Feststoffakkus

Feststoffakkus – Der aktuelle Stand

Feststoffakkus sind der heilige Gral in der E-Mobilität. Doch wann werden sie kommen? Und was leisten? Eine Übersicht, Stand heute.

Feststoffbatterien gelten als der große Hoffnungsträger der Elektromobilität. Sie versprechen mehr Reichweite, höhere Sicherheit und deutlich kürzere Ladezeiten. Während europäische Hersteller noch an Demonstratoren arbeiten, drängen chinesische Anbieter bereits Richtung Serienfertigung.

Laut der Zeitschrift „auto motor und sport“ treiben vor allem SAIC und seine Marke IM Motors die Industrialisierung voran, während Mercedes bereits Anfang 2025 einen EQS‑Prototypen mit Feststoffzelle im Straßenverkehr testete . Der ADAC sieht die Technologie inzwischen in der praktischen Erprobung und erwartet die breite Serienreife rund um 2030, mit Reichweiten von über 1.000 km und deutlich verbesserten Ladezeiten ADAC. Hier die Übersicht:

Toyota
Toyota gilt als einer der aggressivsten Player bei Feststoffakkus und spricht öffentlich von einer Markteinführung in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre.

  • Technologie: Lithium‑Metall‑Feststoffzellen mit keramischem/festem Elektrolyten; Toyota verfolgt parallel klassische Li‑Ion- und LFP‑Pfade, die teils als Brückentechnologien dienen.
  • Energieinhalt (Ziel): Toyota nennt für eine „Performance“-Feststoffbatterie eine Fahrzeugreichweite von rund 1.000 km, was auf Zellenergiedichten im Bereich 400 Wh/kg und darüber hinaus deutet (konkrete Wh/kg nennt Toyota nicht, wird aber branchenweit so eingeordnet).
  • Laderate: Ziel ist 10–80% in etwa 10–20 Minuten; öffentliche Aussagen sprechen von „20 Minuten oder weniger“ für diesen Bereich.
  • Kosten: Toyota kommuniziert relative Ziele – etwa 40 Prozent Kostenreduktion gegenüber heutigen Batterien bei bestimmten Varianten – konkrete Dollar‑/kWh‑Werte für Feststoffzellen fehlen.
  • Zeitplan Serieneinsatz: Pilot‑/Demofahrzeuge um 2026/27, erster größerer Serieneinsatz ist eher 2027–2028+ realistisch, abhängig von Skalierung und Ausbeute.
Feststoffakkus
Der Feststoffakku von Donut Lab soll alle Probleme lösen. Es gibt aber Zweifel, ob er das schafft. Foto: Donut Lab

Nissan
Nissan verfolgt eigene All‑Solid‑State‑Batterien und hat bereits eine Pilotlinie in Yokohama in Betrieb genommen.

  • Technologie: All‑Solid‑State‑Lithium‑Ionen bzw. Lithium‑Metall‑Zellen mit festem Elektrolyten, ausgelegt auf hohe Energiedichte und Schnellladen.
  • Energieinhalt (Ziel): Nissan nennt keine exakten Wh/kg, positioniert die Technik aber klar oberhalb heutiger Li‑Ion‑Packs (Richtung 400 Wh/kg auf Zellebene ist industrieweit Referenz für diesen Typ).
  • Laderate: Angaben bewegen sich in Richtung deutlich verkürzter Ladezeiten im Schnelllader‑Segment (10–80% in 10–20 Minuten); konkrete offizielle Nissan‑Daten sind noch zurückhaltend.
  • Kosten: Zielgröße sind etwa 75 US‑Dollar/kWh auf Packebene, etwa 30 Prozent unter dem Durchschnittsniveau von 2024.
  • Zeitplan Serieneinsatz: Erstes Serienfahrzeug mit All‑Solid‑State‑Batterie laut Nissan bis zum Fiskaljahr 2028.

Changan (China)
Changan ist einer der ersten OEMs, die sehr konkrete und nahe Termine für Feststoffbatterien in Fahrzeugen nennen.

