Der neue Opel Astra und seine Kombiversion Astra Sports Tourer kommen deutlich dynamischer daher als bislang.
Bei Opel – und mittlerweile auch beim Mutterkonzern Stellantis – scheint man begriffen zu haben, wie schwer der Begriff Tradition wiegen kann. Und so reklamieren die Rüsselsheimer für sich bei der Fahrvorstellung des neuen Duos Astra und Astra Sports Tourer ein knappes Jahrhundert Kompaktsegment-Erfahrung für sich, begonnen beim Ur-Kadett 1936.

Dennoch gilt es natürlich mit der Zeit zu gehen – die jahrzehntelange Expertise im Kernsegment soll da durchaus von Nutzen sein. Dynamischer, mit Elementen der jüngsten Studie Opel Corsa GSE Vision Gran Turismo präsentiert sich der Opel-Evergreen. Das fällt zuallererst am Bug auf. Die durchgehende Lichtleiste mit dem permanent beleuchteten Opel-Blitz in der Mitte ist der Blickfang der neuen Astras.
„Licht ist das neue Chrom“
Wobei Puristen hier durchaus erstmals mahnend den Finger heben könnten. Denn so gefällig das leuchtende Logo auch ist, es wurde weiter verwässert. Bereits 2023 erfolgte die Trennung in zwei Blitz-Elemente. Mit der neuen Vizor-Funktion und den beiden vertikalen Lichtelementen ober- und unterhalb des Opel-Logos ist aus der Komplett-Illumination der „Opel Kompass“ geworden, die Blitz-Elemente sind nun plötzlich Kompassnadeln. Diese Transformation wird bei Opel-Puristen sicherlich für Debatten sorgen.

Unstrittig aber ist: „Licht ist das neue Chrom“, wie Philipp Röckl, bei Stellantis weltweit für die Außenbeleuchtung zuständig, sagt. Erstmals bringt Opel sein sogenanntes Intelli-Lux HD-Licht, die Rüsselsheimer Variante adaptiver, blendfreier Lichttechnologie, in die Kompaktklasse. 51.200 LED-Elemente, 25.600 pro Seite, ermöglichen so eine hochauflösende, blendfreie Lichtverteilung. Dabei wird die Fahrstrecke samt Umgebung jederzeit passgenau ausgeleuchtet.
Abhängig von der jeweiligen Verkehrssituation erkennt die Kamera vorausfahrende sowie entgegenkommende Verkehrsteilnehmer. Diese bleiben blendfrei, ohne dass man als Fahrer an Sicht einbüßt. Der „Lichttunnel“, als der von den LEDs ausgesparte Bereich, wird noch schmaler als bei Vorgängertechnologien, während der Rest der Straße und des Umfeldes besser ausgeleuchtet bleiben. Das funktioniert, wie der Test bei absoluter Dunkelheit auf einsamen Landstraßen in Dalmatien eindrucksvoll bestätigte.
Raffinierter Vorhangeffekt
Gleichzeitig ist die Streuung des Lichts deutlich breiter; auch und gerade an den Straßenrändern und bei Kurvenfahrten. So sind Tiere und Fußgänger, die vom bisherigen Lichtradius nicht erfasst wurden, jetzt deutlich zu erkennen. Ab etwa 50 km/h öffnet sich diese blendfreie Breitbandlichtstruktur mit einem raffinierten Vorhangeffekt. Bei Verkehrsschildern wird übrigens die Reflexion so abgedimmt, dass diese blendfrei zu lesen sind.
Ab Tempo 80 hat man rund 40 Meter weitere Sicht als bei herkömmlichen Halogenscheinwerfern. Dass bei unserer Testfahrt auch noch Fuchs und Wolf die Fahrbahn kreuzten, anscheinend, ohne vom Lichtkegel irritiert zu sein, war das Sahnehäubchen dieser Abendfahrt. In der Top-Ausstattung „Ultimate“ ist das HD-Licht enthalten.
Antrieb wenig performant
Nicht überall allerdings strahlen die Innovationen des neuen Astra allerdings so hell wie bei der Beleuchtung. Das gilt vor allem für den rein elektrischen Antrieb des Astra Sports Tourer, wie der Wagen leicht irreführenderweise heißt. Denn der 156-PS-Antrieb ist schlicht nicht performant genug für die sportliche Erscheinung des Tourer. Die überaus beliebte Familienkutsche (zwei Drittel aller Astra-Kunden kaufen einen Tourer) verwechselt in ihrer E-Version Trab mit Galopp.
Elektrische Tugenden wie exzellente Dynamik bei Überholvorgängen greifen beim Landstraßentest nicht, der Wagen fährt sich wie ein Benziner. Das gilt auch für die 9,5 Sekunden, die er von null auf 100 km/h braucht. Dafür allerdings lag unser Verbrauch auf gebirgiger Strecke mit 15,3 kWh/100 km sogar noch unter der WLTP-Angabe.
Angenehmes Fahrerlebnis

