BMW 320d

BMW 320d Touring: Hat der Diesel ausgespielt?

Immer mehr Dieselmotoren werden mit einem 48-Volt-Mild-Hybridsystem gekoppelt. So auch der BMW 320d Touring. Ein Fahrbericht.

Ja, wir haben es getan. Wir sind mit einem Dieselmotor unterwegs gewesen und hatten kein schlechtes (Umwelt-)gewissen. Denn sehen wir es doch einmal nüchtern: Wer wie so mancher Firmenwagenlenker im Vertrieb jährlich 40.000 bis 50.000 Kilometer, vorwiegend auf Autobahnen, abspult, der setzt nach wie vor auf den Selbstzünder. Denn der ist genügsam, weil der Dieselkraftstoff einfach mehr Energie enthält als das Ottopendant. Und weil er mittlerweile wirklich sauber ist, wie einige unabhängige Test nachgewiesen haben.

Ladesäulen

Warum also nicht CO2 sparen, wenn die Stickoxide und die Feinstaubpartikel die Grenzwerte einhalten oder sogar weit unterschreiten? Es gab ja sogar Versuche, bei denen ein Diesel auf bestimmten Fahrstrecken mehr Feinstaub aus der Luft filterte als er abgab. Vielleicht ist es also doch zu früh für den Abgesang auf eine Technologie, die noch vor kurzem als Goldstandard gegen den Hauptfeind CO2 bejubelt wurde.

Diesel mit Mild-Hybrid-Technologie

BMW 320d

Der Basispreis des BMW 320d liegt bei 45.000 Euro. Fotos: BMW

Nicht umsonst also setzten viele Fuhrparkmanager im Flottenliebling Dreier Touring auf diesen Motor. Und er hat sich weiter entwickelt. Nicht nur, dass er jetzt die Euro-6d-Norm erfüllt, er wird zudem von einer 48-Volt-Mild-Hybrid-Technologie unterstützt, bei der die Bremsenergie eine zweite Batterie speist, um sie bei Lastanforderung wieder abzugeben und den Motor im optimalen Lastfenster zu betreiben – und so Kraftstoff zu sparen. Zudem hat man die Aerodynamikeigenschaften verbessert, unter anderem mit einer aktiven Luftklappensteuerung. BMW ermittelt den Verbrauch im WLTP und rechnet zurück auf den NEFZ: Im BMW 320d Touring mit Automatik werden nun 4,2 bis 4,3 Liter angegeben. In Gramm CO2 ausgedrückt sind das 109 bis 112 je Kilometer.

Das kann sich doch sehen lassen – so rein theoretisch. In der Praxis sah dies auf unseren ausgedehnten Autobahntouren freilich etwas anders aus. Bei freier Strecke, so mit 150 km/h, und ansonsten im üblichen Kolonnenverkehr oder Stau meldete der Bordcomputer konstant 5,4 Liter auf 100 Kilometer. Beim Blick auf die Tankquittungen relativierte sich der Wert auf knapp 5,5 Liter. Das sind zwar ein Liter mehr als angegeben, kann sich aber aufgrund der Motorleistung und dem Gewicht von mittlerweile 1.700 Kilo durchaus sehen lassen.

Teilautonomes Fahren

Denn nicht nur in den verpönten SUV sind mittlerweile so viele Extras eingebaut, die ins Gewicht – und damit auf den Verbrauch – fallen; auch das Mild-Hybrid-System wiegt freilich etwas. So darf man sich gegen Aufpreis über das neue Laserlicht (2.000 Euro) freuen, das die Straße noch einmal heller ausleuchtet. Und die Assistenzsysteme sind so zahlreich, dass man sie kaum aufzählen kann.

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Die Materialien im Innenraum machen einen hochwertigen Eindruck.

Ist die Bahn frei, kann man sich auf die autonomen Fahreigenschaften verlassen: Tempomat rein, Geschwindigkeit definiert – und dann kann man bedenkenlos das Lenkrad loslassen. Aber: Nach einigen Sekunden warnt das System, und man muss wieder zupacken. Dennoch befreit es von den ständigen kleinen Lenkkorrekturen, die bei der sportlich-schwergängigen Lenkung anfallen, die wiederum beim sportlichen Fahren viel Vergnügen bereitet.

Innenraum: Kein Riese

Apropos Komfort: Der mit dem M-Paket ausgestattete Testwagen liegt satt und tief auf der Straße, gibt gute Rückmeldung und sorgt für Präzision. Für den Ein- und Ausstieg ist das indes nicht sehr hilfreich, besonders für große Leute. Die finden zwar auf dem variabel verstellbaren Sitz ihr Auskommen, auf Dauer wird es für Beine und Füße doch etwas eng. Ein Raumriese wird der Dreier sicherlich nicht mehr.

