Den BYD Atto 3 Evo gibt es in sechs Lackfarben – hier ist es Atlantis Blue – und mit zwei Innenraumfarben. Foto: BVD

Doppelte Spannung für BYD Atto 3

Vom BYD Atto 3 zu Atto 3 Evo: Statt wie bisher mit 400 Volt arbeiten die ein oder zwei E-Maschinen jetzt mit 800-Volt-Architektur.

Gut 1.000 Atto 3 hat die chinesische Marke im vorigen Jahr in Deutschland verkauft. Damit liegt das Kompakt-SUV weit abgeschlagen hinter Modellen wie dem Seal U (9.562) oder dem Seal (5.404). Ein deutliches Update ist also dringend angeraten, auch weil die Konkurrenz in dieser beliebten Sparte nicht schläft. Deshalb bietet der Evo in den wichtigsten Bereichen ein deutliches Mehr: nämlich bei Leistung, Reichweite, Platzangebot und Ausstattung.

Aber der Reihe nach: Fürs Vorwärtskommen ist im Atto 3 Evo ein knapp 75 kWh fassender Akku in Kombination mit zwei Motorisierungen zuständig. Zur Einstiegsversion mit Heckmotor und -antrieb namens Design kommt beim Evo noch eine besser ausgestattete Excellence-Version mit Front- und Heckmotor, also mit Allradantrieb.

Die Maschinen leisten muntere 230 kW/313 PS beziehungsweise 330 kW/449 PS, sie liefern ein Drehmoment von 380 und 560 Nm und beschleunigen in 5,5 und in zackigen 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h, bei 180, beziehungsweise 200 Sachen wird abgeregelt.

Bis zu 510 Kilometer

Evo-Zutaten: coole Bremsleuchten im Dachspoiler, überarbeitete Stoßfänger und Heckleuchtengrafik. Alle Fotos: BYD
Evo-Zutaten: coole Bremsleuchten im Dachspoiler, überarbeitete Stoßfänger und Heckleuchtengrafik. Alle Fotos: BYD

Das klingt auf dem Papier schon mal mehr als ordentlich, speziell in Kombination mit dem überschaubaren WLTP-Normverbrauch von 16,4 und 17,8 kWh/100 km. Und natürlich mit den Werten für die Reichweite: Bis zu 510 Kilometer sollen mit dem Hecktriebler drin sein, bis zu 470 Kilometer bei der Version mit Allradantrieb.

Überzeugend ist dank der 800-Volt-Architektur auch die Performance des BYD-Blade-Akkus am Schnelllader: Angesichts der maximalen Ladeleistung von 220 kW reichen jeweils 28 Minuten für den Hub von zehn auf 80 Prozent. Am AC-Lader wird die Lithium-Eisenphosphat-Batterie des Evo mit 11 kW in 8 Stunden von null auf 100 Prozent gefüllt.

Übersichtlich: Das Armaturenbrett wird von einem 15,6 Zoll großen Touchscreen dominiert
Übersichtlich: Das Armaturenbrett wird von einem 15,6 Zoll großen Touchscreen dominiert

Wie er sich fährt, der neue Evo? Die Antwort ist einfach: Wie ein schon mit Heckantrieb ziemlich kräftiges Elektro-SUV. Die Fahrleistungen sind mehr als ausreichend, die Maschine verfügt in praktisch jeder Situation über reichlich Reserven für schnelle Überholmanöver oder einen kurzen Zwischensprint beim Einfädeln auf die Autobahn – und das schon im Eco-Modus. Dabei blieb der Verbrauch bei der ersten Testfahrt durch und um Hamburg mit einer kurzen Autobahn-Etappe absolut zufriedenstellend aus: 13,2 kWh/100 km zeigte das 8,8-Zoll-Zentralinstument zum Schluss an. Die Schrift auf dem kleinen Display ist aber ebenfalls klein. Zum Ablesen der erlaubten Geschwindigkeit könnte man durchaus eine Lupe brauchen.

1,5 Tonnen Anhängelast

Das Fahrwerk macht einen guten Job, bei der Abstimmung stand offenbar nicht maximaler Komfort im Fokus. Der Evo fühlt sich angenehm straff an, gibt aber auf der anderen Seite die Auswirkungen abgesenkter Kanaldeckel spürbar an die Passagiere weiter. Und die Lenkung? Die gibt eine gute Rückmeldung – und keinen Anlass zur Kritik.

Die Karosserie wurde nur dezent überarbeitet, erkennbar ist das etwa an den Stoßfängern, den verschlankten Seitenschwellern und neuen 18-Zöllern. Ganz frisch ist allerdings die Basis: Der Atto 3 Evo steht auf der neuesten Ausführung der BYD-e-Plattform 3.0. Er schafft jetzt in beiden Versionen eine Anhängelast von 1,5 Tonnen statt bisher 750 Kilo. Gar nicht schlecht für ein 4,46-Meter-SUV.

