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Sollte man noch einen Diesel kaufen?

Im November war nur noch jeder fünfte Neuwagen ein Pkw mit Diesel-Motor. Was wird aus der Technologie? Hat sie Zukunft?

Der Diesel hat es schwer dieser Tage: Nur noch jeder sechste Neuwagen hierzulande war zuletzt ein Selbstzünder, im November etwa 15 Prozent. Der einst sehr populäre Motor hat einen beispiellosen Absturz hinter sich. Nicht nur bei den Absatzzahlen, sondern auch beim Image. „Der Diesel ist in der Auslaufphase“, urteilt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR). Am Leben halten ihn seiner Ansicht nach nur noch die Subventionen. Trotzdem: Ganz aus den Autohäusern verschwunden ist der Selbstzünde noch nicht. Was sollten potenzielle Käufer bedenken?

Das Angebot schrumpft:
Die einstigen Marktanteile von 50 Prozent und mehr – dafür muss man kein Prophet sein – wird der Diesel nie mehr erreichen. Könnte er auch gar nicht mehr, denn viele Hersteller haben ihre Dieselmodelle längst aus dem Programm genommen. Vor allem in den kleinen Klassen ist der Selbstzünder für Hersteller und Käufer unattraktiv geworden, seit eine wirksame und entsprechend teure Abgasreinigung an Bord sein muss. Aber auch aus den Stamm-Segmenten zieht sich der Selbstzünder zunehmend zurück, selbst in den SUV- und Dienstwagen-Klassen hat ihm der über Umweltbonus und 0,5-Prozent-Regelung stark geförderte Plug-in-Hybrid den Rang abgelaufen. Seit der Aufdeckung des Diesel-Skandals wurden herstellerübergreifend in mehr als 20 Modellreihen die Diesel gestrichen – ein Trend, der künftig anhalten dürfte.

Der Spritkosten-Vorteil schrumpft:

Diesel

Euro 7 dürfte dem Diesel das Leben noch schwerer machen. Foto: Bosch

Trotz straffer gezurrter Regelungen bei der Umweltbonus-Förderung dürfte sich an der höheren finanziellen Attraktivität des elektrifizierten Antriebs vor allem bei gewerblicher Nutzung nichts ändern. Dazu kommt eine drohende Streichung der noch existierenden Diesel-Privilegien. So will die neue Regierung unter anderem die Vergünstigungen bei den Kraftstoff-Abgaben überdenken. An der Zapfsäule wären TDI und Co. dann nur noch aufgrund ihres etwas geringeren Liter-Verbrauchs günstiger als ein vergleichbarer Benziner. Allerdings hat sich die Differenz zuletzt verkleinert, weil der Ottomotor mit großem Aufwand und vielfältiger Elektrifizierungstechnik sparsamer geworden ist. Am Diesel wird mittlerweile deutlich weniger optimiert.

E-Autos werden besser:
Einem normalen Benziner fährt der Diesel zumindest bei der Tankrechnung auch ohne Kraftstoff-Subventionen noch voraus. Angesichts der politisch gewollten Verteuerung bei Mineralöl-Kraftstoffen dürften allerdings bald die E-Autos in allen Segmenten die günstigere Gesamtkostenbilanz bieten. Je nach Berechnungsweise sind sie das sogar heute schon. Unter finanziellen Gesichtspunkten wird der Diesel also wohl nicht lange ein Sparmodell bleiben. Spätestens zwischen 2025 und 2030 könnte es endgültig in jedem Nutzungsszenario teurer werden, nicht elektrisch zu fahren.

Der Schadstoffdruck wächst:
Die aktuell geltenden NOx-Grenzwerte halten neue Diesel ein, wenn auch nur mit erheblichem technischem Aufwand. Allerdings gelten die Limits zumindest bei der Weltgesundheitsorganisation WHO als überholt und deutlich zu niedrig. Die EU hat bereits angekündigt, die neuen, strengeren Werte als Maßstab für ihre künftige Politik zu nehmen. Bis es entsprechende Regeln und Gesetze gibt, dürften noch Jahre ins Land ziehen. Dass Diesel-Pkw jedoch wieder unter Druck geraten und Halter weitere Fahrverbote fürchten müssen, ist nicht ganz auszuschließen. Dazu kommt die anstehende Verschärfung der Abgasnorm. Euro 7 dürfte zwar für viele Modelle technisch machbar sein, allerdings nicht zum Nulltarif, so dass die Anschaffungspreise weiter steigen dürften.

Restwerte dürften langfristig fallen:
Aktuell sind gebrauchte Diesel gefragt, die Preise relativ stabil. Wer jetzt einen Selbstzünder kauft und ihn in drei bis vier Jahren wieder losschlagen will, muss aber mit einem Preisverfall rechnen. Die Experten von Eurotax gehen davon aus, dass wenn Mitte des Jahrzehnts die dann wohl letzten dieselbetriebenen Leasing-Rückläufer der Flottenbetreiber auf den Gebrauchtwagenmarkt kommen, ein starker Preisverfall einsetzt. Sinkende Nachfrage trifft dann noch einmal auf ein großes Angebot.

Wann sich der Diesel trotzdem lohnt:
Wer heute schnell große Distanzen überwinden will, tut das mit einem Diesel sicherlich flotter und bequemer als mit einem E-Auto, das regelmäßige Ladestopps einlegen muss, die zudem vorab geplant werden wollen. Auch wer sein Auto sehr lange halten will und sich um Restwerte deswegen keine Gedanken macht, könnte über den Kauf eines Diesel-Pkw nachdenken. Generell entspannter ist die Lage sowieso beim Kauf eines Gebrauchtwagens. Dort ist der Wertverlust schon passiert, die Investition fällt im Vergleich mit einem Neuwagen zudem geringer aus. HM/SP-X/Titelfoto: pixabay

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