Das gilt auch für den Kofferraum. Dessen Volumen ist gegenüber dem Vorgänger nur um schmale 5 auf jetzt 500 Liter gewachsen; allerdings versteckt sich nun weniger Stauraum in engen Fächern, so dass das eigentliche Ladeabteil um über 30 Liter zugelegt hat. Außerdem ist der Kofferraum um gut elf Zentimeter breiter geworden. Zum Vergleich: Die mit 4,71 Metern exakt gleichlange Limousine schluckt vollbestuhlt 480 Liter.

Sein eigentliches Talent, nämlich bis zu 1.510 Liter Stauraum und einen brettebenen Ladeboden, offenbart der 3er Touring freilich erst, wenn man die serienmäßig dreigeteilte Lehne der Rückbank flachlegt. Hat man sich für das 300 Euro teure Gepäckraumpaket entschieden, klappt das Umlegen auch vom Kofferraum aus, und es sind zusätzlich die vom 5er Touring bekannten Anti-Rutsch-Schienen an Bord: Wenn die Heckklappe zu ist, fährt die Gummieinlage der vier in Fahrtrichtung montierten Alu-Schienen nach oben und sichert so die meisten Gegenstände gut gegen Verrutschen. Zusätzlich gibt es ein Gepäcknetz, das, wenn es nicht gebraucht wird, gemeinsam mit der Kofferraumabdeckung im Ladeboden verschwinden kann.

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Pfiffiger Laderaum: Wenn die Heckklappe zu ist, fährt die Gummieinlage der vier in Fahrtrichtung montierten Alu-Schienen nach oben und sichert so die meisten Gegenstände gut gegen Verrutschen.

Mickriger Tank

Serienmäßig bringt der BMW übrigens einen mickrigen 40-Liter-Tank mit, plus einen ebenfalls knickrigen 10,4-Liter-Tank für AdBlue. Da stimmt die Reichweite trotz des sehr annehmbaren Verbrauchs einfach nicht. Also muss man wohl die Preispolitik der Bayern mitmachen und zähneknirschend 170 Euro für einen auf 59 Liter vergrößerten Treibstoff- und einen dann 19 Liter fassenden AdBlue-Tank hinblättern – für Vielfahrer unverzichtbar.

In Tests häufig positiv erwähnt wird eine spezielle Funktion des 1.150 Euro teuren Pakets „Parking Assistant“. Durch die kann der 3er die letzten 50 Meter auf einer zuvor befahrenen Strecke wieder alleine rückwärts zurücklegen. Sicherlich ein nettes Extra, aber wann haben Sie sich eigentlich zum letzten Mal in irgendeinem Sträßchen festgefahren?

Akzeptable Kilometerkosten

Bleibt noch der Blick auf den Preis: 45.000 Euro rufen die Münchner für den Basis-320d Touring auf. Da es an Extras nicht mangelt, kann man den Preis auf über 70.000 Euro treiben. Muss zwar nicht sein, doch so um die 60.000 Euro brutto dürften es aber dennoch werden, wenn man klug wählt. Die Kilometerkosten liegen laut Autokosten.org bei einer jährlichen Laufleistung von 30.000 Kilometern und drei Jahren Nutzung bei moderaten 36 Cent je Kilometer – gerechnet für den Testwagenpreis von 70.000 Euro. Schränkt man sich ein und gibt nur 60.000 Euro aus, dann sind es 32 Cent je km.

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Die Scheibe der Heckklappe lässt sich separat öffnen.

Fazit: Die Daten unserer Fahrten mit dem BMW 320d Touring belegen die eingangs aufgestellte These, dass ein moderner Diesel für Vielfahrer keine schlechte Wahl ist. 4,5 Liter Verbrauch können sich sehen lassen. Wie viel Ersparnis auf das Konto der Mild-Hybrid-Technik geht, lässt sich leider nicht ermitteln. Und: Das Sportfahrwerk kann man sich schenken. Heinz May

BMW 320d Touring – Technische Daten:

Viertüriger, fünfsitziger Kombi der Mittelklasse; Länge: 4,71 Meter, Breite: 1,83 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,07 Meter), Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,85 Meter, Kofferraumvolumen: 500 – 1.510 Liter.

2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 48-Vold-Mild-Hybrid-System, 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 1.750 bis 2.500 U/min, Achtgang-Wandlerautomatik, 0-100 km/h: 7,1 Sekunden, Vmax: 230 km/h, Normverbrauch: 4,3 – 4,2 Liter/100 km, CO2-Ausstoß: 114 – 117 g/km, Effizienzklasse: A+, Abgasnorm: Euro 6d, Testverbrauch: 5,5 l/100 km.

Preis: ab 45.000 Euro.

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