  • Technologie: Feststoffbatterien mit hohem Sicherheitsfokus; Details zum Elektrolyten werden teils als anorganische Sulfid‑Systeme beschrieben, teils als „Feststoffzellen“ ohne weitere Spezifikation.
  • Energieinhalt (Ziel): Genannt werden Zielwerte von rund 400 Wh/kg auf Zellebene.
  • Laderate: Perspektivisch werden Ladezeiten von unter 15 Minuten auf 80 Prozent SoC diskutiert.
  • Kosten: Konkrete kWh‑Kosten kommuniziert Changan bislang nicht öffentlich; angesichts der frühen Phase ist ein Preisaufschlag gegenüber konventionellen Zellen in der ersten Generation zu erwarten.
  • Zeitplan Serieneinsatz: Erste Fahrzeuge mit Feststoffzellen sollen noch vor Q3 2026 erscheinen, die eigentliche Großserienproduktion ist ab 2027 geplant.

CATL
CATL fährt eine Doppelstrategie aus halb‑ und vollfesten Zellen und ist damit für viele OEMs ein potenzieller Hauptlieferant.

  • Technologie:
    • Semi‑Feststoff („Condensed Matter“): 5–10% flüssiger Elektrolyt, Rest fest.
    • All‑Solid‑State: vollständig fester Elektrolyt, aktuell noch im Aufbau.
  • Energieinhalt: Labormuster von CATL erreichen über 500 Wh/kg, deutlich oberhalb heutiger Serien‑Li‑Ion‑Zellen (~350 Wh/kg).
  • Laderate: Sulfid‑Elektrolyt mit Leitfähigkeiten bis 10⁻² S/cm ermöglicht hohe C‑Rates, also Schnellladen mit deutlich höheren Strömen als heutige Packs; konkrete Zeitangaben fehlen.
  • Kosten: Semi‑Feststoff‑Zellen sollen als „Premium‑Option“ starten, die Preise dürften zunächst oberhalb konventioneller NMC‑Packs liegen, mittelfristig aber durch Skalierung sinken; exakte Zahlen nennt CATL nicht.
  • Zeitplan Serieneinsatz:
    • Semi‑Feststoff: Masseneinsatz im Automobilbereich ab etwa 2026 geplant.
    • All‑Solid‑State: Kleinserien ab 2027, skalierter Einsatz vor 2030 angestrebt.
Feststoffakkus
Tabelle: KI

QuantumScape (Partnerschaften u. a. mit VW)
QuantumScape ist eines der prominentesten Start‑ups im Feststoffbereich und fokussiert reine Lithium‑Metall‑Zellen.

  • Technologie: Lithium‑Metall‑Anode mit keramischer Festelektrolyt‑Membran, die dendritenfreies Schnellladen ermöglichen soll.
  • Energieinhalt: QuantumScape spricht von „high energy density“, mit Branchenabschätzungen im Bereich von 400–500 Wh/kg für spätere Generationen; das Unternehmen publiziert primär Performance‑Daten, keine fixen Wh/kg‑Zahlen.
  • Laderate: Zellen können auf 80 Prozent in rund 15 Minuten geladen werden, basierend auf Tests mit Einzellagern bei hohen Stromdichten.
  • Kosten: Noch keine Serienkosten; als Premium‑Technologie werden anfangs eher hohe kWh‑Preise erwartet, mit geplanter Reduktion durch Skalierung und Materialeinsparungen (Lithium‑Metall statt Graphit).
  • Zeitplan Serieneinsatz: Der erste automotive Serieneinsatz wird von Industriebeobachtern in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre erwartet; konkrete OEM‑Serienfahrzeuge mit klarer SOP‑Angabe sind noch nicht offiziell terminiert.

Samsung SDI
Samsung SDI hat eine klare Feststoff‑Roadmap und kommuniziert bereits Energiedichteziele und einen Starttermin für die Massenproduktion.

  • Technologie: Feststoff‑Zellen, voraussichtlich mit sulfidem oder oxidischem Festelektrolyt; Fokus auf Premium‑Anwendungen im EV‑Segment.
  • Energieinhalt: Angekündigt ist eine Energiedichte von etwa 900 Wh/l, rund 40 Prozent über der aktuellen P5‑Lithium‑Ion‑Generation des Unternehmens.
  • Laderate: Offizielle Laderaten sind noch nicht konkret beziffert; die Roadmap zielt jedoch klar auf Schnellladeniveau ähnlich oder besser als heutige High‑End‑NMC‑Zellen.
  • Kosten: Feststoffzellen werden zunächst im Hochpreis‑Segment erwartet; Samsung SDI fokussiert in der ersten Phase eher Performance als Kostenführerschaft.
  • Zeitplan Serieneinsatz: Nach Abschluss von Tests sollen Produktionen aufgebaut und Lieferverträge geschlossen werden; das Unternehmen nennt Massenproduktion um 2027 als Ziel.