Zwar wurde der Motor im Vergleich zum Vorgänger durch eine 4 kWh stärkere Batterie in Sachen Reichweite etwas aufgewertet, doch bleibt der recht schlappe Gesamteindruck, den man auch schon aus anderen Stellantismodellen von diesem Aggregat kennt. Das ist schade, denn die Fahrkultur, der direkte Lenkzugriff, das fein abgestimmte Fahrwerk sowie eine wirklich oberklassenreife Geräuschisolation des Innenraums sorgen für ein wirklich angenehmes Fahrerlebnis – sofern man es nicht eilig hat.
Der neue Tourer schreit geradezu nach einer GSE-Variante. Da ist der reguläre Astra in seiner Plug-in-Variante schon deutlich griffiger und agiler. Schaltet man bei ihm in den Sport-Modus, so schlupft der Fronttriebler bei taunassen Straßen schon mal keck vor sich her.
Ab 32.990 Euro
Die meisten Astra-Fahrer werden wohl froh sein, dass Opel immer noch eine recht komplette Bandbreite an Antrieben für seinen Kompakt-Klassiker bereithält. So gibt’s den 2026-er Astra als Hybridvariante mit 107 kW/145 PS, als reinen Diesel (96 kW/130 PS) sowie in den von uns gefahrenen Plug-in- und Elektrik-Versionen. Den Einstieg in die Astra-Welt gibt es ab 32.990 Euro (Fünf-Türer Hybrid).

Außen- und Innendesign bei den rundum erneuerten Astra und Astra Tourer wirken durch Sicken und Kanten modern und dynamisch, auch der Innenraum wurde dezent verändert. Statt des allgegenwärtigen Klavierlacks dominiert jetzt mattgrau, dem Preissegment entsprechend ebenfalls aus Plastik. Es hinterlässt allerdings einen unnötig billigen Eindruck im ansonsten schicken Interieur. Das neue Lenkrad verfügt wieder über haptische Bedienelemente. Zwei 10-Zoll-Monitore sowie optional ein nicht überfrachtetes Head-up-Display sorgen für weiteren Fahrkomfort.
Entspannung unterwegs
Ein deutlicher Beitrag zu mehr Comfort im Cockpit sind die serienmäßigen „Intelli-Sitze“. Die mittig in der Sitzfläche verlaufende Vertiefung nimmt den Druck vom Steißbein und sorgt für spürbare Entspannung unterwegs. Ab der GS-Version trägt der Fahrersitz zudem das AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken e.V.), auf Wunsch gibt es das Siegel auch für den Beifahrer, inklusive Massagefunktion. Der Seitenhalt ist ebenfalls okay.
Fazit: Bis auf den mangelnden Schwung beim Elektro-Antrieb ist der neue Astra ein wirklich gelungener Evolutionsschritt des deutschen Kompakt-Dinos. Daniel Killy/SP-X
Astra – Technische Daten:
Fünftüriger, fünftüriger Kompakter; Länge: 4,37 Meter, Breite: 1,86 Meter (mit Außenspiegeln: 2,06 Meter), Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 310–1.236 Liter (Plug-in Hybrid)
Astra Sports Tourer – Technische Daten:
Fünftüriger, fünfsitziger Kombi der Kompaktklasse; Länge: 4,64 Meter, Breite: 1,86 Meter (mit Außenspiegeln: 2,06 Meter), Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,73 Meter, Kofferraumvolumen: 516-1.553 Liter (Elektro)
Plug-in-Hybrid:
1,6-Liter-Vierzylinder-Turbo Benziner, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 5.500 U/min (System 360), E-Motor mit 92 kW/125 PS Frontantrieb, max. Systemleistung: 144 kW/196 PS, 7-Gang-Automatik/Doppelkupplung, 0–100 km/h: 7,6 s, Vmax: 225 km/h (135 km/h elektrisch), Normverbrauch: 2,3–2,2 Liter/100 Kilometer (12,8–12,6 kWh/100 km [WLTP]), Verbrauch bei entladener Batterie: 5,5–5,4 Liter, CO2-Ausstoß: 51–49 g/km, Akkugröße: 17,2 kWh
Preis: ab38.460 Euro
E-Antrieb:
E-Motor mit 115 kW/156 PS, Drehmoment: 270 Nm, 0-100 km/h: 9,5 s, Vmax: 170 km/h, Verbrauch: 15,8–15,5 g CO2/100 km, Akkugröße: 58 kWh, Reichweite: 422–455 km (WLTP), Ladeleistung: 100 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 20–80 % in 32 Minuten, AC: 20–80 % in 3:20 Std.
Preis: 37.990 Euro
Kurzcharakteristik: Diese Modellpflege bringt Licht ins Dunkel
Warum: Fahrkultur und innovatives Leuchtkonzept
Warum nicht: Arg betulicher Elektroantrieb
Was sonst: VW Golf, Peugeot 308, Skoda Octavia, Hyundai i30
Wann kommt er: Ab April


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