Ordentlich dimensioniert ist auch der um 50 Liter gewachsene Kofferraum, dessen Volumen BYD jetzt mit 490 bis 1.380 Litern angibt. Dazu kommt noch ein praktischer Frunk unter der Fronthaube mit nochmal 95 Liter Stauraum.

Erholsam: Die Frontsitze mit verstellbaren Kopfstützen lassen auch Ruhepausen zu.
Erholsam: Die Frontsitze mit verstellbaren Kopfstützen lassen auch Ruhepausen zu.

Beheizbare Rücksitze

Im Innenraum fühlen sich vier Erwachsene rundum wohl, auch hinten finden ausgewachsene Mitteleuropäer ordentlich Kopffreiheit, Platz für Beine und Füße und bei der Version Excellence sogar beheizbare Rücksitze vor. Der Fahrer-Arbeitsplatz wurde leicht modifiziert, der Gangwahlhebel wanderte an die Lenksäule, in der Mittelkonsole lassen sich Handys gekühlt laden und zwei Flaschen und Kleinkram unterbringen.

Das Infotainment-System ist neu, es integriert, bedienbar über das nur noch horizontal ausgerichtete 15,6-Zoll-Display, die aktuellen Google-Dienste samt cloudbasiertem Sprachassistenten, der mit „Hi, BYD“ aktiviert wird und sich beim ersten Ausprobieren als verständnisvoll und hilfreich erwies.

Zusatz-Stauraum: Der Frunk unter der Fronthaube bietet ein Volumen von 95 Litern.
Zusatz-Stauraum: Der Frunk unter der Fronthaube bietet ein Volumen von 95 Litern.

Die Bedienung geht wie von Smartphone und Tablet gewohnt recht leicht von der Hand. Insgesamt wirkt das Interieur einen Tick wertiger als beim bisherigen Atto 3. Sympathische Feinheiten wie die drei „Gitarrensaiten“ über den Seitenfächern in den Türen oder den Drehöffner für die Türen hat der chinesische Hersteller vom Vorgänger übernommen. Und ein Head-up-Display hat die Excellence-Version auch noch.

Sicherheit geht vor

Auch bei der Sicherheit hat BYD nachgelegt: Im Atto 3 Evo sind serienmäßig sieben Airbags installiert, dazu ein großes Assistenzpaket etwa mit Abstandsregeltempomat, Querverkehrswarner, Totwinkelüberwachung und Spurhaltefunktion. Der Hersteller gewährt sechs Jahre Fahrzeuggarantie und acht Jahre respektive bis zu 250.000 Kilometer Garantie auf den Akku.

Die Preise sind im Zuge des umfangreichen Facelifts gestiegen: Der Fronttriebler kostet ab 44.900 Euro, der Allradler ab 50.990 Euro. Dank des bis auf weiteres gewährten BYD-E-Bonus von 10.000 Euro und der staatlichen E-Auto-Förderung von maximal 6.000 Euro sind die Evos derzeit im Idealfall ab 28.990 und 33.990 Euro zu haben.  Rudolf Huber/SP-X

BYD Atto 3 Evo – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV; Länge: 4,46 Meter, Breite: 1,88 Meter (mit Außenspiegel: 2.06 Meter), Höhe: 1,62 (Allrad 1,66) Meter, Radstand: 2,73 (Allrad 2,62) Meter, Kofferraumvolumen: 490 – 1.380 Liter, im Frunk 95 Liter

Design (Heckantrieb)
E-Motor mit 230 kW/313 PS, Drehmoment: 380 Nm, 0 – 100 km/h: 5,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 16,4 kWh/100 km, Akkugröße: 74,8 kWh, Reichweite: 510 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/220 kW (DC), Ladedauer AC: 0 – 100 % in ca. 8 Std.; DC: 10 – 80 % in 28 Minuten
Preis: ab 44.900 Euro

Excellence (Allradantrieb)
Je ein E-Motor vorne und hinten mit zusammen 330 kW/449 PS, Systemdrehmoment: 560 Nm, 0 – 100 km/h: 3,9 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 17,8 kWh/100 km, Akkugröße: 74,8 kWh, Reichweite: 470 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/220 kW (DC), Ladedauer AC: 0 – 100 % in ca. 8 Std.; DC: 10 – 80 % in 28 Minuten
Preis: ab  50.990 Euro.

BYD Atto 3 Evo – Kurzcharakteristik:

Warum: Weil er flott und sparsam fährt und schnell lädt
Warum nicht: Weil er nach hinten sehr unübersichtlich ist und die Basispreise ganz schön hoch sind

Was sonst: VW ID.3, Cupra Born, Hyundai Kona Elektro, Opel Grandland Electric, Kia EV3, MG4

Wann kommt er: Frühjahr 2026

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