Dongfeng will noch in diesem Jahr eine Feststoffbatterie in die Serie bringen. Derzeit finden letzte Wintertests statt.
Der chinesische Hersteller Dongfeng hat mit Wintererprobungen von Prototypfahrzeugen begonnen, die mit neuen Feststoffbatterien ausgestattet sind. Die Testfahrzeuge basieren auf dem Elektro-SUV Dongfeng 007 und werden im äußersten Nordosten Chinas, in der Region um Mohe, bei Temperaturen zwischen minus 40 und minus 30 Grad Celsius eingesetzt, wie das Branchenmagazin „electrive“ berichtet. Ziel ist es, die Batterien unter realen Bedingungen hinsichtlich Reichweitenstabilität, Lade- und Entladeeffizienz, Sicherheitsreserven und Integration ins Fahrzeug zu validieren.
Die Zellen stammen aus einer Pilotfertigung und gelten als seriennahe Version jenes Feststoff-Akkus, den Dongfeng bis September 2026 in die Massenproduktion überführen will. Laut Unternehmensangaben behalten die Batterien bei minus 30 Grad noch rund 72 Prozent ihrer Energie und haben in Tests bei 170 Grad in einer Wärmebox ebenfalls die Sicherheitsanforderungen erfüllt.
350 Wh/kg und über 1.000 Kilometer Reichweite
Die aktuellen Prototypen nutzen Feststoffzellen mit einer gravimetrischen Energiedichte von 350 Wh/kg auf Zellebene. Damit liegen sie deutlich über heutigen LFP-Zellen, die typischerweise zwischen dem unteren dreistelligen Bereich und rund 210 Wh/kg erreichen, und über gängigen NMC-Zellen mit etwa 200 bis 260 Wh/kg. In Verbindung mit einem standardgroßen Batteriegehäuse sollen so CLTC-Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern möglich sein.
Die nun getestete 350-Wh/kg-Variante ist Teil eines größeren Baukastens, den Dongfeng entwickelt. Das Portfolio soll mehrere Feststoffprodukte mit Energiedichten von etwa 240 bis 500 Wh/kg umfassen. Der erste Serieneinsatz ist für die Premium-Marke Voyah vorgesehen; frühere Angaben nannten dort zunächst 300 Wh/kg, was zeigt, wie schnell die Zielwerte nach oben angepasst werden.
Laut chinesischen Medien setzen die Dongfeng-Feststoffbatterien auf „hochkapazitive ternäre Kathoden“, Silizium-Kohlenstoff-Anoden und einen Oxid-Polymer-Komposit-Festkörperelektrolyten. Unter ternären Kathoden werden in China in der Regel NMC- oder NCA-Materialien verstanden, bei denen Nickel, Mangan und Kobalt beziehungsweise Nickel, Kobalt und Aluminium zum Einsatz kommen.
Diese Kombination soll klassische Schwächen konventioneller Lithium-Ionen-Batterien adressieren – insbesondere Sicherheitsrisiken und deutliche Reichweitenverluste bei tiefen Temperaturen. Die siliziumhaltige Anode ermöglicht hohe Energiedichten, während der feste Elektrolyt die Gefahr von Leckagen und thermischem Durchgehen reduziert.
Einordnung im globalen Feststoffrennen
Die Tests markieren für Dongfeng einen „entscheidenden Schritt hin zur industriellen Anwendung“ der eigenen Festkörpertechnologie. Während andere Hersteller meist noch im Labor- oder frühen Pilotstadium arbeiten, koppelt Dongfeng seine Zellen bereits mit Serienfahrzeugen und führt systematische Wintertests im Feld durch.
Parallel sorgen andere Akteure für Schlagzeilen: Auf der CES in Las Vegas hat etwa das finnische Unternehmen Donut Lab eine angeblich serienreife Feststoffbatterie mit 400 Wh/kg angekündigt, die in Kürze in Motorrädern von Verge Motorcycles eingesetzt werden soll. Da bisher jedoch weder die genaue Zellchemie noch Produktionsumfänge transparent belegt sind und teils von einer Kondensator-ähnlichen Technologie die Rede ist, bleiben diese Aussagen vorerst schwer einzuordnen.
Dongfeng plant, die Feststoffzellen im Verlauf des Jahres 2026 zunächst bei der Tochtermarke Voyah in Serie zu bringen und später auch in eigenen Modellen einzusetzen. Die aktuellen Extremkältetests sollen letzte Daten liefern, um das Design zu finalisieren und die Industrialisierung abzusichern. Titelfoto: Dongfeng


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