Technologieoffenheit

„Technologieoffenheit“: Eine gern genutzte Ausrede

Wieder einmal springen Politiker dem Verbrenner bei. Doch der ist eine Sackgasse, nicht nur wegen einer neuen Studie.

Immer wieder werden Stimmen laut, die sich beim Thema Antriebe der Zukunft für „Technologieoffenheit“ aussprechen. Doch was steckt eigentlich in dem Begriff? Nun, in Zeiten des massenhaften Lobbyismus versuchen jene Teile der Industrie, die dem Verbrennungsmotor die Stange halten, ein paar Jahre mehr für die veraltete Technologie herauszuschlagen. Oder sie setzen auf die viel zitierten Bio-Kraftstoffe, oder auch E-Fuels genannt, um den Verbrenner irgendwie am Leben zu erhalten.

Die Zukunft eben nicht „dem Markt“ überlassen

Einer der prominentesten Vertreter dieser Fürsprecher ist Finanzminister Christian Lindner, der derzeit mit dieser Haltung der Ampelkoalition in die Parade grätscht. Vor welchem Hintergrund FDP-Mann Lindner diese unleidige Diskussion befeuert, bleibt sein Geheimnis. Gerne beruft sich die FDP ja auf „liberales“ Denken, wohinter ja stets die Haltung steht, dass man die Zukunft ruhig „dem Markt“ überlassen kann.

Wie weit wir mit dieser Haltung gekommen sind, sehen wir derzeit überdeutlich: Angela Merkel und die CDU (und auch die SPD) haben in den vergangenen 16 Jahren nahezu alles „dem Markt“ überlassen, und nun rennt die aktuelle Regierung den verhängnisvollen Entwicklungen hinterher, die man früher hatte absehen können – und gegen die man früher hätte gegensteuern müssen: Klimakrise und Russlandabhängigkeit.

Eine Regierung muss auch lenken

Nein, eine Regierung hat nicht selten die Pflicht, die Gesellschaft in die richtige Richtung zu lenken und eben nicht allen „dem Markt“ (und damit den Lobbyisten) zu überlassen, sondern steuernd einzugreifen. Und wenn jetzt dazu nicht der Zeitpunkt ist? WANN IST ER DANN?

Doch kommen wir zurück zu den Bio-Kraftstoffen, die Herr Lindner ja so mag. Nicht nur, dass es viel zu wenig Produktionsstätten für Bio-Sprit gibt und es damit in absehbarer Zeit unmöglich sein wird, Pkw damit zu betreiben (wir haben uns schon in früheren Artikeln dieser Thematik zugewandt). Einer Studie der Umweltorganisation „Transport & Environment“ zufolge werden in Europa täglich 17.000 Tonnen Raps- und Sonnenblumenöl für den Betrieb von Dieselfahrzeugen verbraucht. Das entspreche 19 Millionen Flaschen. Pro Jahr lande in Europa 58 Prozent des gesamten Rapsöls und 9 Prozent des Sonnenblumenöls im Tank. Weltweit gesehen würden rund 19 Prozent der verzehrbaren Pflanzenöle für die Kraftstoffproduktion genutzt, darunter auch Palm- und Sojaöl.

10.000 Tonnen Weizen im Tank

Pflanzenöl ist ein gängiger Rohstoff für die Produktion von Bio-Diesel. Der bilanziell CO2-neutrale Designer-Kraftstoff ist mit siebenprozentigem Anteil in dem an der Tankstelle verkauften Standard-Dieselsprit enthalten. Benzin hingegen wird mit zehn Prozent Bio-Ethanol versetzt, das hierzulande vor allem aus Rüben, Mais und Weizen hergestellt wird. In einer früheren Studie hatte „Transport & Environment“ ermittelt, dass in Europa täglich rund 10.000 Tonnen Weizen in Form von Ethanol im Tank landen.

Auch diese erschreckenden Zahlen liefern gute Gründe dafür, nicht auf Bio-Kraftstoffe in der individuellen Mobilität zu setzen; allenfalls im Flugzeug- oder Lkw-Verkehr. Herr Lindner und ähnliche Glaubenskrieger sollten einsehen, dass man irgendwann alle Kräfte bündeln und sich für eine (mobile) Zukunft entscheiden muss. Und die ist im Pkw-Bereich auf jeden Fall elektrisch. Wir müssen es jetzt angehen! Titelfoto: pixabay

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