HPC Laden warten

HPC-Laden? Bitte hinten anstellen

Der E-Auto-Boom hat Folgen: Immer öfter muss man auf einen freien (HPC-)Ladepunkt warten. Die Anbieter wollen Abhilfe schaffen.

Vollelektrisch auf die Langstrecke, das ist im Jahr 2026 nicht mehr ungewöhnlich. Im August war in Deutschland fast jeder dritte zugelassene Neuwagen elektrisch. Mit ihrem Auto wollen die Menschen nicht nur zur Arbeit oder zum Supermarkt, sondern auch in den Urlaub fahren. Das macht sich nun bemerkbar: durch Staus an Ladeparks.

Anstehen für Fahrstrom: Das ist ein Novum. Und kann ziemlich nerven. Denn Elektroautofahrer müssen sich beim Laden ja ohnehin schon in Geduld üben. Eine halbe Stunde dauert es in der Regel – es sei denn, man fährt ein ganz modernes (und teures) Modell, das von 20 auf 80 Prozent in unter 20 Minuten auflädt. Ärgerlich, wenn man sich davor auch noch beim Anstehen in Geduld üben muss.

Gerade Schnellladesäulen sind immer stärker ausgelastet, zeigen aktuelle Daten des Dienstleisters Cirrantic. Danach liegt die Auslastung von innerstädtischen, langsameren AC-Säulen im Schnitt nur bei 0,6 Ladungen pro Tag. Die leistungsstarken DC- und HPC-Lader würden dagegen pro Tag im Schnitt 2,5 Mal genutzt.

Schnellladesäulen stärker ausgelastet

Da bilden sich selbst an Schnellladeparks mit acht oder mehr Säulen schnell mal Schlangen mit wartenden E-Autos. Zum Problem trägt bei, dass viele E-Fahrer ihren Wagen bis auf 100 Prozent aufladen, wenn sie ohnehin schon einen Stopp machen müssen. Dabei blockieren sie besonders lange die Stationen. Denn die Ladegeschwindigkeit sinkt mit fast vollem Akku erheblich.

Um solche Blockaden zu Stoßzeiten zu verringern, belohnt Ionity neuerdings Kunden mit kostenlosem Extrastrom, wenn sie ihr Fahrzeug nur bis 80 Prozent aufladen. Andere Anbieter verhängen Blockiergebühren. Das betrifft aber eher das langsamere Laden in Städten, wo oft über viele Stunden aufgeladen wird.

Schlange stehen fürs Schnellladen: Der Betreiber Fastned hält das für ein gutes Zeichen. „Es zeigt, dass die Elektromobilität in der Fläche ankommt“, erklärt das Unternehmen. Die Staus werte man nicht als grundsätzliches Kapazitätsproblem der Schnellladeinfrastruktur, sondern als „punktuelle Spitzenauslastung“ an einzelnen, stark frequentierten Standorten zu klassischen Reisezeiten wie Ferienbeginn oder dem Rückreiseverkehr an Wochenenden. Gleichzeitig zeigten die Schlangen, dass die bereits stark gewachsene Zahl der Schnellladepunkte an den Autobahnen noch nicht ausreiche, um solche Spitzen vollständig abzudecken. Fastned will sein Netz daher weiter ausbauen, allein in den vergangenen zwölf Monaten seien 25 neue Standorte in Deutschland eröffnet worden.

„Die E-Mobilität kommt in der Fläche an“

Weil der Bedarf an Ladestationen in den kommenden Jahren weiter stark wachsen wird, fordert auch der Bundesverband Neue Mobilität (BNM) einen Ausbau der Infrastruktur – „in ländlichen Räumen, entlang der Hauptverkehrsachsen und an touristischen Hotspots ebenso wie in städtischen Wohnquartieren“, so BNM-Referent Wolfgang Huber. Mit dem wachsenden Bestand an E-Autos werde aber nicht mehr nur die Anzahl der Ladepunkte entscheidend sein. Ebenso wichtig seien preistransparente, verbraucherfreundliche und niedrigschwellige Zugänge zur Ladeinfrastruktur. „Für den Hochlauf im Massenmarkt ist entscheidend, dass Nutzer ohne komplizierte Tarifmodelle, intransparente Preisstrukturen oder unnötige Zugangshürden laden können – insbesondere dann, wenn sie weder zu Hause noch am Arbeitsplatz eine eigene Lademöglichkeit haben.“ Haiko Tobias Prengel/Titelfoto: Aral Pulse

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