Vom BYD Atto 3 zu Atto 3 Evo: Statt wie bisher mit 400 Volt arbeiten die ein oder zwei E-Maschinen jetzt mit 800-Volt-Architektur.
Eine größere Batterie, mehr Reichweite, schnelleres Laden und mehr Platz – BYD hat beim Atto 3 Evo in allen Disziplinen deutlich nachgebessert. Die jetzt im Atto eingesetzte technische Basis des klassenhöheren Sealion 7 soll die Wettbewerbsfähigkeit in dem heiß umkämpften Segment der kompakten SUV erhöhen.
An erster Stelle ist dabei die 800-Volt-Architektur zu nennen, die die Ladeperformance im Vergleich zum Vorgänger von 110 auf 220 kW verdoppelt. Damit verringert sich die Ladezeit von zehn auf 80 Prozent um zehn auf jetzt 25 Minuten. Da auch die von BYD eingesetzte Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit einer Bruttokapazität von 74,8 kWh (bisher 60,4 kWh) mehr Strom speichern kann, vergrößert sich auch die Reichweite.
Bis zu 510 Kilometer

Nach der WLTP-Norm soll der Atto 3 Evo 510 Kilometer schaffen. Das sind 90 Kilometer mehr als der 2023 vorgestellte Atto 3.
Ganz wichtig für die Alltagstauglichkeit sind zudem die Verbesserungen beim Volumen des Laderaums auf 490 Liter (bislang 440 Liter), der neue Frunk mit einer Größe von satten 95 Litern, die Erhöhung der Anhängelast von 750 auf nun 1.500 Kilogramm sowie die Änderungen im Passagierabteil. Die Stützlast beträgt 75, die Dachlast 50 Kilogramm.
Zwischen den beiden vorderen Sitzen gibt es mehr Platz, da der Gangwahlhebel von der Mittelkonsole an die Lenksäule verlegt wurde. Frau oder Mann am Steuer finden aufgrund der elektrischen Verstellmöglichkeiten des Sitzes sowie der Höhen- und Längsverschiebung des Lenkrads immer eine ergonomisch günstige Position. Zudem ist das Gestühl gut gepolstert, damit bequem und gibt besten Halt. Das gilt ebenfalls für den Beifahrerplatz, der auch elektrisch einstellbar ist.
Der Radstand von 2,72 Metern trägt dazu bei, dass selbst groß gewachsene Personen auf der – optionale beheizbaren – Rückbank ausreichend Beinfreiheit haben. Die hinteren Lehnen lassen sich im Verhältnis 60:40 geteilt vorklappen. Dadurch erhöht sich das Kofferraumvolumen auf bis zu 1.360 Liter. Die maximale Zuladung beträgt 530 Kilogramm.

Doch zurück zum Platz am Lenkrad, das mit einer Reihe von haptischen Bedienknöpfen bestückt ist. Gut im Blick liegt das jetzt etwas frischer gestaltete und nach wie vor individuell anpassbare 8,8-Zoll große digitale Cockpit. Mittig auf dem Armaturenträger angesiedelt ist der Touch-Screen des Infotainmentsystems in einer Größe von 15,6 Zoll. Integriert sind beispielsweise Google Maps, Google Assistant und Play Store.
Gute Sprachbedienung
Der Bildschirm ist das zentrale Bedienelement, da es außer am Lenkrad und für die Fensterheber so gut wie keine Knöpfe oder Schalter gibt. Das ist nach wie vor ein Manko hinsichtlich der Sicherheit. Jeder Blick auf den Monitor, um das richtige Icon anzutippen, lenkt vom Verkehrsgeschehen ab. Allerdings können viele Wünsche bequem und ohne Ablenkung auch über die gut reagierende Sprachbedienung kundgetan werden.
Die neueste Version der von BYD entwickelten e-Plattform 3.0 ermöglicht sowohl Heck- als auch Allradantrieb. Beides steht für den Atto 3 Evo zur Verfügung. In der Version Design treibt ein 230 kW (313 PS) starker Permanentmagnet-Synchronmotor mit einem Drehmoment von 380 Newtonmetern (Nm) die Hinterachse an. So beschleunigt das 1,9 Tonnen schweren E-SUV in 5,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Die zweite der beiden Modellvarianten heißt Excellence. Hier ist zusätzlich eine Asynchron-Maschine verbaut, um Kraft auf die Vorderachse zu bringen. Die Gesamtleistung des Allradantriebs liegt bei 330 kW (449 PS), und das maximale Drehmoment steigt auf 560 Nm. Der 100 Kilogramm schwerere Atto 3 Evo Excellence erledigt den Standartsprint in 3,9 Sekunden. In dieser Klasse klar ein Spitzenwert.
In beiden Versionen setzt BYD eine Batterie mit einer Bruttokapazität von 74,8 kWh ein. Die 800-Volt-Technologie des Stromers ermöglicht Gleichstromladen (DC) mit einer Leistung von bis zu 220 kW. So wird der Akku bei idealen Bedingungen in 25 Minuten von zehn auf 80 Prozent mit frischer Energie versorgt. Der On-Board-Lader erlaubt an der heimischen Wallbox 11 kW.
Die WLTP-Verbrauchswerte von 16,4 kWh für den Design und 17,8 kWh für den Excellence ergeben laut BYD Reichweiten nach der WLTP-Norm von 510 beziehungsweise 470 Kilometern. Nach unserer überwiegend in der Stadt und mit wenigen Landstraßenkilometern absolvierten relativ kurzen Testfahrt mit dem Atto 3 Evo Excellence zeigte der Bordcomputer 18,5 kWh an. Dabei wurde das rechte Pedal eher zurückhaltend eingesetzt und die Temperaturen lagen um die 14 Grad.

