Nach einer Sendepause seit Ende 2022 gibt es jetzt wieder einen Nissan Micra. Die Kleinwagen rollt nun rein elektrisch vor.
Die Karriere des kleinen Micra war wechselvoll. Mal traf er den Nerv der Zeit, mal verspielte er mit seinem Weltauto-Ansatz und einem langweiligen bis austauschbaren Design Sympathien. Schnee von gestern, heißt es bei Nissan. Zu Recht, schließlich ist Generation 6 tatsächlich ein echter Hingucker. Mit runden, selbstbewussten Formen, mit einem Tick Retro-Stil und vor allem mit großen Kulleraugen, die nicht nur selbst zu lächeln scheinen, sondern auch beim Betrachter ein Lächeln provozieren – und zwar bei Scheinwerfern und Rückleuchten.
Während die Dachpartie weitestgehend mit der des R5 identisch ist, haben sich die Nissan-Formgestalter vom Design Europe Studio in London an Front und Heck kräftig einbringen und dem knapp vier Meter langen Kleinen einen eigenen Charakter verpassen können. Zum insgesamt fröhlich-modischen Auftritt passt die große Auswahl bei den Farben: 14 verschiedene Kombinationen sind zu haben, darunter auch solche mit schwarzem oder grauem Dach. Das kostet allerdings 900 Euro extra.

Wo wir schon über Geld sprechen: Der Micra ist eines der E-Mobile, deren Preise sich dank staatlicher Förderung und kräftiger Hersteller-Rabatte auf unter 20.000 Euro drücken lassen. Das sollte seiner Verbreitung zuträglich sein und stellt ihn in eine Reihe mit Modellen wie Renault 5, Hyundai Inster, Peugeot 208, BYD Dolphin Surf, Opel Corsa oder Fiat 500. Die Kehrseite der Medaille: Diese Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen. Der Micra muss schon etwas bieten, um sich hier durchzusetzen.
Nissan Micra: Nur zwei statt drei Motorisierungen
Technisch hervortun kann er sich aber schon mal nicht. Alles Renault oder was, könnte die Frage lauten. Und die Antwort lautet: Im Prinzip ja! Allerdings gibt es den Micra im Gegensatz zu seinem Konzern-Kollegen nur mit zwei statt drei unterschiedlichen Motorisierungen. Basis ist ein Akku mit 40 kWh, der in Kombination mit dem 90 kW/122 PS-Antrieb für eine Reichweite von 317 Kilometern sorgt. Basispreis vor Förderung und Rabatt: 27.990 Euro.
Ab 29.990 Euro gibt es den Micra mit 52-kWh-Akku, 416 Kilometern Reichweite und 110 kW/150 PS starkem Stromaggregat. Bei Ladeleistungen von 80 und 100 kW lassen sich beide Akkus in rund 30 Minuten von 15 auf 80 Prozent füllen. An der Wallbox laden die beiden mit je 11 kW, und beide Akkus sind für bidirektionales Laden präpariert, man kann mit dem Micra also elektrisch angetriebene Werkzeuge oder auch mal eine Kaffeemaschine betreiben.

