Renault-Chef François Provost will an seinem im Frühjahr vorgestellten Fünfjahresplan „Futuready“ festhalten. Die aktuelle H1-Bilanz bestätigt seinen Kurs. Foto: Renault

Renault will der Krise trotzen

Deutschlands Autobauer lassen derzeit den Rotstift rotieren. Renault-Chef François Provost will es anders machen.

Renault-Chef François Provost will den im Frühjahr vorgestellten Fünfjahresplan „Futuready“ konsequent weiterverfolgen. Die Halbjahresbilanz 2026 sieht der seit rund einem Jahr amtierende CEO als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses: Der Umsatz legte um rund zehn Prozent auf 30,3 Milliarden Euro zu, der Absatz von Elektroautos stieg um knapp 48 Prozent und auch die Profitabilität entwickelte sich solide. Für Provost ist das der Beleg, dass Renault nicht mit Rabattschlachten oder tiefgreifenden Restrukturierungen wachsen muss, sondern mit attraktiveren Produkten, kürzeren Entwicklungszeiten und konsequenter Kostenkontrolle.

„Futuready“ sei weit mehr als ein Strategiepapier, sagte Provost bei einem Roundtable mit europäischen Journalisten. Ziel sei es, Renault wettbewerbsfähiger zu machen und weiteres Wachstum zu generieren. Provost betonte, dass das Programm auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit ziele und nicht auf Werksschließungen oder Entlassungen. Die im Programm vorgesehenen Kostensenkungen von rund 400 Euro pro Fahrzeug sollen vor allem den steigenden Preisdruck am Markt auffangen und gleichzeitig die Profitabilität absichern.

Eigene Strategie

Den Schlüssel zum Erfolg sieht Provost in einer Kombination aus Design, Technologie und bezahlbaren Preisen. Als Beispiel nannte er den neuen Twingo. Das Elektromodell verbinde eigenständiges Design mit moderner Technik, darunter eine LFP-Batterie und eine neue Elektromaschine, bleibe dabei aber preislich konkurrenzfähig. Gleichzeitig halte Renault an seiner Strategie fest, nicht Marktanteile um jeden Preis zu erkaufen. Statt Volumen über Rabatte zu generieren, setzt der Hersteller auf hohe Restwerte, die nach Ansicht Provosts entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft sind.

Ebenso wichtig sei eine deutlich beschleunigte Fahrzeugentwicklung. Renault habe den neuen Twingo außerhalb Chinas in Rekordzeit zur Serienreife gebracht. Dieses hohe Entwicklungstempo soll künftig zum Markenzeichen des Konzerns werden, der neue Modelle in kürzerer Zeit auf die Straße bringen will.

Europäische Produktion

Regional setzt Renault weiterhin auf ein europäisch geprägtes Produktionsnetzwerk. Provost lobte insbesondere Marokko als Fertigungsstandort und bestätigte, dass die nächste Generation der Sandero-Familie dort gebaut wird. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, bestehende Werke europäischer Hersteller in Marokko oder der Türkei auch künftig als Teil des europäischen Industrieökosystems anzuerkennen.

Auch Spanien spielt in der künftigen Konzernstrategie eine zentrale Rolle. Nach einer Einigung mit den Gewerkschaften seien die dortigen Werke langfristig wettbewerbsfähig aufgestellt. Sie übernehmen künftig eine Schlüsselrolle bei der Produktion der nächsten Generation elektrischer Modelle auf einer neuen Mittelklasseplattform.

Ohne China und USA

Eine Expansion in die beiden größten Automärkte der Welt steht dagegen vorerst nicht auf der Agenda. Weder China noch die USA seien Bestandteil des Zukunftsprogramms. Stattdessen will Renault seine Ressourcen auf Europa konzentrieren. Selbst die Sportwagenmarke Alpine soll ihre Prioritäten zunächst auf den Heimatkontinent richten. Der ursprünglich geplante Start in Nordamerika ist gestrichen.

Die Zusammenarbeit mit Nissan bezeichnete Provost trotz der bilanziellen Sondereffekte des vergangenen Jahres als stabil. Die Abschreibungen stünden nicht im Zusammenhang mit der operativen Kooperation, die unter den neuen Allianz-Strukturen gut funktioniere. Als Beispiele nannte er den neuen Nissan Micra auf Renault-Basis sowie gemeinsame Entwicklungsprojekte in Indien.

Klares Ja zur E-Mobilität

Mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen bekannte sich Provost klar zur Elektromobilität. Die Branche investiere Milliarden in neue Elektroplattformen, Batterietechnik und günstigere Fahrzeuge und arbeite intensiv daran, die Preise für Kunden zu senken. Im Gegenzug forderte er von der EU mehr Planungssicherheit und schnellere Entscheidungen. Dazu gehören aus seiner Sicht eine Flexibilisierung des für 2035 vorgesehenen Verbrenner-Aus, die weitere Berücksichtigung von Plug-in-Hybriden, eine stärkere Förderung kompakter Elektroautos der künftigen M1E-Klasse sowie ein Regulierungsstopp, damit die Hersteller die Fahrzeugkosten weiter senken können.  Mario Hommen/SP-X

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