Die Bedienung geht wie von Smartphone und Tablet gewohnt recht leicht von der Hand. Insgesamt wirkt das Interieur einen Tick wertiger als beim bisherigen Atto 3. Sympathische Feinheiten wie die drei „Gitarrensaiten“ über den Seitenfächern in den Türen oder den Drehöffner für die Türen hat der chinesische Hersteller vom Vorgänger übernommen. Und ein Head-up-Display hat die Excellence-Version auch noch.
Sicherheit geht vor
Für ein chinesisches Fahrzeug eher unüblich abgestimmt sind Fahrwerk und Lenkung. Beides weist fast europäischen Charakter auf. Federung und Dämpfung haben die Entwickler relativ straff ausgelegt. Damit unterscheidet sich der Atto 3 Evo vor allem von anderen chinesischen Herstellern. Das gleiche gilt für die Lenkung, die jederzeit eine gute Rückmeldung gibt. Lobenswert ist zudem die Akustik. Die Passagiere des Elektro-SUV bleiben von Wind- und auch Abrollgeräuschen so gut wie komplett verschont.
Optisch unterscheidet sich die Neuauflage des fast unverändert 4,46 Meter langen, mit Spiegeln 2,06 Meter breiten und 1,62 Meter hohen Atto 3 durch anders gezeichnete Scheinwerfereinheiten und Rückleuchten, einen Diffusor am Heck und eine etwas kantiger gestylte Karosserie.
Die Preise sind im Zuge des umfangreichen Facelifts gestiegen: Der Fronttriebler kostet ab 44.900 Euro, der Allradler ab 50.990 Euro. Dank des bis auf weiteres gewährten BYD-E-Bonus von 10.000 Euro und der staatlichen E-Auto-Förderung von maximal 6.000 Euro sind die Evos derzeit im Idealfall ab 28.990 und 33.990 Euro zu haben.
Preise und Ausstattung sind absolut wettbewerbsfähig. Das gilt ebenfalls für die Garantieversprechen. Acht Jahre oder 250.000 Kilometer für die Batterie, zwölf Jahre für Durchrostung und acht Jahre oder 150.000 Kilometer für den Antrieb zeugen davon, dass BYD von der Qualität des Atto 3 Evo überzeugt ist. Wolfgang Schäffer
BYD Atto 3 Evo – Technische Daten:
Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV; Länge: 4,46 Meter, Breite: 1,88 Meter (mit Außenspiegel: 2.06 Meter), Höhe: 1,62 (Allrad 1,66) Meter, Radstand: 2,73 (Allrad 2,62) Meter, Kofferraumvolumen: 490 – 1.380 Liter, im Frunk 95 Liter
Design (Heckantrieb)
E-Motor mit 230 kW/313 PS, Drehmoment: 380 Nm, 0 – 100 km/h: 5,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 16,4 kWh/100 km, Akkugröße: 74,8 kWh, Reichweite: 510 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/220 kW (DC), Ladedauer AC: 0 – 100 % in ca. 8 Std.; DC: 10 – 80 % in 28 Minuten
Preis: ab 44.900 Euro
Excellence (Allradantrieb)
Je ein E-Motor vorne und hinten mit zusammen 330 kW/449 PS, Systemdrehmoment: 560 Nm, 0 – 100 km/h: 3,9 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 17,8 kWh/100 km, Akkugröße: 74,8 kWh, Reichweite: 470 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/220 kW (DC), Ladedauer AC: 0 – 100 % in ca. 8 Std.; DC: 10 – 80 % in 28 Minuten
Preis: ab 50.990 Euro.
BYD Atto 3 Evo – Kurzcharakteristik:
Warum: Weil er flott und sparsam fährt und schnell lädt
Warum nicht: Weil er nach hinten sehr unübersichtlich ist und die Basispreise ganz schön hoch sind
Was sonst: VW ID.3, Cupra Born, Hyundai Kona Elektro, Opel Grandland Electric, Kia EV3, MG4
Wann kommt er: Frühjahr 2026 sp-x


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