Die Spitze liegt jeweils bei 150 Sachen, von null auf 100 beschleunigt der schwächere Motor in 9,0, der stärkere in 8,0 Sekunden. Und der Verbrauch laut WLTP-Norm liegt gleichauf bei je 14,2 kWh/100 km. Nach unserer knapp 220 Kilometer langen Tour auf Landstraßen, Autobahnen und im Städten zwischen Düsseldorf und Brüssel bei rund zehn Grad plus zeigte der Bordrechner des stärkeren Micra einen Verbrauch von 17,2 kWh/100 km an. Damit kann man gut leben. Glanzpunkte setzt der Micra damit aber nicht.
Verbrauch: 14,2 kWh laut WLTP
Ist für diese Glanzpunkte das Kapitel Fahrspaß zuständig? Erster Eindruck im stärkeren Modell: Das flutscht sehr angenehm, die Lenkung passt gut zu einem kompakten Stadt-Stromer, der gerne auch mal für Ausflüge aufs Land genutzt wird. Wie sein Renault-Pendant macht der kleine E-Nissan einen präzisen, sportlichen Eindruck, angereichert mit einer Portion Komfort. Schnelle Lenkmanöver jenseits der Stadtgrenze steckt er entspannt weg – und er glänzt dank aufwendiger Geräuschisolierung durch sehr geringe Fahrgeräusche. Zumindest bei Landstraßentempo.
Bei 130 Sachen machen sich die regennasse Asphaltpiste und der kräftige Wind dann doch deutlich etwa an den Fensterholmen bemerkbar. Wer mag, kann ab der zweiten Ausstattungsversion Advance das Bremspedal weitgehend vergessen und die Fuhre bei Bedarf per Strompedal bis zum Stillstand verzögern lassen. Vorteil Micra – das kann der R5 (noch) nicht.

Hinten wird´s recht eng
Soweit alles okay – eine kleine Eintrübung erfährt die Sympathie für den Neuzugang aber beim Kapitel Platzangebot. Vorne gibt es nichts zu meckern, das passt so. Aber hinten machen sich die nur 3,97 Meter Gesamtlänge und der Akku im Wagenboden doch bemerkbar. Es ist einfach rundum ein bisschen eng; wer regelmäßig mit ausgewachsenen Passagieren im Fond unterwegs ist, ist mit dem Micra – wie mit seinem Kollegen R5 – nicht wirklich gut beraten.
Wenig überraschend ist auch der Kofferraum nicht übermäßig groß geraten. Seine 326 bis 1.106 Liter entsprechen in etwa dem Klassenniveau, die Ladekante ist allerdings ziemlich hoch und das Umklappen der Rücksitzlehnen ergibt eine kräftige Stufe. Einen Frunk gibt es nicht – das Ladekabel muss also ganz nach hinten zum Gepäck und zu den Einkaufstüten. Aber halt, hier noch eine positive Nachricht: Die Anhängelast des Micra liegt gebremst wie ungebremst bei einer halben Tonne. Der Baumarkt-Einkauf, die Fuhre zum Wertstoffhof oder der Träger fürs Pedelec lassen sich also an oder auf den Haken nehmen.

Die Wärmepumpe ist Serie
Interieur und Bedienung sind praktisch eins zu eins vom R5 übernommen. Das bedeutet in der Basis ein 7, ansonsten ein 10,1 Zoll großes Zentralinstrument und einen 10,1-Zoll Touchdisplay in Kombination mit haptischen Knöpfen und Wippen und eine weitgehend logisch aufgebaute Bedienstruktur mit Unterstützung durch Google-Dienste wie Google Maps, Assistant oder Play. Es gibt reichlich Apps und selbstverständlich auch reichlich Assistenzsysteme für Sicherheit und Komfort. Unter anderem sind die Klimaautomatik, die Klimatisierung per App und eine Wärmepumpe immer serienmäßig drin. Rudolf Huber/SP-X
Nissan Micra – Technische Daten:
Fünftüriger Kleinwagen mit Frontantrieb, Länge 3,97 Meter, Breite 2,02 Meter, Höhe 1,49 Meter, Radstand 2,54 Meter, Kofferraum 326 – 1106 Liter.
90 kW: Elektromotor, Leistung: 90 kW/122 PS, max. Drehmoment: 225 Nm, Lithium-Ionen-Batterie mit 40 kWh, 0-100 km/h: 9,0, Vmax: 150 km/h, Verbrauch: 14,2 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 317 km (WLTP), Preis: ab 27.990 Euro.
110 kW: Elektromotor, Leistung: 110 kW/150 PS, max. Drehmoment; 245 Nm, Lithium-Ionen-Batterie mit 52 kWh, 0-100 km/h: 8,0, Vmax: 150 km/h, Verbrauch 14,7 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 416 km (WLTP), Preis: ab 29.990 Euro.


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