Renault-Strategie 2026: Provost legt neuen Zukunftsplan „futuREady“ vor und setzt auf die Elektromobilität. Aber nicht ausschließlich.
In weniger als einem Jahr an der Spitze des Konzerns hat Renault-CEO Francois Provost zahlreiche Entscheidungen seines Vorgängers Luca de Meo revidiert. Entsprechend groß war die Spannung vor der Vorstellung des neuen Strategieplans „futuREady“. Der Fokus liegt klar auf Elektrifizierung: Die meisten neuen europäischen Modelle werden vollelektrisch, doch auch Hybridantriebe bleiben ein zentraler Bestandteil der Produktpalette.
Luca de Meos „Renaulution“-Strategie markierte vor fünf Jahren einen Wendepunkt. Renault erweiterte sein Elektro-Portfolio von einzelnen Fahrzeugen zu ganzen Modellfamilien. Besonders die Retro-inspirierten Kleinwagen trafen den Geschmack vieler Kunden. Mit der Produktionsallianz „ElectriCity“ entstand zudem ein neues Fertigungsnetzwerk, ergänzt durch Partnerschaften mit Batterieherstellern wie Verkor und AESC.
Neue Zellchemien und E-Motoren

Im Rahmen von futuREady setzt Renault künftig auf zwei verschiedene Zellchemien: eine leistungsstarke Variante mit hoher Energiedichte für Reichweitenmodelle sowie eine kosteneffiziente LFP-Ausführung für Kleinwagen. Letztere kommt auch in der neuen Plattform „RGEV Medium 2.0“ zum Einsatz, die große Reichweiten und kurze Ladezeiten kombinieren soll.
Zentral ist zudem ein neu entwickelter Elektromotor der dritten Generation ohne Seltene Erden. Diese stromerregte Synchronmaschine soll 275 PS leisten, einen Wirkungsgrad von 93 Prozent auf der Autobahn erreichen und 25 Prozent mehr Leistung als die Vorgängergeneration bieten. Der Motor wird komplett im eigenen Haus produziert und sowohl für Front‑ als auch Heckantrieb ausgelegt. Dank der neuen „7‑in‑1“-Leistungselektronik sinken die Kosten um rund 20 Prozent.
Spannender noch: Im Unterschied zu den aktuellen E-Plattformen von Renault handelt es sich bei der neuen Plattform um eine 800-Volt-Architektur, auf der Fahrzeuge vom B+- bis zum D-Segment basieren sollen. Die Plattform soll so flexibel sein, dass sie alle Karosserieformen unterstützt – von der Limousine über SUV bis hin zu Vans/MPV. Wann genau und mit welchen Modellen die „RGEV Medium 2.0“ starten soll, gibt Renault aber noch nicht an.
Neue Plattform für superschnelles Laden
Dafür gibt es einige interessante Details. Bis 2030 soll die Plattform „superschnelles Laden in nur zehn Minuten“ ermöglichen. Bei der Batterie ist von einer Cell-to-Body-Architektur mit einer Füllrate von 70 Prozent die Rede. Das Batteriepack soll so mit 20 Prozent weniger Bauteilen auskommen und mit prismatischen Zellen, Blade-Zellen und Pouch-Zellen kompatibel sein. Welchen Energiegehalt Renault mit solchen Batteriepacks anstrebt, wird nicht genannt. Die Reichweite soll aber bei bis zu 750 Kilometern nach WLTP liegen – in den reinen Elektroversionen. Die Plattform soll zudem offenbar auch Range-Extender-Antriebe ermöglichen, die dann auf bis zu 1.400 Kilometer Reichweite bei Emissionen von weniger als 25 Gramm CO2 Pro Kilometer kommen sollen.
Provost beschreibt im Strategiepapier die Vorbereitung der nächsten elektrischen C‑Segment‑Generation als höchste Priorität. Ziel seien maximale Effizienzstandards und das beste Verhältnis zwischen Reichweite und Kosten. Dazu kommt die vollständig neu entwickelte Plattform RGEV Medium 2.0, die eine zentrale Säule der elektrischen Modelloffensive bildet.
Auch die Verbrennerpalette wird weiter elektrifiziert. In Europa sollen Hybridmodelle über 2030 hinaus angeboten werden, während auf internationalen Märkten weitere Hybride sowie 14 zusätzliche Modelle geplant sind – ausschließlich für die Marke Renault. Für 2030 peilt der Konzern zwei Millionen verkaufte Fahrzeuge jährlich an, die Hälfte davon außerhalb Europas. In Europa sollen bis dahin alle Modelle elektrifiziert sein.
Dacia: Vier neue BEV-Modelle
Die Erfolgsmarke Dacia soll ihren Kurs fortsetzen und bis 2030 zwei Drittel ihrer Verkäufe mit elektrifizierten Modellen erzielen – darunter vier vollelektrische Fahrzeuge. Gleichzeitig soll Dacia ins C-Segment vordringen, ohne das Preis-Leistungs-Versprechen aufzugeben.
Alpine wiederum soll mit den neuen Elektromodellen A290 und A390 neue Zielgruppen ansprechen. Eine neue Generation des legendären A110 ist ebenfalls geplant – auf Basis der Alpine Performance Platform (APP), über den Antrieb gibt es jedoch noch keine Details.
Dieses neue Zukunftsprogramm zeigt, dass Renault unter Francois Provost Elektromobilität, Effizienz und globale Expansion stärker verbindet als je zuvor – mit einem klaren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Eigenständigkeit.


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