Mit der Z1100 SE bringt Kawasaki die Nachfolgerin der Z1000. Sie setzt auf gleichmäßige Kraftentfaltung ihrer 136 PS. Ein Fahrbericht.
Kawasaki kann sich seit Jahren auf ihren Verkaufsschlager Z900 verlassen, liegt sie doch verlässlich unter den drei meistverkauften Motorrädern. Doch auf den Lorbeeren mochte man sich in Japan nicht ausruhen und schiebt mit der Z1100 ein noch stärkeres Power-Nakedbike nach. Sie ist die Nachfolgerin der 2021 eingestellten 1000er-Z: Für die Neuauflage hat man den Motor von 1043 auf 1099 Kubikzentimeter aufgebohrt und mit 100 kW (136 PS) versehen. Doch auf der maximalen Kraft lag nicht das Hauptaugenmerk der Entwickler; vielmehr legt man Wert auf eine kraftvolle Mitte.

Und das gelingt. So verläuft das Drehmoment des Reihenvierzylinders (was sonst?) extrem linear über das ganze Band, bevor es erst bei knapp 10.000 Touren langsam abknickt. Wegen dieser Gleichmäßigkeit verteilt sich die Kraft auf das gesamte Drehzahlband; dennoch sollte man sich wappnen, wenn man den Gashahn wuchtig aufzieht. Den Sprint von Null auf 100 km/h vollzieht die Z1100 in 3,4 Sekunden. Das maximale Drehmoment von 113 Nm liegt bereits bei 7.600 Umdrehungen an; die maximale Kraft des Motors bei 9.000 Touren.
Kawasaki Z1100 SE: Kraft im Überfluss
Wegen dessen Power ist es egal, welchen Gang man eingelegt hat – Kraft ist stets im Übermaß vorhanden. Und wegen der Leichtigkeit, mit der die Z Richtung Drehzahlbandende rauscht, sowie der recht kurzen Getriebeübersetzung wünscht man sich bisweilen einen siebten Gang. Das ist großes Kino und beweist: Es braucht nicht unbedingt 200 PS. Schluss mit der Beschleunigungsorgie ist übrigens erst bei 247 km/h.

Fast noch schöner ist die softe Gasannahme, die ein präzises Durchfahren von Kurven erlaubt, ohne dass man befürchten muss, dass ein Ruck die Linie verhagelt. Das gilt auch für den Fahrmodus Sport. Zudem gibt es noch die Modi Rain und Road sowie einen frei einstellbaren Modus. Etwas aufwändig das Wechseln dieser Fahrmodi, denn dazu muss man den Mode-Schalter bei geschlossenem Gasgriff einige Sekunden halten, was im Fahrbetrieb kaum möglich und auch nicht ratsam ist.
Zur motorischen Performance passt das feine, voll einstellbare Fahrwerk mit Teilen von Showa (Gabel) und Öhlins (hinten). Das Handrad zu dessen Einstellung liegt griffgünstig unter der Sitzbank. Beide Einheiten gehen recht straff zu Werke und fördern den sportlichen Anspruch auf ebenen Straßen. Wird es hingegen ein wenig rauer unter den Reifen, könnten sie ein wenig mehr Federung vertragen. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau und eine Sache der Feinjustierung.
Edle Komponenten rundum
Vervollständigt wird die Performance von griffigen Brembo-Stoppern, die nicht nur gut zupacken, sondern auch fein dosierbar sind, ausgestattet freilich mit (Kurven-)ABS. Das Getriebe arbeitet – wie von japanischen Bikes gewohnt – präzise; der Quickshifter (mit Blipper) macht seine Arbeit ohne zu haken. Auch eine einstellbare Traktionskontrolle arbeitet im Hintergrund. Brems- sowie Kupplungsgriff sind einstellbar.