Solid Power (Partner: BMW, Ford)
Solid Power arbeitet als Zellentwickler und Lizenzgeber und kooperiert eng mit BMW und Ford.

  • Technologie: Sulfid‑basierter Festelektrolyt, NMC‑Kathode, Lithium‑Metall‑ oder Lithium‑reiche Anode; zunächst in Pouch‑Formaten.
  • Energieinhalt: Solid Power berichtet von stack‑level‑spezifischer Energie von etwa 350 Wh/kg bei frühen Zellen.
  • Laderate: Erste Zellen sind auf Zyklenfestigkeit und Sicherheit optimiert, Schnellladefähigkeit wird sukzessive erhöht; konkrete 10–80‑%-Zeiten sind aktuell nicht als Seriewert veröffentlicht.
  • Kosten: Als Technologielieferant zielt Solid Power darauf, durch bestehende Produktionslinien der OEMs (angepasst auf Festelektrolyte) Capex zu minimieren; konkrete kWh‑Kosten bleiben noch vertraulich.
  • Zeitplan Serieneinsatz: Nach Zelltests sollen größere Pouch‑Formate und Prototypfahrzeuge bei BMW und Ford folgen; ein Serieneinsatz wird allgemein für den Zeitraum um 2028–2030 diskutiert.

ProLogium
ProLogium zählt zu den weiter fortgeschrittenen Feststoff‑Anbietern und kooperiert u. a. mit europäischen Entwicklungsdienstleistern.

  • Technologie: Anorganischer, keramischer Festelektrolyt („all‑inorganic solid‑state lithium ceramic“), ausgelegt auf hohe Sicherheit und Schnellladefähigkeit.
  • Energieinhalt: Ein mit FEV entwickeltes EV‑Modul zielt auf Fahrzeugreichweiten bis etwa 1.000 km, was Energiedichten auf Zellen‑ und Modulebene im oberen 300‑ bis 400‑Wh/kg‑Bereich nahelegt.
  • Laderate: Die Module sind ausdrücklich auf Fast‑Charge ausgelegt; konkrete publizierte 10–80‑Prozent-Minutenwerte gibt es noch nicht, die Positionierung liegt aber klar im High‑Power‑Segment.
  • Kosten: ProLogium will durch keramische Rollenfertigung langfristig wettbewerbsfähige kWh‑Kosten erreichen, akzeptiert aber höhere Kosten in frühen Premium‑Anwendungen.
  • Zeitplan Serieneinsatz: ProLogium zeigt 2026 auf der CES seriennahe Module („sample car‑ready“) und bereitet den Übergang zu OEM‑Integrationen in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre vor.

Hyundai, Kia & Factorial/Mercedes & Stellantis
Factorial Energy ist ein wichtiger westlicher Feststoff‑Partner für mehrere OEM‑Gruppen.

  • Technologie: Feststoff‑Zellen mit proprietärem Elektrolyten, ausgelegt auf höhere Energiedichte und Sicherheit; Integration auf Zell‑, Modul‑ und Systemebene mit Hyundai/Kia, Mercedes und Stellantis.
  • Energieinhalt: Factorial spricht von „long‑range“‑Batterien; konkrete Wh/kg‑Zahlen sind nicht veröffentlicht, werden aber klar oberhalb heutiger Serien‑NMC‑Zellen positioniert.
  • Laderate: Der Fokus liegt auf Kombination aus hoher Reichweite und Sicherheit; Fast‑Charge‑Fähigkeit wird erwartet, aber noch nicht öffentlich mit Minutenwerten hinterlegt.
  • Kosten: Als Start‑up baut Factorial zunächst Pilotlinien auf; OEM‑Investments sollen die Industrialisierung beschleunigen, konkrete Kostenangaben fehlen.
  • Zeitplan Serieneinsatz: Mercedes sprach bei Einstieg von einem Zeithorizont „innerhalb der nächsten fünf Jahre“ für den Serieneinsatz, Stellantis sieht Feststoff noch eher mittelfristig; das deutet auf Ende der 2020er Jahre.

