Gurtadapter

Crashtest: Was bringen Gurtadapter für Schwangere?

Der ADAC hat untersucht, ob sogenannte Gurtadapter die Schwangere und das ungeborene Kind schützen. Mit bedenklichen Ergebnissen.

Viele schwangere Frauen fragen sich, ob sie und ihr ungeborenes Kind während der Autofahrt durch den normalen Fahrzeuggurt auch richtig geschützt sind. Im Kfz-Zubehörhandel werden seit einiger Zeit sogenannte Gurtadapter mit dem Versprechen angeboten, bei Kfz-Unfällen das Verletzungsrisiko für ungeborene Kinder zu verringern. Der Verkehrsclub ADAC hat nun vier verschiedene Gurtadapter-Konzepte in der praktischen Nutzung und im Crashtest untersucht. Mit erschreckenden Ergebnissen.

Gurtadapter
Der ADAC testete vier Gurtadaptersysteme. Fotos: ADAC

Schwangerschaftsgurte oder auch Schwangerengurte sind Gurtadapter, die den Dreipunktgurt unterhalb des Bauchs positionieren sollen. Im Handel werden die Produkte unter verschiedenen Verkaufsbezeichnungen angeboten, der ADAC untersuchte in seinem Systemvergleich exemplarisch vier verschiedene Konzepte, die alle in den Verlauf des Beckengurts eingreifen.

  • Gummizug mit Druckknöpfen: Der Beckengurt wird zwischen den Beinen in eine mit Druckknöpfen verschließbare Lasche eingelegt, die mit einem elastischen Band an einem dünnen Sitzkissen befestigt ist. Das Sitzkissen wird mit einem Gurtband beispielsweise an der Lehne eines Vordersitzes befestigt.
  • Gurtadapter mit Kunststoffhaken: Der Beckengurt des Fahrzeugs wird durch einen Kunststoffhaken gelegt, der sich zwischen den Beinen der Schwangeren befindet und mit einem Gurtband am Fahrzeugsitz befestigt wird.
  • Gurtadapter mit Metallhaken: Dasselbe Prinzip wie beim Gurtadapter mit Kunststoffhaken, nur mit Metallhaken.
  • Zusatzgurt: Er wird um das Sitzkissen des Fahrzeugsitzes gelegt und daran befestigt. Anschließend wird der Beckengurt des Fahrzeugs durch eine Schlaufe am Zusatzgurt geführt.

Gurtadapter erhöhen das Risiko

Gurtadapter
Der beste Schutz für Schwangere ist der normale Dreipunktgurt.

Doch die Crashtestversuche offenbarten das Gegenteil. Statt das Verletzungsrisiko zu verringern, haben die Adapter die Belastung für Babys sogar erhöht. Die vermeintliche Zusatzsicherung verschlechterte die Umschlingung und somit die Rückhaltung des Beckens, was die Belastungen von Brust, Bauch und beim Becken um bis zu 30 Prozent erhöhte. Zudem konnte keiner der getesteten Adapter den Belastungen standhalten. Haken und Schlösser aus Kunststoff und Metall zerbrachen und stellten ein zusätzliches Verletzungsrisiko dar. Schwangerengurte benötigen zudem 30 Zentimeter mehr Gurtband, weshalb der normale Gurt weniger eng anliegen konnte und sich die Dummies beim Crash entsprechend stärker nach vorne bewegten.

Der Verkehrsclub rät deshalb dringend von der Verwendung von Gurtadaptern ab; keine der vier Varianten konnte überzeugen. Der Systemvergleich hat vielmehr gezeigt, dass der richtig angelegte herkömmliche Dreipunktgurt nicht auf den Babybauch drückt und somit beim Unfall den besseren Schutz bietet und keine Gefahr für schwangere Frauen oder das ungeborene Baby bedeutet. Schwangeren empfiehlt der Verkehrsclub lediglich, den Beckengurt möglichst tief unter den Bauch zu legen und außerdem Jacken auszuziehen oder zumindest an der Hüfte nicht unter dem Gurt zu legen. HM/SP-X

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