Der chinesische Autobauer Chery versenkt eine Traktionsbatterie für 24 Stunden in Meerwasser – um ihn dann wieder einzubauen.
Spektakulärer Härtetest am Schwarzen Meer: In der rumänischen Schwarzmeer-Metropole Konstanza hat der chinesische Autohersteller Chery die Traktionsbatterie seines größten Modells Tiggo 9 vor den Augen internationaler Medien einem extremen Live-Experiment ausgesetzt. Mechaniker demontierten den Energiespeicher aus dem Unterboden des siebensitzigen Plug-in-Hybrid-SUVs und ließen ihn an einem Kran in ein mit Meerwasser gefülltes Bassin hinab. Dort verharrte der Akku für 24 Stunden komplett untergetaucht. Um jeden Zweifel an der Echtheit auszuräumen, beaufsichtigte ein Notar die gesamte Aktion.

Nach einem vollen Kalendertag im Salzwasserbad hob der Kran das 350-Volt-Akkupaket wieder an die Oberfläche. Das Prozedere danach fiel denkbar pragmatisch aus: Die Techniker trockneten lediglich die äußeren Hochvolt-Anschlüsse mithilfe von Druckluft. Ein anschließend durchgeführter Test des Isolationswiderstands bestätigte, dass die Gehäusedichtung intakt geblieben war – kein Tropfen des aggressiven Salzwassers war in das Innere eingedrungen. Zum Beweis bauten die Mechaniker den Energiespeicher wieder in das Spenderfahrzeug ein. Wenige Minuten später rollte der Tiggo 9 rein elektrisch und ohne Fehlermeldung von der Bühne.
…und dann fährt der Tiggo 9 von der Bühne
Das im Tiggo 9 montierte Akkupaket setzt auf eine NMC-Zellchemie – benannt nach den Kathodenmetallen Nickel, Mangan und Cobalt, die für eine besonders hohe Energiedichte sorgen. Der Akku bringt ein Gewicht von 228 Kilogramm auf die Waage und verfügt über eine Kapazität von 34,46 kWh brutto beziehungsweise 32,39 kWh netto. Damit erzielt das rund 2,3 Tonnen schwere SUV, das 2027 in Deutschland starten soll, eine beachtliche elektrische WLTP-Reichweite von bis zu 144 Kilometern. Im City-Zyklus sind laut Hersteller 177 Kilometer möglich.
Dass Hochvolt-Batterien extremen Tauchprüfungen standhalten müssen, ist in der Automobilindustrie keineswegs neu, sondern fester Bestandteil strenger Zulassungsvorschriften. Sicherheitsnormen wie die chinesische Prüfrichtlinie GB 38031, die US-amerikanische UL 2580 oder internationale ISO-Standards schreiben Immersions-Tests explizit vor. Dabei werden Batteriegehäuse je nach Vorgabe für Stunden oder Tage in Salz- oder Süßwasser versenkt, um Leckagen, Isolationsverluste und Kurzschlüsse auszuschließen. Der entscheidende Unterschied bei Cherys Aktion liegt im Rahmen: Während diese Prozeduren normalerweise hinter verschlossenen Türen streng bewachter Labore stattfinden, holten die Chinesen die Übung als vertrauensbildenden Stunt direkt vor die Augen des Fachpublikums. SP-X


Add a Comment