Fast alle Hersteller bieten heute Konnektivitätsdienste – anfangs kostenlos, später gegen Gebühr. Für wen lohnt sich das?
Auch wenn das Auto noch längst kein Smartphone auf Rädern ist – ohne Technik für die digitale Vernetzung läuft heute kein Neuwagen mehr vom Band. Kunden können ihr Fahrzeug dadurch per App orten, vorheizen, verriegeln oder sogar aus der Ferne starten. Die Hersteller versprechen Komfortgewinne und hoffen selbst auf ein gutes Geschäft – auch noch lange nach dem Fahrzeugverkauf. Was Konnektivitätsdienste leisten, was sie kosten und für wen sie sich lohnen – am Beispiel von Hyundai, Volkswagen und Mercedes.
Unter den großen Herstellern setzt Hyundai besonders konsequent auf Konnektivität. Die Koreaner nennen ihr Angebot „Bluelink“ und haben es vergleichsweise zugänglich gestaltet – mit langen Gratis-Laufzeiten und geringen Einstiegspreisen. Das Basispaket „Lite“ für einen Euro pro Monat umfasst Online-Routenführung, Online-Spracherkennung, einen EV-Routenplaner, Over-the-Air-Updates für die Bordsoftware und – je nach Fahrzeugmodell – den digitalen Schlüssel. Drei Euro zahlt man für die Variante „Plus“ mit Live-Stauinformationen, Parkplatz- und Tankstelleninfos sowie Remote-Funktionen wie Fernverriegelung, Fernladen und Fernklimatisierung. Die Spitze des Angebots bildet „Pro“ mit Musikstreaming sowie erweiterten Karten- und Infotainment-Updates.
Neun Jahre gratis
Hyundai gestaltet die kostenlose Startphase zudem recht großzügig. Neuwagenkäufer erhalten zunächst sechs Monate lang gratis das „Pro“-Paket, danach werden sie für weitere sechs Monate auf „Plus“ zurückgestuft. Wer dann nicht verlängert, fährt neun Jahre gratis auf dem „Lite“-Niveau weiter. Technisch nötig sind ein Hyundai-Konto, die myHyundai-App und ein kompatibles Fahrzeug. Die Datenverbindung läuft über eine fest eingebaute SIM-Karte im Auto, nicht über den Smartphone-Tarif. EU-weites Roaming ist laut Hyundai eingeschlossen.
Wer nur sehen will, wo das Auto steht, wie voll die Batterie ist und ob ein Update bereitsteht, kommt mit der Basis aus. Wer ein E-Auto fährt, profitiert stärker von den mittleren und oberen Paketen: Vorklimatisierung und die Suche nach freien Ladesäulen können im Alltag echten Mehrwert bringen. Das gilt besonders im Winter oder auf Langstrecken.
VW macht es etwas anders
Volkswagen verfolgt ein ähnliches Konzept, strukturiert es aber etwas kleinteiliger. „Connect“ deckt die Grundfunktionen ab und ist für viele Neuwagen ausstattungsabhängig bis zu zehn Jahre kostenlos. „Connect Plus“ ergänzt unter anderem intelligente Navigation, Fernzugriffsfunktionen, Online-Standheizung, Hupen und Blinken, Verriegeln und Entriegeln sowie weitere App-Dienste. Nach der kostenlosen Initiallaufzeit von zwei Jahren kostet das Paket 5 Euro pro Monat oder ab 135 Euro für zwei Jahre, wobei die Preise je nach Modell, Ausstattung und Infotainmentsystem variieren können. Auch hier braucht es ein Nutzerkonto, die Volkswagen-App und teils zusätzliche Hardware wie ein passendes Navigationssystem. Manche datenintensiven Dienste setzen zudem zusätzliche Datenpakete etwa für Webradio oder Hotspot voraus.
Mercedes macht es nochmals anders
Mercedes setzt mit seinen „Digitalen Extras“ stärker auf ein Baukastensystem. Viele Dienste aus den Bereichen Navigation, Fernabfrage, Laden, Diebstahlschutz und Entertainment sind laut Hersteller ab Neuwagenkauf für 36 Monate enthalten, sofern Fahrzeugtyp, Baujahr und Ausstattung passen. Für E-Modelle kommen Ladeeinstellungen und Vorklimatisierung hinzu. Anders als Hyundai nennt Mercedes keine pauschalen Paketpreise, gekauft und verlängert wird über den Store in der Mercedes-Benz App. Für einzelne Dienste nennt Mercedes in seiner Verfügbarkeitsübersicht meist eine Gratislaufzeit von drei Jahren, in neueren Fällen teils auch sieben Jahren, danach ist eine Verlängerung möglich. Für sicherheitsrelevante Funktionen ist eine Identitätsprüfung nötig, für Streaming-Angebote zusätzlich eigenes Datenvolumen.
Im direkten Vergleich wirkt Hyundai derzeit am verbraucherfreundlichsten. Der Hersteller nennt seine Preise offen, staffelt die Angebote nachvollziehbar und lässt wenigstens das schlanke Basispaket sehr lange weiterlaufen. VW bietet ebenfalls viele sinnvolle Funktionen und eine lange Gratiszeit für die Basis, verlangt für das Plus-Paket danach aber spürbar mehr und macht die Sache durch Modell- und Hardwareabhängigkeiten komplexer. Mercedes wiederum bietet technisch sehr viel, vom Diebstahlschutz bis zum Remote Park-Assistenten, wirkt beim Thema Preise und Paketlogik aber am wenigsten übersichtlich.
Angebote schwer vergleichbar
Damit zeigt sich das Grundproblem des neuen Geschäftsmodells: Der Komfortgewinn ist real, aber die Angebote sind schwer vergleichbar. Das kritisiert auch der ADAC: In einer Herstellerabfrage kam der Club zu dem Ergebnis, dass Struktur, Laufzeiten und Preise zwischen den Marken stark schwanken.
Autofahrer sollten sich daher überlegen, welche Dienste sie wirklich benötigen. Wer sein Auto meist klassisch nutzt, keine App-Anbindung möchte und auf Online-Navigation verzichten kann, wird mit den Basispaketen oder sogar ganz ohne Zusatz-Abo gut leben können. Wer dagegen ein Elektroauto fährt, regelmäßig vorklimatisiert, unterwegs auf Live-Ladeplanung angewiesen ist oder den Wagen per Smartphone überwachen will, für den können die Dienste schnell mehr sein als nur digitales Spielzeug. Gerade bei E-Autos wird Konnektivität fast zum Komfort- und Effizienzmerkmal.
Kleingedrucktes lesen
Schon beim Kauf eines Neuwagens lohnt sich ein genauer Blick ins Kleingedruckte. Welche Dienste sind ab Werk überhaupt enthalten? Wie lange laufen sie kostenlos? Was kostet die Verlängerung? Und welche Funktionen hängen an weiteren Bedingungen wie Sonderausstattung oder zusätzlichem Datenvolumen? Wer das vor Vertragsabschluss prüft, erlebt später keine unangenehme Abo-Überraschung. Denn Konnektivitätsdienste können den Alltag tatsächlich erleichtern – aber nur, wenn Nutzen, Laufzeit und Preis auch zusammenpassen. Holger Holzer/SP-X


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