BYD

  • Technologie: BYD arbeitet an eigenen Festkörperzellen, in Berichten meist als Sulfid‑basierte Solid‑State‑Batterien beschrieben; parallel entwickelt das Unternehmen weiterhin LFP‑Blade‑Batterien und Natrium‑Ionen‑Zellen als kostengünstigere bzw. rohstoffschonende Lösungen.
  • Energieinhalt: Für die Festkörper‑Akkus kursieren Zielwerte von rund 400 Wh/kg, ungefähr doppelt so viel wie aktuelle Serien‑LFP‑Packs.

  • Laderate: BYD nennt für die SSB‑Fahrzeuge eine Reichweite von bis zu 1.500 km und 10–12 Minuten Ladezeit bis 80%, was Ladeleistungen im hohen dreistelligen kW‑Bereich voraussetzt; zusätzlich kündigt BYD für seine Premium‑Modelle „Megawatt Flash Charging“ an, mit bis zu 1 MW Ladeleistung und rund 400 km Reichweite in 5 Minuten.

  • Kosten: Offiziell ist das Ziel formuliert, Flüssig‑ und Festkörperbatterien bis Ende des Jahrzehnts zu ähnlichen Preisen anbieten zu können; bis dahin dürften SSB‑Packs vor allem in höherpreisigen Modellen eingesetzt werden.

  • Zeitplan Serieneinsatz:

    • Erste Serienfahrzeuge mit Festkörperbatterie werden ab etwa 2027 diskutiert, häufig im Zusammenhang mit dem Mittelklassemodell Seal, das in China bereits mit heutigen LFP‑Akkus verkauft wird.

    • Die Anlauf‑Produktion der SSB soll ab 2027 starten, eine Massenproduktion wird für etwa 2030 genannt.

Donut Lab
Und dann ist da noch der Sonderfall des Akkus von Donut Lab: Donut Lab aus Finnland sorgt seit Ende 2025/Anfang 2026 mit extrem spektakulären Daten für Schlagzeilen, vor allem in Verbindung mit der Verge TS Pro und deren „Donut Battery“.

  • Technologie: Donut Lab spricht von einer All‑Solid‑State‑Batterie (Voll‑Festkörperakku) und behauptet, die Zellen kämen ohne Lithium aus; unabhängige Analysen halten aufgrund der Zellspannung von rund 4,2 V allerdings eine Lithium‑basierte Chemie oder zumindest lithiumähnliche Systeme für wahrscheinlicher.

  • Energieinhalt: Laut Hersteller sollen die Zellen eine gravimetrische Energiedichte von etwa 400 Wh/kg erreichen, sowohl für das 20‑kWh‑Standard‑Pack als auch für die 30‑kWh‑Long‑Range‑Variante des Motorrads.

  • Laderate: Donut Lab verspricht eine Voll­ladung von 0–100% in rund 5 Minuten; die Verge‑Modelle sollen an Schnellladern in 10 Minuten Energie für 200–300 km (je nach Variante) nachladen können, was Ladeleistungen bis zu 100 kW (20 kWh) bzw. 200 kW (30 kWh) impliziert.

  • Lebensdauer: Die Zellen sollen bis zu 100.000 Ladezyklen überstehen, was – bei 600 km Reichweite der Long‑Range‑Variante – einer theoretischen Laufleistung von bis zu 60 Millionen Kilometern entsprechen würde.

  • Temperaturbereich und Sicherheit: Donut Lab gibt an, dass die Batterie von etwa −30 °C bis +100 °C betrieben werden kann und dabei über 99% Kapazität behält; zugleich sollen die Zellen nicht entflammbar sein und selbst bei mechanischer Beschädigung nicht thermisch durchgehen.

Fazit: Zeitfenster und Erwartungen:

Erste echte Serienfahrzeuge mit (semi‑)Feststoffakkus sind ab 2026/27 vor allem von chinesischen Herstellern und OEMs mit CATL‑Partnerschaft zu erwarten. Ein breiter Serieneinsatz vollfester Zellen mit 400+ Wh/kg, Schnellladen um 10–15 Minuten und spürbar niedrigeren Kosten pro km Reichweite wird eher zwischen 2028 und Anfang der 2030er Jahre realistisch erscheinen. Titelfoto: VW

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