Eine Studie belegt, dass bidirektionales Laden dem E-Auto-Akku nur wenig schadet. Trotzdem begrenzen manche Hersteller die Zyklen.
Über die Haltbarkeit und Leistung der Elektroautobatterie wird aktuell viel diskutiert, da sie zu den zentralsten und auch kostspieligsten Bauteilen des Fahrzeugs zählt. Besonders verbreitet ist die Sorge, dass viele Ladezyklen die Lebensdauer der Batterie negativ beeinflussen.
Um diesen Bedenken nachzugehen haben The Mobility House Energy und die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) in einer gemeinsamen Studie die langfristigen Auswirkungen von Ladevorgängen betrachtet, insbesondere von Vehicle-to-Grid Anwendungen auf Elektroautobatterien. Untersucht und verglichen wurden dabei das Szenario sofortiges Laden mit intelligentem Laden (V1G) und bidirektionalem Laden (V2G) an unterschiedlichen im Markt verfügbaren Zelltypen.
Angebote für V2G-Laden gibt es seit kurzer Zeit von Mercedes-Benz, Ford und BMW.
Die RWTH Aachen hat das zusammen mit The Mobility House mit realen Batteriezellen simuliert. So sagt Florian Ringbeck, der an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen zur Batteriealterung forscht, laut „Spigele online“: „In dem dort von uns betrachteten Simulationsszenario ließ bidirektionales Laden, konkret V2G, die Batterien nach zehn Jahren nur um etwa 1,5 bis 6 Prozent stärker altern als konventionelles Laden“. Das entspreche einem zusätzlichen Reichweitenverlust von etwa 6 bis 19 Kilometern. Der Mehrwert für den Nutzer wird immerhin auf 600 Euro im Jahr beziffert.
Dabei gingen die Forscher davon aus, dass in einem Ladezyklus nie mehr als 30 Prozent der Akkukapazität entnommen werden. Das dürfte einigermaßen realistisch sein, denn die meisten werden das bidirektionale Laden kaum so weit treiben, dass sie morgens einen leeren Akku fürchten müssen. Ringbeck sieht alles in allem keinen Grund, aus Sorge um die Batterie auf bidirektionales Laden zu verzichten.
Hersteller stoppen nach 4.000 Stunden
Obwohl der Wissenschaftler Entwarnung gibt, bleiben manche Autohersteller lieber vorsichtig. So stoppt VW das bidirektionale Laden über das Batteriemanagementsystem, sobald insgesamt 4.000 Stunden lang oder 10.000 Kilowattstunden Strom aus dem Auto ins Heimnetz gespeist wurden. Eine Batterie mit 77 Kilowattstunden Kapazität könnte rechnerisch rund 435-mal von 80 auf 50 Prozent Ladestand ins Netz entladen werden, bis das Limit erreicht ist. Damit will VW verhindern, dass die Batterien durch vorzeitige Alterung zu Garantiefällen werden.
Auch Ford begrenzt das Rückspeisen ins Netz, die Grenzwerte sind dieselben wie bei VW. Für die ab dem vierten Quartal dieses Jahres gefertigten Fahrzeuge soll aber zumindest die zeitliche Limitierung entfallen.
BMW beschränkt bidirektionales Laden nicht, gibt den Haltern aber Hinweise. Je nachdem, wie sie den Akku nutzen, könnten sie im Schadensfall die Gewährleistung des Herstellers beeinträchtigen, heißt es. Dazu nimmt das Batteriemanagementsystem des Fahrzeugs das Lade-, Fahr- und Entladeverhalten, die Standzeiten und die Temperaturen in den Blick. Autobesitzer sind also frei, bekommen aber ein mögliches finanzielles Risiko signalisiert.
Mercedes-Benz setzt dem bidirektionalen Laden ebenfalls keine Grenzen – und gibt sich entspannt. Der Hersteller verweist darauf, dass beim gemeinsamen Angebot mit The Mobility House die Stromflüsse batterieschonend gesteuert werden. Titelfoto: BMW


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