Neuer Maßstab bei Luxus-Vans: Der Mercedes VLE startet als vollelektrischer V-Klasse-Nachfolger. Günstig ist er – natürlich – nicht.
Taxiunternehmen, Shuttledienste, Familien mit vielen Kindern oder Handelsvertreter – seit 1996 ist die Mercedes V-Klasse eine feste Größe. Doch während sich der Kleinbus über drei Generationen hinweg eine treue Kundschaft erarbeitet hat, blieb die Modellpflege oft konservativ. Viele bekannte Schwächen wurden nie behoben: Die Scheiben der Schiebetüren ließen sich nie öffnen, das Ausbauen der schweren Sitze war mühsam, und luxuriöse Einzelsitze mit Liegefunktion fehlten völlig.

Auch das Design blieb eng an Nutzfahrzeuge wie den Vito angelehnt. Wer an der Ampel neben einem Kastenwagen stand, sah kaum Unterschiede – das Premium-Image litt. Besonders in Märkten wie China oder den USA, wo Prestige zählt, konnte die V-Klasse deshalb nie ganz überzeugen. Mit dem neuen Mercedes VLE vollzieht die Marke mit dem Stern nun den überfälligen Schritt in die Zukunft.
Neue Plattform, neue Klasse
Der Mercedes VLE steht auf einer komplett neuen Architektur, die konsequent für Pkw-Komfort entwickelt wurde – nicht länger als Derivat eines Transporters. Die Plattform ist für Elektro-, Benzin- und Dieselantriebe ausgelegt und bringt erstmals Features wie Luftfederung, Hinterachslenkung und das volle Paket aktueller Assistenzsysteme mit.

Zum Marktstart Anfang März debütiert der rein elektrische VLE 300 mit Frontantrieb ab etwa 88.000 Euro. Seine Eckdaten beeindrucken: 200 kW (272 PS) Leistung, eine 115-kWh-NMC-Batterie und ein sehr hoher Wirkungsgrad von rund 93 Prozent. Die versprochene Reichweite von bis zu 700 Kilometern (WLTP) positioniert den Van als echten Langstrecken-Stromer. Dank 800-Volt-Technologie lassen sich in 15 Minuten rund 320 Kilometer nachladen. Ein optionaler DC-Konverter ermöglicht zudem Schnellladen an 400-Volt-Säulen.
Im Sommer folgt der allradgetriebene VLE 400 mit 305 kW (415 PS) für rund 90.000 Euro. Günstigere Varianten mit 80-kWh-LFP-Akku starten Ende des Jahres ab etwa 67.800 Euro. Der Mercedes EQV wird mit dem Start des VLE eingestellt, während die bisherige V-Klasse als Verbrenner-Variante vorerst weiterläuft.
Flexibler Innenraum mit Premium-Komfort
Der neue Van setzt auf eine modulare Architektur, die Platz für vier bis acht Sitze bietet. Die künftigen Pkw-Versionen unterscheiden sich deutlich von Nutzfahrzeugen – sowohl in der Ausstattung als auch im Design. Während Transporter weiterhin auf Funktionalität und Stauraum ausgelegt sind, punktet der VLE mit einer eleganten Silhouette, einer Länge von 5,31 Metern (optional 5,48 Meter) und einem Radstand von 3,34 Metern.

Im Innenraum wurde der Komfort deutlich gesteigert. Die Sitze sind leichter und lassen sich dank integrierter Rollen einfach verschieben. Je nach Variante verwandeln luxuriöse Einzelsitze mit Massage- und Liegefunktion den Fond in eine Lounge. Diese können sogar per App verstellt werden. Zwei elektrische Schiebetüren mit versenkbaren Fenstern und eine separat öffnende Heckscheibe runden das Raumkonzept ab.
Digitale Oberklasse-Technik
Mercedes integriert im VLE das eigene Betriebssystem MB.OS, das Infotainment, Assistenzsysteme und Ladefunktionen steuert. Das System bleibt über Over-the-Air-Updates aktuell. Der optionale MBUX-Superscreen mit drei Displays zieht sich über die gesamte Breite des Cockpits. Für den Fond gibt es einen fast 80 Zentimeter breiten ausklappbaren Bildschirm, der den Innenraum in ein Kino oder Büro auf Rädern verwandelt.

Im europäischen Markt tritt der Mercedes VLE gegen den kürzeren Volkswagen ID.Buzz an, global gegen Modelle wie den Lexus LM oder Denza D9. Und Mercedes denkt schon weiter: 2027 soll der neue VLS folgen – ein noch komfortableres Topmodell auf S-Klasse-Niveau, basierend auf derselben Plattform. SP-X


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