Mit dem pragmatischen Spring hat Dacia die E-Mobilität bezahlbar gemacht. Jetzt fährt er in den zweiten Frühling.
Wenn später mal die Geschichte der E-Mobilität geschrieben wird, darf der Dacia Spring nicht fehlen. Nicht etwa, weil er ein besonders innovatives, gutes oder gar attraktives Auto war. Das wird auch in der Retrospektive niemand ernsthaft behaupten wollen. Nein, weil der Spring Pionierarbeit geleistet hat. Mit seinem günstigen Einstiegspreis von damals rund 20.000 Euro hat der Rumänen-Stromer den E-Antrieb demokratisiert und dafür gesorgt, dass auch der „kleine Mann“ Elektromobilität kennenlernen konnte. Seit 2021 verkaufte Dacia 210.000 Spring in 40 Ländern, für 93 Prozent der Kunden war es der erste Kontakt mit einem EV.

Jetzt kommt der neue Spring – und damit der zweite Frühling. Denn plötzlich blüht er auf. Wurde der Budget-Stromer bislang beim chinesischen Partner Dongfeng möglichst preiswert zusammengeschraubt, wird der neue Spring ein waschechter Europäer. Gebaut im slowenischen Werk Novo Mesto, parallel zum Konzernbruder Renault Twingo E-Tech, mit dem sich der Viertürer auch die wesentlichen Eckpfeiler seiner Technik teilt.
Dacia Spring: 15 Zentimeter gewachsen
Beide stehen auf der gleichen RG-EV-Plattform. Mit 3,85 Meter streckt sich der Dacia allerdings sechs Zentimeter mehr in die Länge als der Twingo und überflügelt seinen Vorgänger sogar um satte 15 Zentimeter. Der größte Sprung ins Erwachsenenalter findet allerdings in der Breite statt: Mit 1,74 Meter wirkt er nun deutlich stabiler und vertrauenswürdiger als das schmale Hemd aus Wuhan, das gerade mal 1,58 Meter breit war und schon im Stand wie ein fragiler Wackelkandidat ausschaute. Obwohl der Spring in allen Dimensionen zulegt, bleibt er mit lediglich 1,2 Tonnen ein Leichtgewicht, was vor allem dem Verbrauch zugutekommen dürfte. Dacia verspricht 12,7 kWh (WLTP) auf 100 Kilometer.
An Front und Heck leuchten nun serienmäßig LED-Lichter. Sie spiegeln das Licht im Gehäuse geschickt um 45 Grad – und sehen so nach mehr aus, als sie tatsächlich sind. Massive Stoßfänger aus unlackiertem, schwarzen Kunststoff schützen vor kleinen Remplern und großen Rechnungen, Designelemente wie die Black Panels trennen das Dach optisch von der Karosserie.

Das Plus an Länge nutzt der neue Spring vorne, um einen 18-Liter-Frunk fürs Ladekabel unterzubringen. Den hat der Twingo nicht. Und hinten für mehr Ladevolumen. 337 Liter bis 1.283 Liter bedeuten einen deutlichen Zuwachs zum Spring Nummer Eins und sind top für diese Klasse. Trotzdem bleibt innen noch erstaunlicher Platz für vier Erwachsene, auf der Rückbank sogar mit ordentlicher Knie- und Kopffreiheit. Meckerpotential bieten hier allenfalls die nicht versenkbaren Scheiben, preiswertere Ausstellfenster müssen reichen.
Kein überflüssiger Schnickschnack
Na klar sieht man hier und da, dass kein Euro leichtfertig in überflüssigen Schnickschnack gesteckt wurde. „Jedes Element muss auch einen praktischen Nutzen haben“ sagt David Durand. Der Spring ist nach wie vor auf cleveres Sparen konditioniert. Praktisch eingerichtet, aber nicht ärmlich. Die Sitze fühlen sich bequem und erwachsen an, zwei Displays – sieben und 10,1 Zoll groß – wurden vom Twingo übernommen und mit einer eigenen Grafik bespielt, die keinesfalls schlechter informiert als beim Franzosenbruder. Zahlreiche Staufächer schlucken den Kleinkram des Autofahrer-Alltags, das Agaveblau der Polster findet sich als horizontaler Streifen am Armaturenbrett wieder.

Wie die Einrichtung ist auch die E-Technik kein Armutszeugnis, sondern pragmatisch auf die Klientel zugeschnitten. Der Spring ist dabei der erste Dacia, der von neuen, verkürzten Entwicklungszyklen der Renault Group profitiert. So sollen neue Modelle künftig nach zwei Jahren fertig sein und gleichzeitig weniger kosten. Dacia kündigt zusätzlich zum Spring bereits drei weitere EVs bis 2030 an.
LFP-Batterie für 250 Kilometer
Unnötigen Ballast schleppt der Spring gar nicht erst mit. 60 kW/80 PS müssen ebenso reichen, wie eine kleine, leichte 27,5-kWh-LFP-Batterie, die tief im Unterboden versteckt ist. Damit kommt man rund 250 Kilometer weit. Mehr brauche ein hauptsächlich in der Stadt eingesetzter Mini nicht, sagt Dacia. Auch das gemächliche Ladetempo stelle für die Kunden kein größeres Problem dar. Der neue Spring füllt seinen Akku extrem bedächtig mit nur 6,6 kW. An der Haussteckdose braucht er zum Laden neun Stunden (15 bis 80 %), an der Wallbox fast drei. Gegen Aufpreis gibt es ein Paket, das AC-Laden mit 11 kW ermöglicht (1 Stunde 55 min.) sowie DC-Laden mit 50 kW (28 min.). Inkludiert ist dann auch die Möglichkeit externe Elektro-Geräte mit Strom zu versorgen, bekannt als Vehicle-to-Load-Funktion (V2L).

Zum Marktstart im Dezember wird es den Spring in vier Farben und in zwei Ausstattungsversionen geben. Die Einstiegsvariante „Expression“, unter anderem mit 15 Zoll-Stahlrädern, manueller Klimaanlage und Media Paket, soll unter 18.000 Euro kosten. Der „Journey“ erhält zusätzlich 16 Zöller, Rückfahrkamera, ein höherwertiges Media-System sowie zusätzliche Konnektivität. Er startet für unter 20.000 Euro in den zweiten Frühling. Tomas Hirschberger/SP-X
Dacia Spring – Technische Daten:
Fünftüriger Elektro-Kleinwagen mit Frontantrieb; Länge: 3,85 Meter, Breite: 1,74 Meter, Höhe: 1,52 Meter, Radstand 2,49 Meter, Kofferraum 337 – 1.283 Liter, Frunk 18 Liter.
E-Antrieb, LFP-Batterie mit 27,5 kWh, Leistung 60 kW/80 PS, 1-Gang-Automatik, max. Drehmoment 175 Nm, 0 – 100 km/h: 12,1 s, Vmax: 130 km/h, Verbrauch 12,7 kWh/100km (kombiniert, WLTP), Ladezeit mit am AC-Lader 1,55 Stunden (15 – 80%), Ladezeit am DC-Lader 28 Minuten, elektrische Reichweite ca. 250 km (WLTP), Preis: unter 18.000 Euro.


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