich zu den Verbrenner-Varianten haben die Passagiere im Fond mehr Beinfreiheit. Zudem steht ein Kofferraumvolumen von 534 Litern zur Verfügung. Das kann bei vorgeklappten hinteren Lehnen auf bis zu 1.577 Liter erweitert werden. Unter der vorderen Haube steht ein kleines Fach für das Ladekabel zur Verfügung.

Apropos Laden: Die beiden Batterien mit einer Netto-Kapazität von 58 oder 77 kWh lassen sich an einer DC-Ladesäule mit 105 beziehungsweise 165 kW mit Strom versorgen. Beides liegt unter den Werten der ID-Vorgänger. Grund dafür ist vermutlich die Anpassung an die neue Ladenorm ISO/SAE 12906, die eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den unterschiedlichen Modellen ermöglichen soll. Der praxisnahe Nutzen und nicht mehr die Peakleistung steht im Vordergrund.
Ladeleistung nicht mehr zeitgemäß
Dessen ungeachtet ist die Ladeleistung nicht mehr zeitgemäß. Hier wird deutlich, dass Volkswagen für den ID.Tiguan keine neue Plattform entwickelt hat, sondern die MEB-Plattform des ID.4 nutzt. Bei dem kleinen Akku dauert es unter besten Bedingungen 26, bei der größeren Batterie 29 Minuten, um den Ladestand von zehn auf 80 Prozent zu bringen. An der Wallbox kann mit 11 kW geladen werden.

Die Versionen Trend, Life und Style sind mit dem 58-kWh-Akku ausgerüstet. Dann sorgt eine 140 kW (190 PS) starke E-Maschine für Vortrieb. Die Reichweiten gibt VW dann mit bis zu 450 Kilometer an. Als Option für Life und Style sowie in Serie für den R-Line gibt es die große Batterie und einen 210 kW (286 PS) starken E-Motor. Hier sollen bis zu 600 Kilometer ohne Ladestopp machbar sein. Außer diesen Versionen mit Heckantrieb bietet VW den ID.Tiguan für die Varianten mit dem großen Akku als 4Motion an. Dann kommt das SUV auf eine Systemleistung von 220 kW (299 PS) mit einer Reichweitenprognose von maximal 560 Kilometern.
Bis zu 600 Kilometer Reichweite
Weder Reichweiten noch Verbrauch oder Leistung der E-Motoren konnten wir auf der wirklich kurzen Strecke mit dem ID.Tiguan erfahren. Laut VW sollen die Höchstgeschwindigkeiten bei Tempo 160 für das 2.073 Kilogramm schwere Basismodell und 180 für die stärkeren und 2.155 Kilogramm schweren Motorisierungen liegen.
Die maximale Anhängelast beträgt für die 140-kW-Varianten 1,8 Tonnen, die stärkeren Motoren können zwei Tonnen an den Haken nehmen. Die Stützlast beträgt generell 90 Kilogramm, die Dachlast 75 Kilogramm.

Damit hat der ID.Tiguan sowohl bei der maximalen Anhängelast als auch bei der Stützlast die besseren Werte als ID.4 und ID.5, die aber bei der Ladeperformance besser lagen. Beim Design und im Innenraum aber sammelt der elektrisch angetriebene Tiguan zum Einstiegspreis von 42.695 Euro jede Menge Pluspunkte.


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