Die Sitzposition unterstreicht den fordernden Anspruch der Kawa. Ein wenig oldscool wird man als Fahrer ins Bike eingebettet, findet auch als großer Mensch (1,90 Meter) ein gutes Auskommen auf dem recht harten Sitzpolster. Unbequem aber wird es auf dem kurzen Sitzbrötchen dahinter für den Sozius. Ganz klar: Wer zu zweit touren möchte, für den ist die Z1100 nicht unbedingt gedacht.
Die gestauchte Gestalt der Z1100 („Sugomi“-Design) mit den weit nach unten gezogenen Scheinwerfern suggeriert Wendigkeit im Landstraßenslalom. Dennoch benötigt sie beim Umlegen einen kleinen Impuls in den breiten Lenker, bleibt dann aber treu in der Spur ohne die geringste Nervosität. Bremsen in der Kurve quittiert sie gutmütig.
Zwei Varianten: Basis und Performance

Die Kawasaki Z1100 ist mit einem voll digitalen, farbigen TFT‑Display (5 Zoll) ausgestattet, das als Besonderheit einen künstlichen Horizont in den Fahrerfokus rückt. Wer die Muße (und das Können) hat, kann sich die Schräglagen direkt ansehen. Eine weitere Anzeige speichert das Maximum bis zum Fahrtende auf. Das Display ist gut ablesbar bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen und besitzt einen Lichtsensor, die die Anzeige automatisch zwischen Schwarz und Weiß ändert.
Je nach Fahrmodus oder Einstellung können verschiedene Anzeigelayouts genutzt werden, etwa mit Fokus auf Sport‑ oder Touring‑Informationen. Die Fahrmodi kombinieren verschiedene Parameter wie Motorleistung (Power Modes), Traktionskontrolle (KTRC), Kurvenmanagement (KCMF) und ABS‑Regelung inklusive Kurven‑ABS (KIBS). Das Cockpit unterstützt übrigens auch Smartphone‑Konnektivität über die Rideology-App. Doch seien wir einmal ehrlich: Fahren wir Motorrad, um dabei erreichbar zu sein?
Angeboten wird die Z1100 SE in zwei Varianten: Basis und Performance. Wobei die Differenz von 1.800 Euro zwischen den beiden vor allem dem schicken Akrapovic-Auspuff geschuldet ist, der trotz seiner Zurückhaltung bei der Lautstärke einen schönen, dumpfen Sound generiert. So kommt die Basis auf einen Preis von 12.470 Euro, die Performance schlägt mit 14.270 Euro zu Buche. Die Garantie der Z1100 liegt bei 4 Jahren, der Service ist alle 12.000 Kilometer fällig, die Ventilspiel-Kontrolle alle 36.000 Kilometer. Der Verbrauch von 5,7 Liter je 100 Kilometer scheint angesichts der Leistung okay.

Fazit: Die Z1100 trägt das Erfolgsrezept der 900er in die höhere Klasse. Spannendes Design, kraftvoller Vierzylinder, gutes Fahrwerk und Alltagstauglichkeit (mit Abstrichen bei der Soziusmitnahme). Zum Touren ist sie zwar eher weniger ausgelegt, doch falls sich jemand mit der Kawa nach Tirol verirrt: Das Standgeräusch beträgt 90 dB(A).
Technische Daten – Kawasaki Z1100 SE Performance:
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 1099 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, 100 kW/136 PS bei 9.000 U/min., 113 Nm bei 7.600 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kette.
Fahrwerk: Aluminium-Profilrahmen; USD-Telegabel ø 41 cm vorne, voll einstellbar, 120 mm Federweg; Aluminium-Zweiarmschwinge, Öhlins S46-Gasdruckstoßdämpfer, voll einstellbar, 136 mm Federweg; 31 cm Doppelscheibenbremse mit radial verschraubten Vierkolben-Sätteln vorne, 26 cm Einscheibenbremse mit Einkolben-Bremss hinten.
Assistenzsysteme: Drei Fahrmodi (Rain, Standard, Sport) und ein konfigurierbarer Modus, schräglagenoptimiertes Zweikreis-ABS, Quickshifter/Blipper, Traktionskontrolle, Konnektivität per App, USB-Anschluss.
Maße und Gewichte: Radstand 1,440 m, Sitzhöhe 81,5 cm, Gewicht fahrfertig 221 kg, Zuladung 180 kg; Tankinhalt 17 Liter.
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 3,4 s, Höchstgeschwindigkeit 247 km/h. Standgeräusch 90 dBA, Normverbrauch lt. WMTC-Norm (EU 5+) 5,6 l/100 km, Testverbrauch: 5,7 l/100 km.
Preis: 12.470 Euro, Performance 14.270 Euro inkl. Nebenkosten.

Voll einstellbares Fahrwerk
Kraftvoller Motor
Gleichmäßige Kraftentfaltung
Tolle Bremsen
Kurven-ABS
Gut ausgestattet

Kleines Soziuspad
Keine Blinkerrückstellung


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